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Geiselnahme, Drogenhandel, sexuelle Nötigung
Angeklagter muss zehn Jahre in Haft

Vor dem Landgericht wurde ein ehemals in Betzdorf wohnhafter Afghane zu zehn Jahren Haft verurteilt.
  • Vor dem Landgericht wurde ein ehemals in Betzdorf wohnhafter Afghane zu zehn Jahren Haft verurteilt.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

dach Koblenz/Betzdorf. Die Mutter schluchzt bereits, als sie ihren Jungen in Handschellen in den Gerichtssaal führen. Ihr Junge, das ist der 37-jährige Farid (Name geändert) A. Und er wird die kommenden Jahre hinter Gitter verbringen. Er ist am Dienstag von der 6. Strafkammer des Koblenzer Landgerichts einmal zu vier und einmal zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Der Afghane, der bis zu seiner Verhaftung in Betzdorf gelebt hatte, war wegen diverser Delikte angeklagt (die SZ berichtete). Einige Punkte wurden im Laufe des Prozesses, der sich über mehrere Tage erstreckte, eingestellt. Der Rest reichte dennoch für eine Verurteilung, die dem Leben von Farid A. erneut eine entscheidende Wende geben dürfte.

dach Koblenz/Betzdorf. Die Mutter schluchzt bereits, als sie ihren Jungen in Handschellen in den Gerichtssaal führen. Ihr Junge, das ist der 37-jährige Farid (Name geändert) A. Und er wird die kommenden Jahre hinter Gitter verbringen. Er ist am Dienstag von der 6. Strafkammer des Koblenzer Landgerichts einmal zu vier und einmal zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Der Afghane, der bis zu seiner Verhaftung in Betzdorf gelebt hatte, war wegen diverser Delikte angeklagt (die SZ berichtete). Einige Punkte wurden im Laufe des Prozesses, der sich über mehrere Tage erstreckte, eingestellt. Der Rest reichte dennoch für eine Verurteilung, die dem Leben von Farid A. erneut eine entscheidende Wende geben dürfte.

Cousine als Geisel genommen

Die Vier-Jahres-Strafe verhängte die Kammer unter Vorsitz von Richter Andreas Bendel unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung und Geiselnahme. Er hat, davon zeigte sich das Gericht überzeugt, im Jahr 2017 seine damalige Ehefrau unter anderem mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen. Außerdem hatte er, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, eine ihrer Cousinen als Geisel genommen und damit versucht, ein Wiedersehen mit seiner Noch-Gattin zu erzwingen. Diesen Tatkomplex hatte Farid A. im Großen und Ganzen zugegeben.

Strafe teilweise verbüßt

In dieses Strafmaß floss eine Verurteilung des Landgerichts Gießen (ein Jahr, vier Monate) mit ein. Bendel erklärte allerdings zwei Monate bereits wieder als vollstreckt – weil das Verfahren so lange gedauert habe. Auch werde die bereits verbüßte Untersuchungshaft mit der verhängten Strafe verrechnet. Laut Verteidiger Dr. Dr. Seyed Iranbomy sind das zusammengerechnet 19 Monate.
Auf der anderen Seite kamen mit dem Urteil von Dienstag weitere sechs Jahre hinzu.

Drogen an Minderjährige verkauft

Denn Farid A. hatte außerdem in Betzdorf mit Drogen gehandelt. Die Kammer vertrat die Ansicht, mehrere Transaktionen an Minderjährige nachgewiesen zu haben. Außerdem gewerbsmäßigen Handel sowie eine sexuelle Nötigung an einer seiner Kundinnen. „Die Summe dieser Einzelstrafen ist deutlich zweistellig“, so Bendel. Am Ende bildete das Gericht daraus ein Gesamtstrafe von sechs Jahren. Zumal es hier eine „einem Geständnis gleichkommenden Äußerung“ des Angeklagten vermisst habe. Im Gegenteil: Farid A. habe in der Sache sogar die Schuld auf Dritte geschoben.

"Das Rechtsempfinden ist kulturell bei ihm anders."
Anwalt Dr. Dr. Seyed Iranbomy
über seinen Mandanten Farid A.

Für die Staatsanwaltschaft bedeutete das eine Punktlandung. Sie hatte ziemlich genau dieses Strafmaß gefordert. Bei der Verteidigung gab es indes lange Gesichter. Markus Herzog, der zum Prozessauftakt – letztlich erfolglos – einen sogenannten Deal angeregt hatte, plädierte nun auf eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten, Dr. Dr. Iranbomy seinerseits auf „höchstens vier Jahre“.

Gewalt gegen Frauen keine Seltenheit

Herzog betonte, dass sein Mandant bei seinen Drogengeschäften die Kunden explizit nach deren Alter gefragt und Minderjährigen dann ausnahmslos mit der vermeintlich weichen Droge Marihuana versorgt habe. Beim Vorwurf der sexuellen Nötigung wies er darauf hin, dass das vermeintliche Opfer mit Farid A. in dessen Wohnung gegangen sei. „Trotz aller Warnungen, die da rumgeisterten, in diesem Sumpf Betzdorf.“ Schließlich sei bekannt gewesen, dass der heute 37-Jährige deale und ein Auge auf junge Frauen geworfen habe. Und die Sache mit seiner damaligen Ehefrau, die sei der Herkunft aus einem völlig anderen Kulturkreis geschuldet, mit einem völlig anderen Frauenbild. Mittlerweile habe sein Mandant die Trennung aber akzeptiert.

Darauf wollte auch Herzogs Kollege Iranbomy hinaus: „Das Rechtsempfinden ist kulturell bei ihm anders.“ In der Tat hatte die Ex-Frau berichtet, dass Farid A. ihr bereits in Afghanistan Knochenbrüche beigebracht habe – und dass dies dort vielen Frauen widerfahre. Farid A. habe jedenfalls ständig versucht, „sein Leben in die richtige Richtung zu bringen“, so Dr. Dr. Iranbomy: „Dieser Mann hat keinen Willen zur Kriminalität.“

Revisionsantrag wahrscheinlich

Von der Höhe der Forderung der Staatsanwaltschaft schien er zumindest überrascht zu sein. „Was bringt das? Eine Strafe muss doch einen Sinn erfüllen.“
Nach der Urteilsverkündung meinte Iranbomy: „Das ist nicht akzeptabel.“ Es spricht einiges dafür, dass die Verteidigung Revision beantragen wird.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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