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ÖPNV in Corona-Zeiten
Ausgebremst auf ganzer Linie

Busfahrerin Klaudia Stenger-Zowierucha chauffiert am Lenkrad eines Busses der Westerwaldbus GmbH die Fahrgäste durch das AK-Land.  Fotos: rai
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  • Busfahrerin Klaudia Stenger-Zowierucha chauffiert am Lenkrad eines Busses der Westerwaldbus GmbH die Fahrgäste durch das AK-Land. Fotos: rai
  • hochgeladen von Dr. Andreas Goebel (Redakteur)

goeb Kreis Altenkirchen. „Da rufen Sie gerade richtig an“, sagt Stephan Pauly auf die Frage der Siegener Zeitung, wie sich die Corona-Krise auf den Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) auswirkt. Der Geschäftsführer blickt auf die Zahlen, die ihm 42 Verkehrsunternehmen liefern, die in der Dachorganisation zusammengefasst sind und rund 230 000 Fahrgäste im nördlichen Rheinland-Pfalz befördern. Pauly ist soeben aus einer Besprechung zurückgekehrt, in der es darum ging, die Millionenbeträge abzuschätzen, die in diesem Jahr seit Ausbruch der Krise eben nicht „eingefahren“ werden. Der VRM-Geschäftsführer rechnet nun mit 16 bis 20 Millionen.

Bus- und Bahnbetriebe befördern natürlich viel weniger Menschen.

goeb Kreis Altenkirchen. „Da rufen Sie gerade richtig an“, sagt Stephan Pauly auf die Frage der Siegener Zeitung, wie sich die Corona-Krise auf den Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) auswirkt. Der Geschäftsführer blickt auf die Zahlen, die ihm 42 Verkehrsunternehmen liefern, die in der Dachorganisation zusammengefasst sind und rund 230 000 Fahrgäste im nördlichen Rheinland-Pfalz befördern. Pauly ist soeben aus einer Besprechung zurückgekehrt, in der es darum ging, die Millionenbeträge abzuschätzen, die in diesem Jahr seit Ausbruch der Krise eben nicht „eingefahren“ werden. Der VRM-Geschäftsführer rechnet nun mit 16 bis 20 Millionen.

Bus- und Bahnbetriebe befördern natürlich viel weniger Menschen. Die Talsohle war während des „Lockdowns“ erreicht, als nicht einmal mehr 10 Prozent der Fahrgäste einstiegen. Keine Schülerfahrten mehr, kaum Berufspendler, da Kurzarbeit bzw. Home-Office den Takt angaben, mieses Konsumklima bei weitgehend geschlossenen Geschäften sowie verrammelte Kneipen und Restaurants: Dieser giftige Cocktail sorgte dafür, dass Nahverkehrsmittel so schlecht nachgefragt wurden.

„Am 17. März hatten wir uns entschlossen, die Fahrerkassen zu schließen“, berichtet Pauly weiter. Einstieg also hinten: Zu hoch war das Risiko auf beiden Seiten, dass man sich ansteckte. Die 3000 Busse im VRM-Gebiet auf insgesamt 330 Linien verkehrten im Ferienmodus. „Ganz großes Lob an die Kunden“, holt Pauly aus. Unglaublich diszipliniert seien die Fahrgäste (Stichwort: Mund- und Nasenschutz), außerdem hätten sich die allermeisten ihr Ticket am Automaten geholt.

Ganz so schlimm wie vor einigen Wochen ist es nach den Lockerungen nicht mehr. „Wir merken schon, dass Schulen einen Teil der Schüler wieder vor Ort unterrichten“, berichtet Stephan Pauly. Außerdem machten jetzt die Gastro-Betriebe wieder auf.

„Und auch der Tourismus startet ganz zaghaft.“ Ob das zarte Pflänzchen gedeiht? Das hänge natürlich stark von den kommenden Infektionszahlen ab. Paulys Einschätzung reicht von skeptisch bis zuversichtlich. Klar auf der Hand liegt für ihn allerdings, dass die prächtigen Zahlen von 2019 nicht mehr können erreicht werden.

Eine sichere Bank sind für den VRM die acht angeschlossenen Landkreise, die sich Ende März als „Besteller“ durch die Bank bereiterklärten, zu ihren Verpflichtungen zu stehen. Dazu zählt u. a. die Westerwaldbus GmbH, die zu 100 Prozent dem Kreis Altenkirchen gehört.

„Das war für uns ein wegweisender Beschluss“, bilanziert der VRM-Geschäftsführer. Als „Belastung“ der Kreishaushalte sieht er das Durchbezahlen nicht. „Denn die Mittel waren durch die verabschiedeten Haushalte ja vorgesehen.“

Dass die Landkreise nicht storniert hätten, bedeute allenfalls, dass ihre Kassen nicht zusätzlich entlastet würden. Für Pauly ein Akt der Solidarität und des Zusammenstehens in Notzeiten. Denn was Pleiten bedeuteten, habe man im Rhein-Hunsrück-Kreis 2019 ansehen können, als 2500 Schüler über fünf Wochen lang schauen konnten, wie sie von und zur Schule kamen, weil zwei Busunternehmen Insolvenz anmelden mussten.

„Wir sind bis letzte Woche im Ferienfahrplan unterwegs gewesen, fahren jetzt aber nach normalem Fahrplan“, erklärt der Geschäftsführer der kreiseigenen Westerwaldbus GmbH, Oliver Schrei. 50 geleaste Busse bedienen vom Standort Bindweide aus die verschiedensten Linien. „Wir merken zwar, dass die Schulen ans Laufen kommen, aber es hält sich in engen Grenzen“, beschreibt Schrei die Situation im Telefonat. Kurzarbeit gibt es aber nicht.

Auch er ist erfreut, wie viele Kunden sich ein Ticket über die App besorgen. Die Fahrgeldeinnahmen überweist die Westerwaldbus GmbH an den Kreis. Wie sehr die Corona-Zeit auf die Branche durchschlägt, zeigt sich auch im Detail. Anstatt hinter dem Fahrersitz großzügig abzusperren, wie bislang, will man in alle 50 Busse Plexiglasscheiben zum Schutz von Fahrer und Gästen einbauen lassen. Die gibt es natürlich nicht von der Stange, sondern das sind Spezialanfertigungen.

Schrei: „Da müssen auch Bohrungen getätigt werden. Und das sind geleaste Busse“, schildert er. Mit den Herstellern sei man in intensivem Austausch. „Wir sind erleichtert“, sagt er abschließend, „dass die uns grünes Licht gegeben haben“.

Busfahrerin Klaudia Stenger-Zowierucha chauffiert am Lenkrad eines Busses der Westerwaldbus GmbH die Fahrgäste durch das AK-Land.  Fotos: rai
Der Bereich zur Busfahrerin ist abgesperrt. Vorne ist kein Ein- oder Ausstieg möglich. Im Bus selbst werden auch keine Fahrscheine verkauft.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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