Auf dunklen Wegen zum Ramadan-Gebet

Für die Moslems hat der Fastenmonat begonnen/Immer noch kein Licht in der Ladestraße

Betzdorf. »Vom Hunger merkt man nichts, nur vom Durst. Und mit etwas Geduld geht das Gefühl wieder weg«, sagt Orhan Köksal aus Betzdorf im Teeraum der »Sultan-Ahmet-Camii«-Moschee in Betzdorf. Der 52-jährige Türke muss es schließlich wissen, denn seit seinem 13. Lebensjahr hat er – so wie es der Koran vorsieht ––jedes Jahr 30 Tage im Ramadan gefastet. Für Köksal hat am vergangenen Freitag die 40. Fastenzeit begonnen.

Der Ramadan – Fastenmonat der Moslems – ist der neunte Monat des islamischen Kalenders. Dieser heilige Monat ist eine der fünf Säulen des Islams, die Regeln sind im Koran festgelegt. Bis Iman Vahtettin Özcan die Gläubigen zum Gebet ruft, erzählt Köksal auch von den fünf Säulen. Neben dem Fasten stützt sich der Islam auf die Pilgerfahrt zum Heiligtum nach Mekka, das fünfmalige tägliche Beten, das Glaubensbekenntnis an den einen Gott und die Entrichtung der Armensteuer »Zakat«.

Von diesen fünf Grundgedanken des Islams stellt die Erfüllung des Ramadans die schwierigste Aufgabe im Leben der Gläubigen dar. In diesen 30 Tagen, die jedes Jahr zehn Tage früher beginnen, sollte der Moslem zwischen dem Auf- und Untergang der Sonne weder essen noch trinken ––Ausnahmen gelten u.a. für Schwangere und Reisende. Dann erzählt er von einem großen Schild an der Außenfassade der Moschee. Darauf steht zu lesen: »Hosqeldin Ramazan«, und Köksal übersetzt: »Das heißt so viel wie herzlich willkommen, Ramadan.«

Wenn sich der Fastenmonat dem Ende zuneigt, werden sich die Betzdorfer Moslems mit »Elveda Ramazan« vom heiligen Monat verabschieden. Ein besonderes Datum in der Fastenzeit ist der 27. Tag, denn da, erzählt der 52-Jährige, soll der Koran auf die Welt gekommen sein. Um dieses Ereignis noch zu würdigen, bete jeder Moslem dann noch etwas mehr.

Es folgen drei Feiertage

»Wer die ganze Nacht des 27. Fastentages betet, der betet so viel wie in 1000 Monaten, das sind 83 Jahre«, berichtete Iman Öczan, der wenig später die Gläubigen zur »Namaz«, der Gebetsstunde, rufen wird. Neben dem religiösen Ritual ist für viele Muslime der Fastenmonat auch ein Fest der Familie, denn dem Ramadan schließen sich drei Feiertage an. Dieses Fest lässt sich mit dem Weihnachtsfest in der abendländischen Kultur vergleichen. So werden Kinder beschenkt und die drei Feiertage zu Familienbesuchen genutzt. Dann dürfen die Moslems auch wieder nach dem Sonnenaufgang essen. Bis dahin wird das Fasten jedoch nur nach dem Abendgebet unterbrochen.

Zu diesem kommen die Moslems aus der Region um Betzdorf in der »Sultan- Ahmet-Camii-Moschee« am ehemaligen Güterbahnhof zusammen. Nicht ganz ungefährlich ist der Weg dorthin. Denn von der Ladestraße bis zur Moschee gibt es keine Beleuchtung, teils ist es stockfinster. Dazu passt der Zustand der Fahrbahndecke: Diese ist teils gepflastert, teils geteert. Üble Stoßkanten sind dort entstanden, wo der Asphalt bis über das Pflaster aufgebracht wurde. Schlaglöcher, in denen noch einzelne Pflastersteine herausragen, gibt es auch.

Abhilfe war zugesagt worden

Diesen Missstand kritisierten Köksal und Orhan Ayanoglu, seines Zeichens Kassenprüfer in der Moschee. Bereits vor dem Bau des Parkdecks gegenüber des Bahnhofs, berichtete Köksal, habe Bürgermeister Michael Lieber versprochen, dass in Sachen Beleuchtung etwas getan wird. »Es ist nichts geschehen«, bedauerte Köksal. »Wir wünschen uns, dass endlich eine Lösung gefunden wird«, forderte Ayanoglu.

Schon vor fünf Jahren hatten die Moslems die Mängel kritisiert. Damals hatte die Bahn als Eigentümerin des Areals auf Anfrage mitgeteilt, dass »kein Interesse an einer Beleuchtung« bestehe. Das war im Jahre 1996, die Güterabfertigung wurde schon seit einem Jahr nicht mehr genutzt. Es war aber auch angedeutet worden, dass man mit allen Betroffenen nach einer Lösung suchen möchte. Fünf Jahre später gibt nun die (düstere) Situation an der Zuwegung den Moslems erneut Anlass zur Kritik, die aber auch versicherten, sich an Kosten und Installation zu beteiligen.

rai

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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