Anspruch und Nachvollziehbarkeit

Hellmut Hattler und Band ließen es in der Betzdorfer Stadthalle mächtig grooven

sz Betzdorf. »Das ist ziemlich abstrakt, was jetzt abgeht«, warnt Hellmut Hattler seine Fans schon vor dem ersten Ton – und meint damit das Intro, bei dem er eine virtuose Solonummer am Bass abliefert, dass den Besuchern vor Staunen Hören und Sehen vergeht. Begleiten lässt er sich dabei von elektronischen Breakbeats, und schon jetzt wird unmissverständlich klar: Heute wird es mächtig grooven, es geht in Richtung Bass. Aber nicht nur, denn in seiner neuen Band – schlicht »Hattler« genannt – hat der Tiefton-Meister vier weitere hervorragende Musiker/innen versammelt: den exzellenten Trompeter Stud, der neben Hattler selbst die instrumentale Führungsrolle übernimmt, die beiden stimmlich grundverschiedenen und darum sich bestens ergänzenden Sängerinnen Nketchi Mbakwe und Sandie Wollasch, sowie als unerschütterliches und grundsolides rhythmisches Rückgrat den meisterhaft agierenden Drummer Oli Rubow. Ganz so »abstrakt« wie beim ersten Stück wurde es am Samstagabend in der Betzdorfer Stadthalle im Großen und Ganzen dann doch nicht. Nur hin und wieder. Hellmut Hattler trat vielmehr den Beweis an, dass Anspruch und Nachvollziehbarkeit in Sachen Musik durchaus ein perfektes Paar abgeben können. Wenn sich etwa die virtuosen Jazz-Improvisationen von Stud (Trompeter, Midi-Master und Keyboarder in Personalunion) über satten Grooves entfalten, dann wird auch der nicht unbedingt auf Jazz eingeschworene Zuhörer keineswegs überstrapaziert. Für Hattler scheinen stilistische Grenzen keine Grenzen zu sein, mit seiner Musik kann der Rock- und Funk-Fan ebenso viel anfangen wie der (Hip)Jazz-Freund. In Betzdorf, wo Hellmut Hattler und seine Mitstreiter/innen auf Einladung des örtlichen Kulturvereins Lokschuppen gastierten, waren Stücke des aktuellen »Hattler«-Albums »No Eats Yes« ebenso zu hören wie Werke aus der erfolgreichen »Tab Two«-Ära. Kompositionen aus seiner Zeit mit der legendären Band »Kraan« blieben allerdings außen vor, denn Hattler wird in diesem Jahr zum 30. »Kraan«-Geburtstag mit der Gruppe auf Tour gehen.

Die richtige Mischung macht’s, und das ist auch bei »Hattler« so: Treibende Abgehnummern, bei denen auch ruhig mal ein Rap dabei sein darf, geben sich die Klinke in die Hand mit traumhaft-atmosphärischen, ruhigen Stücken, Instrumentals ergänzen sich bestens mit Vokalnummern, und die Liebhaber flinker »Instrumentalakrobatik« werden ebenso bedient wie die Freunde schöner Melodien. Die Verbindung von elektronischen Klängen und Effekten und Live-Instrumenten brachte zusätzlich Farbe in Hattlers HipJazz, ebenso wie die gelungene Verschachtelung von elektronischen Beats und Natur-Drumset. Die klare, reine Stimme von Sandie Wallosch bildete einen schönen Kontrast zu den tiefen Lagen, in denen sich Sängerin Nketchi Mbakwe bewegte. Nicht zuletzt war es der große Reichtum an Klangmöglichkeiten, den Stud seiner Trompete – mit und ohne Dämpfer oder auch mit Effekten verfremdet – entlockte, der für Abwechslung sorgte. Faszinierend etwa auch, wie Hellmut Hattler seinen Körper als »Rhytmusinstrument« einsetzte – ganz zu schweigen von seinen Bass-Künsten, die freilich, ob mit oder ohne Plektrum, über jeglichen Zweifel erhaben sind. Davon zeugte nicht nur sein äußerst beeindruckendes Bass-Solo.

Das Publikum honorierte die Leistungen mit begeistertem Applaus und holte »Hattler« zwecks Zugaben zweimal auf die Bühne zurück. Bereits im Vorfeld hatte die »Brucher Blues Band« (BBB) mit handgemachtem Blues-Rock den Musikfans eingeheizt. Insgesamt eine richtig runde Sache und ein toller Abend, dem allerdings viel mehr Zuhörer zu gönnen gewesen wären.

aww

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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