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Urteil vor dem Amtsgericht Betzdorf
Arbeitsloser stellt Sex-Video von Ex-Freundin ins Netz

Ein 41-Jähriger aus dem Raum Betzdorf hat ein Sex-Video von seiner Ex-Freundin online gestellt. Jetzt hat er vor Gericht die Quittung bekommen.
  • Ein 41-Jähriger aus dem Raum Betzdorf hat ein Sex-Video von seiner Ex-Freundin online gestellt. Jetzt hat er vor Gericht die Quittung bekommen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Betzdorf. Nein, ein schwarzer Balken über den Augen löst das Problem nicht: Diese Lektion hat jetzt ein 41-jähriger Arbeitsloser aus dem Raum Betzdorf lernen müssen. Er hatte seine frühere Freundin beim Sex gefilmt und den Film einige Zeit später auf einem Porno-Portal im Internet hochgeladen. Und genau dafür ist er jetzt im Betzdorfer Amtsgericht verurteilt worden.

"Jetzt hast d

damo Betzdorf. Nein, ein schwarzer Balken über den Augen löst das Problem nicht: Diese Lektion hat jetzt ein 41-jähriger Arbeitsloser aus dem Raum Betzdorf lernen müssen. Er hatte seine frühere Freundin beim Sex gefilmt und den Film einige Zeit später auf einem Porno-Portal im Internet hochgeladen. Und genau dafür ist er jetzt im Betzdorfer Amtsgericht verurteilt worden.

"Jetzt hast du die Quittung"

Dabei hatte eigentlich er abrechnen wollen: „Jetzt hast Du die Quittung“, war eine Mail überschrieben, die der 41-jährige Matthias E. (Name geändert) seiner Ex nach der Trennung geschickt hatte. Und in der Mail fand sich ein Link: Auch ohne das dreiminütige Video anschauen zu müssen, erkannte sich die 34-jährige Ex-Freundin sofort wieder – und zwar beim Oralverkehr. Und an dem hohen Wiedererkennungswert hat auch der schwarze Balken über den Augen nichts geändert.

„Ich hatte in der Beziehung schon mehrfach geäußert, dass ich es nicht will, dass Fotos oder Videos von mir veröffentlicht werden“, stellte die Zeugin vor Gericht klar. So habe sie auch in der Szene, die nachher im Internet auftauchte, vehement dagegen protestiert, dass Matthias E. mit seinem Smartphone ein Video aufnahm. „Ich habe erst gar nicht gesehen, dass er ein Handy in der Hand hatte. Und diese Zeit ist dann veröffentlich worden.“

Angeklagter schweigt vor dem Amtsgericht Betzdorf zunächst eisern

Das Video stand einige Wochen lang im Netz – denn die Mail ihres Ex-Freundes sei im Spamfilter hängengeblieben. „Die habe ich erst Wochen später bemerkt.“ Dann habe sie sofort gehandelt, gab die Zeugin zu Protokoll: „Ich habe bei dem Betreiber der Seite darum gebeten, das Video umgehend zu löschen.“ Und sie hat Matthias E. angezeigt.
Der wählte jetzt im Amtsgericht eine eigentümliche – und wenig erfolgreiche – Verteidigungsstrategie: Er schwieg eisern, um dann mit seinem letzten Wort plötzlich doch noch alles zu gestehen. Und damit grätschte er seinem Verteidiger massiv ins Plädoyer: Wigbert Emde hatte Augenblicke zuvor noch einen Freispruch gefordert. Es sei nichts bewiesen, die Zeugin habe lediglich Indizien geliefert, mehr nicht, hatte Emde ausgeführt.

Dann aber kam der Auftritt von Matthias E., und das Plädoyer war pulverisiert: „Das war eine dumme Sache mit dem Video. Aber ich hab ja wenigstens einen schwarzen Balkon drüber gemacht. Und ich hab kein Geld damit verdient, und meine Ex-Freundin auch nicht.“ Was um alles in der Welt der Angeklagte mit dem letzten Halbsatz ausdrücken wollen, bleibt offen – klar ist nur: Auch ohne seine überraschenden letzten Worte wäre der 41-Jährige verurteilt worden.

Richter hat keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ex-Freundin

Daran ließ Richter Tim Hartmann jedenfalls in seinem Urteil keinen Zweifel. Denn wie auch Staatsanwältin Jessica Zimmermann hatte der Richter keinerlei Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin. „Das, was Sie in Ihrem letzten Wort gesagt haben, war nicht mehr Teil der Beweisaufnahme“, klärte der Richter den Angeklagten über die Feinheiten der Strafprozessordnung auf. „Aber: Ich brauche das gar nicht heranzuziehen. Ich habe überhaupt keine Zweifel an der Aussage der Zeugin.“
Und so war für Richter Hartmann ein Verstoß gegen den Paragrafen 201 des Strafgesetzbuchs bewiesen: Matthias E. hat sich der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ schuldig gemacht.

Angeklagter kommt mit 450 Euro Geldstrafe davon

Damit nicht genug: Nach der Trennung, die für den Angeklagten Knall auf Fall gekommen sei, hat er offenbar noch ein Benutzerkonto bei einer kostenpflichtigen Online-Sexplattform angelegt – und zwar auf den Namen seiner Ex. Der flatterte anschließend eine 250-Euro-Rechnung eines Inkassobüros ins Haus – und sie erstattete abermals Anzeige.
Alles in allem ergibt das eine Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen. Nur der Tatsache, dass der Satz für Hartz-IV-Empfänger bei 10 Euro liegt, verdankt es Matthias E., dass er mit 450 Euro davonkommt.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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