Angeklagter mit vielen „Baustellen“ vor Gericht

ruth Betzdorf. Die Geburt seines neunten Kindes wird 34-jährige Angeklagte Peter V. (Name von der Redaktion geändert) nicht miterleben. Heute Morgen trat er eine dreimonatige Haftstrafe an, eine alte Sache, die mit der gestrigen Hauptverhandlung vor dem Betzdorfer Amtsgericht nichts zu tun hat. Dort musste sich der 34-Jährige wegen Tankstellenbetrugs verantworten. In Kirchen hatte er im Juni 2009 getankt, ohne die Rechnung bezahlen zu können. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, dass er, wohlwissend, dass sein Konto nicht gedeckt war, trotzdem zum Tanken fuhr.

Schon der erste Versuch, die Benzinrechnung zu bezahlen, schlug fehl. Der Automat der Tankstelle nahm die Karte nicht an. Daraufhin ließ der 34-Jährige ein altes Mobiltelefon als Pfand zurück. Zuvor entfernte er allerdings die SIM-Karte seines Telefons. Von der nahegelegenen Sparkasse in Kirchen wollte er sich dann am Automaten Geld ziehen. Natürlich hat auch der Sparkassenautomat kein Geld „ausgespuckt“, denn was der kleine Bruder in der Tankstelle schon ahnte, wusste der Computer der Sparkasse erst recht: das Konto des 34-Jährigen war leer.

Der bald neunfache Vater fiel aus allen Wolken, als ihn eine Vorladung der Betzdorfer Polizei erreichte. Er hatte nicht die geringste Vorstellung, warum er zur Vernehmung nach Betzdorf kommen sollte. Erst als ihm der verhörende Beamte eröffnete, worum es gehe, habe es ihm gedämmert, sagte er gestern vor Gericht aus. Bis auf den heutigen Tag sei es ihm unmöglich gewesen, den Betrag von 46 Euro zu bezahlen. Der Angeklagte lebt von Hartz IV. Im Februar kommt sein neuntes. Kind zur Welt. Keines seiner Kinder lebt bei ihm. Alle sind entweder in staatlichen Einrichtungen untergebracht oder bei Pflegeeltern untergekommen. Bis Juni 2009 hat er monatlich 423 Euro aus Hartz IV bezogen. Seit Oktober 2009 arbeitete er als Sozialbetreuer in einem Altenheim auf 400-Euro-Basis.

Damit ist vorerst auch einmal Schluss, denn jetzt sitzt er erst einmal eine alte Strafsache ab. Danach wartet schon das nächste Verfahren auf ihn. Da der Tankstellenbetrug gesamtstrafenfähig war und bei einer Verurteilung kaum mehr ins Gewicht fallen würde, wurde die Sache fallen gelassen. Laut eigener Aussage will er wegen seine Neigung, sich fremdes Eigentum anzueignen (der Angeklagte hat bereits acht einschlägige Eintragungen im Zentralregister), einer Therapie unterziehen, wie seine Bewährungshelferin dem Gericht erläuterte.

Allerdings sei dieser Gedanke neu bei ihm und entbehre noch jeder Umsetzung, fügte sie hinzu. Nicht neu dagegen sind seine Bemühungen, seine Kinder wieder in die eigene Obhut zu bekommen. Auch hier stehen noch einige Verfahren aus.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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