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Neun Pflanzen und neun Setzlinge
Asthma-Patient baut "Gras" an

Neun Marihuana-Pflanzen hatte der Angeklagte bei sich zu Hause angebaut.
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dach Betzdorf. Neun Marihuana-Pflanzen, dazu nochmal so viele Setzlinge: Auf dieses „Grünzeug“ stießen Beamte Anfang 2020 bei einer Durchsuchung des Wohnhauses von Bastian Z. Die Gewächse wurden einkassiert, der heute 39-Jährige landete auf der Anklagebank. Das Betzdorfer Schöffengericht unter Vorsitz von Beatrice Haas setzte sich nun mit dem Fall auseinander.

Zu leugnen, die Pflanzen gezogen zu haben, wäre wohl vergebene Liebesmühe gewesen. Zu erdrückend waren die Beweise. Allerdings lautete die Anklage auf versuchtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, laut juristischer Definition ein Verbrechen. Und hier hatten Bastian Z. (Name geändert) sowie dessen Verteidiger Thomas Düber etwas entgegenzusetzen.

dach Betzdorf. Neun Marihuana-Pflanzen, dazu nochmal so viele Setzlinge: Auf dieses „Grünzeug“ stießen Beamte Anfang 2020 bei einer Durchsuchung des Wohnhauses von Bastian Z. Die Gewächse wurden einkassiert, der heute 39-Jährige landete auf der Anklagebank. Das Betzdorfer Schöffengericht unter Vorsitz von Beatrice Haas setzte sich nun mit dem Fall auseinander.

Zu leugnen, die Pflanzen gezogen zu haben, wäre wohl vergebene Liebesmühe gewesen. Zu erdrückend waren die Beweise. Allerdings lautete die Anklage auf versuchtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, laut juristischer Definition ein Verbrechen. Und hier hatten Bastian Z. (Name geändert) sowie dessen Verteidiger Thomas Düber etwas entgegenzusetzen. Denn die kleine Plantage habe keineswegs dazu gedient, „Stoff“ für etwaige Abnehmer zu produzieren. „Es war der Versuch, sich selbst zu therapieren“, befand Düber.

Angeklagter leidet an chronischem Asthma

Bastian Z. – gelernter Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker – gab an, berufsunfähig zu sein. Er leide an chronischem Asthma sowie an einem Lungenemphysem. Im Internet hatte er von einem positiven Effekt des Marihuanarauchens gelesen. Der Selbsttest habe dies bestätigt: „Ich habe gemerkt, dass das meine Lunge sehr entspannt.“ Es sei deutlich angenehmer gewesen als die üblichen Hübe Cortisonspray. Fünf bis sieben Mal habe er sich innerhalb eines Jahres einen Joint gedreht, pur, ohne Tabak.

Bevor er die Cannabissamen in die Erde gesteckt hatte, habe er versucht, sich Marihuana auf Rezept von einem Arzt verschreiben zu lassen. Doch das sei bekanntermaßen „unheimlich schwierig“, vor allem die Kostenübernahme sei ein Problem, so Verteidiger Düber. Der etwaige Ertrag aus seiner Kleingärtnerei habe also nur ihm selbst gelten sollen. „Es war nie die Intention, irgendwas davon abzugeben“, so der Angeklagte. Die sichergestellten Marihuanablüten hatten einen Wirkstoffgehalt von 1,35 Prozent (bei zwei Dritteln der Drogen) bzw. 3,08 Prozent (ein Drittel). Bei Verkaufsware liegt er deutlich darüber.

Gutachten von LKA wies Kleinplantage aus

Dennoch wollte Richterin Haas wissen, warum er denn gleich 18 Pflanzen – von kleinen Setzlingen bis zu einer Größe von 62 Zentimetern – zu Hause hatte. Nun, mit den Setzlingen habe er quasi üben wollen. Und sein Equipment, unter anderem ein Aufzuchtzelt mit entsprechenden Lampen, sei so ziemlich das kleinste, was der Markt hergebe. Eine Pflanzfläche war 0,4 Quadratmeter groß, eine zweite 0,2 Quadratmeter. Das LKA hatte in einem Gutachten geschrieben, es sei eine Kleinplantage gewesen, mit Materialkosten von ca. 1000 Euro. Er habe aber nur rund die Hälfte investieren müssen, so Bastian Z., die Gerätschaften über ein Kleinanzeigenportal erstanden.

Warum er sich das Gras nicht einfach „auf der Straße“ gekauft habe, wollte Staatsanwältin Kirchner wissen. Er habe gelesen, dass Marihuana vom Schwarzmarkt oftmals gestreckt sei, sagte der Angeklagte: Er habe Angst gehabt, seiner Lunge damit eben nichts Gutes, sondern etwas Schlechtes zu tun. Die Staatsanwältin interessierte überdies, warum er eine Feinwaage zu Hause gehabt habe. Die, so Bastian Z., sei ein Überbleibsel des Ex-Freundes seiner Ex-Freundin gewesen.

Vorwurf der Anklage nicht bestätigt

Das mit der Feinwaage war der Staatsanwältin zwar nicht so recht klar geworden, weshalb sie auch „verbleibende Restzweifel“ an der Geschichte ausmachte. Dennoch sah sie den Vorwurf aus der Anklage, nicht zuletzt wegen des geringen Wirkstoffgehalts im Marihuana, nicht bestätigt. Sie plädierte auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro, wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln.

Dem pflichtete nicht nur Verteidiger Thomas Düber bei, sondern auch die Schöffengerichtskammer, zumal Bastian Z. mit einem lupenreinen Vorstrafenregister in den Gerichtssaal gekommen war. Und: „Es war kein Konsum zum Vergnügen“, so Richterin Haas.

"Bin kein typischer Kiffer"

Letztlich habe ein Arzt ihm sogar Marihuana verschrieben, 10 Gramm pro Woche, hatte der Angeklagte zuvor berichtet. Das habe er aber in Absprache mit seiner Freundin nicht mehr in Anspruch genommen. „Ich bin kein typischer Kiffer“, so Bastian Z. Im Moment gehe es ihm mit seiner Erkrankung verhältnismäßig gut. „Ich trinke viel Tee und mache Sport.“

Neun Marihuana-Pflanzen hatte der Angeklagte bei sich zu Hause angebaut.
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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