Aus dem Kreis wird kein Vogelpark Walsrode

Bauckhage sagt Landwirten und Waldbauern Unterstützung zu/Ähnliches Verfahren wie bei FFH

Betzdorf. Als Ralf Hornberger, Umweltexperte im Mainzer Landwirtschaftsministerium, nochmals einen Blick auf die hinter ihm postierte Karte warf, hatte er den passenden Vergleich parat: »Das kann doch der Vogelpark Walsrode sein.« Könnte es in der Tat sein, ist es aber (noch) nicht, sondern nur das Gebiet der Kreise Altenkirchen und Westerwald. Was Hornberger so an den berühmten Vogelpark erinnerte, waren die grün eingezeichneten Flächen: die ersten Meldungen für Vogelschutzgebiete im Rahmen der momentan heiß diskutierten EU-Richtlinie.

Auf Einladung des Kreis-Waldbauvereins und des Kreis-Bauernverbands war Hornberger am Montagabend mit seinem Chef in die Betzdorfer Stadthalle gekommen. Und was vorher schon bekannt war, bestätigte sich einmal mehr: In Staatsminister Hans-Artur Bauckhage haben die Verbände einen Mitstreiter an ihrer Seite. Dabei betonten Otto Heinemann (Waldbauverein) und Georg Groß (Bauernverband) erneut, dass man nicht grundsätzlich gegen die Vogelschutzrichtlinie sei. Man wehre sich aber gegen die Methoden von »selbsternannten Naturschützern«, von denen es im Westerwald offensichtlich mehr als andernorts gebe. »Wer glaubt, dass man Umweltschutz gegen den Eigentümer betreiben kann, der ist wirklich auf dem Holzweg«, so Heinemann, der damit das Stichwort für Bauckhage gegeben hatte.

»Es gibt gewisse politische Gruppen, die sehen das Eigentum eher unter gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es kann nicht sein, dass Dritte über das Eigentum verfügen können«, sagte der Minister. In seiner Funktion, sowohl als Landwirtschafts- als auch Wirtschaftsminister, habe er nun einmal ein hohes Interesse an der Nutzung des Eigentums. Das Ziel müsse sein, diese Naturnutzung mit dem Schutz unter einen Hut zu bringen. Bauckhage versprach den Land- und Forstwirten ein ähnliches Ergebnis wie im »sauber gelaufenen« FFH-Verfahren. Soll heißen: Die so genannte »gute fachliche Praxis« und der Vertragsnaturschutz werden beibehalten.

Wissenschaftlicher Nachweis erforderlich

Ralf Hornberger erinnerte daran, dass kein anderes Bundesland bislang so viel potenzielle Vogelschutzgebiete wie Rheinland-Pfalz gemeldet habe, nämlich 20 Prozent. Hier müsse man sich fragen: »Ist das alles zwingend notwendig?« Hornberger forderte im Namen des Landwirtschaftsministeriums eine deutliche Gebietsverkleinerung. Hierbei sei ein konkreter wissenschaftlicher Beleg über das Vorkommen bestimmter Vogelarten erforderlich. Es könne nicht sein, so Hornberger, dass eine Fläche zum Vogelschutzgebiet deklariert werde, ohne dass eine Population nachgewiesen sei.

Diese Argumentationslinie ist nach Darlegung des Ministeriumsvertreters die einzige Chance, eine Ausweisung zu verhindern, denn wirtschaftliche Aspekte spielten bei der EU-Kommission keine Rolle. Hornberger kündigte zur Genugtuung von Landrat Dr. Alfred Beth an, dass im weiteren Verfahren erneut die betroffenen Verbände beteiligt werden. Dabei ist allerdings Eile geboten. Eigentlich will das Mainzer Umweltministerium noch im November alle Gebietsmeldungen genau überprüfen, um Anfang nächsten Jahres die endgültige Liste nach Brüssel zu schicken.

Ausgleich für Nutzungseinschränkungen

Hornberger stellte klar, dass die Region keine »Null-Lösung« erwarten dürfe. Aber technischer Fortschritt in der Landwirtschaft sei auch innerhalb eines Vogelschutzgebiets möglich. Die Forstwirte dürften weiter von einer Baumartenwahl ausgehen. Zudem werde es für jede Nutzungseinschränkung finanzielle Ausgleiche geben, so Hornberger. Er gehe davon aus, dass mit diesen Kompromissen nicht mehr »um jeden Quadratmeter gefeilscht werden muss«.

Die Meinung vieler Waldbesitzer zum bisherigen Verfahren brachte am Ende des Meinungsaustauschs nochmals Stanislaus Graf von Dönhoff von der Hatzfeldtschen Verwaltung auf den Punkt, als er an die Bemühungen der Schönsteiner zur Ansiedlung des Schwarzstorches im Wildenburger Land erinnerte: »Dafür dürfen wir nicht bestraft werden.«

thor

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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