SZ

Polizei und Kripo in Zeiten der Corona-Krise
„Auf dem Weg ins Normale“

Marcus Franke (l.), Leiter der Betzdorfer Polizeiinspektion, und Kripo-Chef Markus Sander unterhielten sich am „Hellerblick“ mit der SZ über die veränderten Herausforderungen in der Corona-Krise.
  • Marcus Franke (l.), Leiter der Betzdorfer Polizeiinspektion, und Kripo-Chef Markus Sander unterhielten sich am „Hellerblick“ mit der SZ über die veränderten Herausforderungen in der Corona-Krise.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf. „In keinem Bereich sind die Zahlen nach oben gegangen“: Das ist die wichtigste Botschaft von Marcus Franke im Gespräch mit der SZ. Der Leiter der Betzdorfer Polizeiinspektion (PI) beleuchtete gemeinsam mit dem Chef der Betzdorfer Kriminalinspektion (KI), Markus Sander, das Geschehen vor Ort rund um die Auswirkungen der Corona-Krise.

Doch welche Auswirkungen? Zunächst einmal sind die in den Arbeitsabläufen der Beamten zu finden. In beiden Behörden wurden Kohorten gebildet, also die Belegschaften gewissermaßen in Großgruppen aufgeteilt. Auch die Leitungsbeamten tun nicht mehr gemeinsam Dienst, um im Fall der Fälle arbeitsfähig zu bleiben. Und wie sieht’s im Alltag aus?

• Es gibt verhältnismäßig viele Meldungen von Bürgern über Verstöße gegen die Corona-Auflagen.

dach Betzdorf. „In keinem Bereich sind die Zahlen nach oben gegangen“: Das ist die wichtigste Botschaft von Marcus Franke im Gespräch mit der SZ. Der Leiter der Betzdorfer Polizeiinspektion (PI) beleuchtete gemeinsam mit dem Chef der Betzdorfer Kriminalinspektion (KI), Markus Sander, das Geschehen vor Ort rund um die Auswirkungen der Corona-Krise.

Doch welche Auswirkungen? Zunächst einmal sind die in den Arbeitsabläufen der Beamten zu finden. In beiden Behörden wurden Kohorten gebildet, also die Belegschaften gewissermaßen in Großgruppen aufgeteilt. Auch die Leitungsbeamten tun nicht mehr gemeinsam Dienst, um im Fall der Fälle arbeitsfähig zu bleiben. Und wie sieht’s im Alltag aus?

• Es gibt verhältnismäßig viele Meldungen von Bürgern über Verstöße gegen die Corona-Auflagen. „Das geschieht meiner Auffassung nach aus einer Mischung aus Verunsicherung und Angst heraus“, sagt Franke, der aber anfügt: „Verstöße hatten wir relativ wenige.“ Und eigentlich alle Situation hätten die Kollegen bislang mit Ansprachen regeln können. Strafen wurden noch nicht ausgesprochen. Und so habe die Betzdorfer Polizei bislang auch noch keine Corona-Party auflösen müssen. „Das Verständnis und die Akzeptanz für die Maßnahmen ist wirklich in Ordnung“, so der PI-Leiter. Diese Einschätzung teilt auch Markus Sander: „Der überwiegende Anteil der Bevölkerung hält sich dran.“ Übrige Beschwerden bewegten sich im Normalmaß, so Franke.

• Die Zahl der Einbrüche geht derzeit zurück. Dass dies auf das Phänomen Homeoffice oder auch auf die verstärkte Präsenz der Schutzpolizei „auf der Straße“ zurückzuführen sei, kann sich Markus Sander zwar vorstellen, aber belegen lasse sich das eher nicht. Ein ganz anderer Grund schlage hier viel mehr zu Buche: „Die dunkle Jahreszeit ist vorbei.“

• Ein anderes Deliktfeld, das oftmals mit den Kontaktbeschränkungen in Verbindung gebracht wird, ist die häusliche Gewalt. Doch: „Wir haben hier keinen Corona-Effekt“, berichtet der KI-Leiter. „Hier auf dem Land kann man besser mit der Situation umgehen als in einem 27-stöckigen Plattenbau.“ Wobei Franke ins Gedächtnis ruft, dass es auf diesem Gebiet ein großes Dunkelfeld gibt: Viele Frauen, die unter Gewalthandlungen des Partners leiden, suchen sich eben keine Hilfe von außen.

• Deutliche Auswirkungen hatte die Corona-Krise aber vor allem zu Beginn der Maßnahmen auf den Straßenverkehr. Marcus Franke macht das an einem völlig subjektiven Erleben fest, nämlich wie er morgens auf dem Weg zur Arbeit über die Steinerother Straße nach Betzdorf reingekommen ist: „Deutlich besser.“ Diese Einschätzung wird untermauert von den Unfallzahlen, denn die seien im März und im April klar gesunken. Das ändert sich aber gerade wieder. „Jetzt wird’s wieder mehr“, sagt Franke, man sei – zumindest verkehrstechnisch – nach der Öffnung der Geschäfte wieder „auf dem Weg ins Normale“.

• Das droht wohl über kurz oder lang auch bei den Körperverletzungen. Denn die sind zuletzt ebenfalls deutlich weniger geworden. „Klar“, sagt Sander, „die Discos sind zu und es gibt keine Feste“. Dann werde auch weniger Alkohol getrunken, ergo gebe es weniger Schlägereien. Die Kontaktbeschränkungen werden ihr Übriges getan haben.

• Das hat sich auf etwa auf die Taschendiebstähle ausgewirkt, die es in den vergangenen Wochen faktisch gar nicht mehr gegeben hat. Sander: „Viele Tatgelegenheiten sind weggebrochen.“

• Ebenfalls „absolut kein Schwerpunkt“ im AK-Kreis sind laut Sander etwaige neue Betrugsmaschen, bei denen es um Corona-Hilfsgelder geht oder, wie es das Landeskriminalamt vor Wochen gemeldet hatte, einen auf die Pandemie angepassten Enkeltrick.

Was allerdings „massiv nach oben gegangen“ ist: Deutlich mehr Bürger nutzen die Möglichkeit, online Anzeige zu erstatten. „Und ich habe schon den Eindruck, da geht es häufig darum, direkte Kontakte zu vermeiden“, so Franke.

Im Kern sind die beiden Behörden voll des Lobes in diesen manchmal auch seltsamen Zeiten: für die Bürger und für die Kollegen.

Markus Sander sagt: „Die Bevölkerung hat sich wirklich diszipliniert und souverän mit der Situation auseinandergesetzt.“

Und Marcus Franke beschreibt, dass es auch für die Polizisten gerade zu Beginn der Pandemie wirklich schwierig gewesen ist, weil niemand wusste, wie sich das Virus ausbreiten würden. Für die Kollegen seien da viele Unwägbarkeiten ins Spiel gekommen, unter anderem der Eigenschutz. Wie soll man etwa jemanden ohne Köperkontakt festnehmen? „Jeder hat Familie, die meisten ältere Eltern.“ Und: Wie würde man beispielsweise mit Schwierigkeiten in der Kirchener Fieberambulanz umgehen? „Das ist alles schon belastend.“

Doch das alles hätten die Kollegen gut hinbekommen. „Und jetzt bemerkt man ein Durchatmen. Es geht wieder in Richtung Normalität.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen