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Sorge wegen Klärschlammverbrennungsanlage
Auf dem Weg zum „stinkenden Dorf“?

Das Klärwerk Muhlau liegt nur scheinbar weit ab von der Bebauung. Und diese Nähe zur geplanten Klärschlammverbrennungsanlage sorgt in Wallmenroth für Verunsicherung.
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  • Das Klärwerk Muhlau liegt nur scheinbar weit ab von der Bebauung. Und diese Nähe zur geplanten Klärschlammverbrennungsanlage sorgt in Wallmenroth für Verunsicherung.
  • Foto: Daniel Montanus
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damo Wallmenroth. Mikroplastik, Schwermetalle und Reste von Medikamenten: All das steckt im Klärschlamm – und landet erst auf dem Acker, dann auf dem Teller. Es spricht also einiges dafür, das Endprodukt der Abwasserbehandlung künftig nicht mehr als Dünger zu verwenden. Dass aber bald der Klärschlamm von 150.000 Menschen in die Muhlau gekarrt und dort verbrannt werden soll, stößt in Wallmenroth nicht auf Gegenliebe. Das wurde am Montagabend bei einer Einwohnerversammlung mehr als deutlich.

Viele Wallmenrother sind in Sorge: um ihre Gesundheit, um ihre Lebensqualität, um den Wert ihrer Immobilien. „Wallmenroth wird zu einem stinkenden Dorf“, malt einer der Versammlungsteilnehmer den Teufel an die Wand – und der Applaus seiner Nachbarn zeigt deutlich, dass nicht nur er so denkt.

damo Wallmenroth. Mikroplastik, Schwermetalle und Reste von Medikamenten: All das steckt im Klärschlamm – und landet erst auf dem Acker, dann auf dem Teller. Es spricht also einiges dafür, das Endprodukt der Abwasserbehandlung künftig nicht mehr als Dünger zu verwenden. Dass aber bald der Klärschlamm von 150.000 Menschen in die Muhlau gekarrt und dort verbrannt werden soll, stößt in Wallmenroth nicht auf Gegenliebe. Das wurde am Montagabend bei einer Einwohnerversammlung mehr als deutlich.

Viele Wallmenrother sind in Sorge: um ihre Gesundheit, um ihre Lebensqualität, um den Wert ihrer Immobilien. „Wallmenroth wird zu einem stinkenden Dorf“, malt einer der Versammlungsteilnehmer den Teufel an die Wand – und der Applaus seiner Nachbarn zeigt deutlich, dass nicht nur er so denkt. Praktisch jede Wortmeldung der Zuhörer lässt sich entweder in die Rubrik Ärger oder Sorge einsortieren. Und auch der Ortsbürgermeister macht deutlich, dass er sich über das 13,5-Millionen-Euro-Projekt in seinem Dorf nicht freut.

Einwohner Wallmenroths befürchten stinkende Abgase

Aber Michael Wäschenbach und dem Gemeinderat sind die Hände gebunden: Zwar kann die Verbrennungsanlage erst gebaut werden, wenn sie das Genehmigungsverfahren durchlaufen hat – aber die Ortsgemeinde ist in diesem Verfahren kaum mehr als ein Zuschauer. Sie darf zwar entscheiden, ob sie das gemeindliche Einvernehmen herstellt oder nicht – aber selbst, wenn sie ihre Zustimmung verweigert, kann sich die übergeordnete Genehmigungsbehörde problemlos darüber hinwegsetzen. „Verhindern können wir die Anlage nicht“, sagt Wäschenbach. Dass das für ihn nicht viel mit kommunaler Selbstbestimmung zu tun hat, liegt nahe.

Verhindern können wir die Anlage nicht.
Michael Wäschenbach
Ortsbürgermeister

Die Einwohner hingegen haben vor allem ganz praktische Befürchtungen. Sie gehen davon, dass stinkende Abgase in ihren Gärten und auf ihren Terrassen ankommen. Sie wollen keine weiteren Lastwagen, die das Klärwerk ansteuern. Sie prophezeien, dass ihre Häuser, die ja dann im „Klärschlammdorf“ stehen, an Wert verlieren. Und nicht zuletzt haben manche auch Angst vor gesundheitlichen Folgen.

Klärschlamm aus mehreren Anlagen soll in der Muhlau verbrannt werden

Diese Sorgen werden durch die Dimension der Anlage noch größer: In der Muhlau soll nicht nur der Schlamm verbrannt werden, der dort im Klärwerk übrig bleibt, sondern auch der aus mehreren anderen Anlagen. Praktisch das gesamte AK-Land und noch dazu einige Gemeinden aus den Nachbarkreisen wollen in Wallmenroth ihr Klärschlamm-Problem lösen.

Unter strengen Corona-Regeln haben die Wallmenrother ein unerfreuliches Thema diskutieren müssen: den geplanten Bau der Klärschlammverbrennungsanlage.
  • Unter strengen Corona-Regeln haben die Wallmenrother ein unerfreuliches Thema diskutieren müssen: den geplanten Bau der Klärschlammverbrennungsanlage.
  • Foto: Daniel Montanus
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Und es ist ein Problem, das da auf die Klärwerksbetreiber zukommt. Denn die Nutzung des Klärschlamms als Dünger steht in Deutschland vor dem Aus – nicht nur, weil immer mehr Bauern dankend ablehnen, sondern auch wegen neuer Gesetze. Die Klärschlamm- und die Düngemittelverordnung lassen die bisherige Entsorgung spätestens ab 2032 nicht mehr zu.
Mit dieser Ausgangslage sehen sich auch die Entsorger im Kreis AK konfrontiert – und sie haben gehandelt. Gemeinsam haben sie die „Kommunale Klärschlammverbrennung Region Altenkirchen GmbH“ (KKV) gegründet und nach Antworten auf die Herausforderungen der neuen Gesetzeslage gesucht. Entsorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit: Diese Kriterien stehen dabei im Fokus, erklärt Jürgen Arndt, Werkleiter in Betzdorf und zugleich einer von zwei Geschäftsführern der KKV.

Planer sehen den Standort Muhlau als alternativlos an

Das Ergebnis ist laut Arndt eindeutig: Den Klärschlamm in zentrale Anlagen zu fahren, sei ökologisch nicht vertretbar. Vor Ort wiederum sei die Verbrennung mit dem Ziel, wertvolle Bestandteile des Schlamms (Phosphor) rückzugewinnen, der einzig gangbare Weg. Und die Muhlau sei alternativlos: Wallmenroth liege recht zentral, auf dem Betriebsgelände gebe es genügend Platz, und das Klärwerk könne problemlos das anfallende Schmutzwasser aufnehmen. „Es gibt im Landkreis keinen anderen Standort“, sagt Arndt.

Aber dass Arndt den Satz einige Male wiederholen muss, zeigt: Er verfängt an diesem Abend nicht. Auch viele andere Argumente kommen mehrfach auf den Tisch: dass die Anlage nicht mehr Schadstoffe ausstoße als ein Traktor unter Volllast, dass die KKV Verantwortung für die Bevölkerung übernehme, dass es keine Alternativen zur Verbrennung gebe, dass die Anlage technisch auf höchstem Niveau laufen werde und im Genehmigungsverfahren alles transparent geprüft werde.
All das hört auch Michael Wäschenbach – und ist trotzdem nicht glücklich. Er sei zwar sicher, dass die KKV „alles getan hat, was rechtens ist“, versichert er. Aber das ändere nichts am Empfinden der Bevölkerung: „Es bleiben ungute Gefühle.“

Das Klärwerk Muhlau liegt nur scheinbar weit ab von der Bebauung. Und diese Nähe zur geplanten Klärschlammverbrennungsanlage sorgt in Wallmenroth für Verunsicherung.
Unter strengen Corona-Regeln haben die Wallmenrother ein unerfreuliches Thema diskutieren müssen: den geplanten Bau der Klärschlammverbrennungsanlage.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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