DGB im Kreis Altenkirchen fordert Gegenmaßnahmen
Arm trotz Vollzeitbeschäftigung

Die Grafik zeigt, welche Bevölkerungsgruppen im Kreis am meisten von den Auswirkungen des Niedriglohnsektors betroffen sind. Grafik: DGB
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sz Kreis Altenkirchen. Fast 4700 Menschen im Kreis Altenkirchen können trotz Vollzeitbeschäftigung nicht von ihrer Arbeit leben. Darauf weist der DGB-Kreisverband unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) hin und fordert, dagegen anzugehen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei statistisch betrachtet nach wie vor gut, vermeldet der DGB in seiner Pressemitteilung, doch die Statistik habe einen gravierenden Schönheitsfehler: Deutschland habe einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Laut der Studie des DIW seien inzwischen – unter Berücksichtigung der Teilzeit- und Nebenjobs – bundesweit mehr als neun Millionen Menschen davon betroffen. Als Niedriglohn gilt dabei nach internationalen Standards für Deutschland ein Brutto-Stundenlohn von 10,80 Euro.

Als besonders dramatisch wertet es der DGB, dass es inzwischen deutschlandweit mehr als vier Millionen Menschen gebe, die in einem Vollzeitjob arbeiteten, deren Lohn aber nicht ausreiche, um ein auskömmliches Leben zu führen. Allein in Rheinland-Pfalz seien 2017 im Jahresdurchschnitt 146 885 Menschen in Vollzeit zu Stundenlöhnen von weniger als 10,80 Euro beschäftigt gewesen. Das entspricht 18,6 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten.

Im Landkreis Altenkirchen sehe es vergleichbar aus: Hier sind es nach Angaben des DGB 4689 Menschen, das entspricht 18,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Besonders hoch ist erwartungsgemäß der Anteil bei Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss (37,9 Prozent), bei Frauen (34,1 Prozent), während es bei den Männern fast dreimal weniger sind (12,9 Prozent) und bei Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (36,9 Prozent).

Bernd Becker, DGB-Vorsitzender im Kreis Altenkirchen: „Gebetsmühlenartig ist aus Teilen von Politik und Medien zu hören, dass es Deutschland noch nie so gut gegangen sei wie heute. Wenn diese Entwicklung an abertausenden Menschen spurlos vorbeigeht und die Angst vor Altersarmut immer mehr um sich greift, tickt hier eine soziale Zeitbombe, die dringend entschärft werden muss“. Dies gelte für die große Politik ebenso wie für die heimische Region. Denn für den Kreis Altenkirchen komme hinzu, dass im Vergleich zu den Nachbarregionen generell zu wenig verdient werde.

Der DGB fordert deshalb, die Tarifbindung der Betriebe zu stärken und hebt die vorbildliche Arbeit der IG Metall in Betzdorf hervor. So wie Arbeitnehmer in eine Gewerkschaft gehörten und einen Betriebsrat wählen sollten, gehören Arbeitgeber in einen Arbeitgeberverband – und zwar mit Tarifbindung.

Von der Politik fordert der DGB, die Erklärungen zur Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen zu erleichtern und für Verbesserungen bei der Nachwirkung von Tarifverträgen zu sorgen. Umfassende Tariftreueregelungen im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe seien eine Selbstverständlichkeit und der gesetzliche Mindestlohn müsse perspektivisch auf ein existenzsicherndes Niveau angehoben werden.

Weiterbildung und Qualifikation sind nach Überzeugung der Gewerkschafter der Schlüssel, um Geringqualifizierten den beruflichen Aufstieg und eine anständige Entlohnung zu ermöglichen. Da seien vor allem die Arbeitgeber gefordert, aber auch in den Jobcentern und Arbeitsagenturen müssten die Voraussetzungen für noch größere Anstrengungen beim Thema Weiterbildung geschaffen werden.

Da der Arbeitsmarkt heute und in Zukunft ohne Menschen mit Migrationshintergrund nicht vorstellbar sei, komme der berufsbezogenen Sprachförderung als Voraussetzung für eine spätere abschlussorientierte Qualifizierung erhebliche Bedeutung zu, merkt der DGB abschließend an.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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