Unter anderem Firma um mehr als 220 000 Euro geprellt
Autohändler-Duo gibt Betrug zu

Die beiden Angeklagten mussten sich nun der Justiz stellen.

dach Koblenz/Betzdorf. Ende der Woche kommt Andreas J. auf freien Fuß. Dann hat er zwei Drittel seiner Haftstrafe verbüßt. Sieben Jahre hatte er in einem Berufungsprozess am Koblenzer Landgericht wegen Betrugs aufgebrummt bekommen; am Betzdorfer Amtsgericht waren es zuvor fünfeinhalb Jahre gewesen. Und obwohl er seit am Dienstag erneut vor dem Kadi steht, sieht es so aus, als ob er in der Nacht auf Freitag tatsächlich das letzte Mal gesiebte Luft atmet.

Einmal mehr geht es nun um Straftaten rund ums Auto. Mitte des vergangen Jahrzehnts hatte Andreas J. (alle Namen geändert) reihenweise Kunden und Geschäftspartner übers Ohr gehauen – und dafür eben schlussendlich mit seiner Freiheit bezahlt. Die Staatsanwältin hatte ihn im Betzdorfer Prozess seinerzeit einen „klassischen Betrüger“ genannt.

Doch nun scheint der heute 39-Jährige geläutert, gab die neuerlichen Vorwürfe nicht nur zu, sondern diesmal auch offen Auskunft über das Geschäftsgebaren einer Autofirma, in der er gemeinsam mit Lauris L. seinerzeit die Fäden zog.

Den heute 35-jährigen Lauris L. lernte Andreas J. als Kollegen kennen. Bald darauf machten sie ihr eigenes Geschäft in Betzdorf auf. Der Osteuropäer Lauris L. firmierte als Chef – in insgesamt drei Betrieben mit jeweils ähnlichem Namen aber unterschiedlichen Gesellschaftsformen. Andreas J. – so wurde vor Gericht deutlich – war aber innerhalb der Firma offenbar mindestens gleichwertig, was die Entscheidungen anbelangte. Er selbst durchlief damals eine Insolvenz, konnte auf seinen Namen kein Gewerbe anmelden.

Beide Männer sind nun gemeinsam angeklagt. Und die Chef-Frage steht im Mittelpunkt des Verfahrens vor der 10. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Michael Krack. Wobei bereits nach dem ersten Verhandlungstag recht klar ist: Für beide Angeklagte dürfte es am Ende eine Strafaussetzung zur Bewährung geben.

Denn es kam im Gerichtssaal zu einer sogenannten Verständigung, im Volksmund auch gerne „Deal“ genannt: Bei umfassenden Geständnissen der Angeklagten muss sich das Gericht an vorher gesteckte Strafrahmen halten. Und die sind in beiden Fällen in dem Bereich, der eben noch zu Bewährung ausgesetzt werden kann. Bei Lauris L. sind es zwischen eineinhalb und zwei Jahren, bei Andreas J. zwischen neun Monaten und einem Jahr.

Richter Krack führte dabei ins Feld, dass das Verfahren „ewig und drei Tage alt“ sei. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor zweieinhalb Jahren Anklage erhoben. Und der Verzug liege eben nicht an den Beschuldigten, sondern an der Justiz: „Wir waren überlastet. Punkt.“ Von daher sei nun der „staatliche Strafanspruch erheblich verblasst“. Bei Andreas J. komme die gerade verbüßte Haftstrafe als milderndes Element hinzu.

Dabei geht es in dem Prozess nicht gerade um die berühmten Peanuts. In einem Fall haben die Ermittler einen finanziellen Schaden von über 220 000 Euro ausgemacht: Eine Firma hatte bei besagtem Betzdorfer Autohandel gleich 37 Pkw im Gesamtwert von rund 700 000 Euro bestellt und dafür in zwei Chargen insgesamt weit über 600 000 Euro angezahlt. Lauris L. und Andreas J. lieferten jedoch nur 13 Wagen aus – und zahlten lediglich knapp 200 000 Euro zurück.

Ein anderes Mal orderten sie fünf VW-Modelle. Die fälligen Beträge von jeweils über 20 000 Euro beglichen sie nicht, sondern nahmen vielmehr mit den VW als Sicherheit diverse Kredite auf – die sie nicht zurückzahlten. Lauris B. muss sich überdies für ein illegales Bankgeschäft verantworten: Als er für eine seiner Firmen bereits Insolvenz angemeldet hatte, überwies er von deren Konto 16 000 Euro auf das einer anderen Firma aus seinem Portfolio. Und von dort ins Ausland. Zudem hat er irgendwann die Buchführung komplett eingestellt. Dabei hätte ihm das eigentlich liegen müssen, hat er doch einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften. Das Insolvenzverfahren läuft jedenfalls noch. Die Forderungen belaufen sich auf insgesamt 1,3 Millionen Euro, wie Verteidigerin Sabrina Buelli mitteilte.

Andreas J. hat im Rahmen seiner Insolvenz vergangenen Monat die Restschuldbefreiung erteilt bekommen. Wenn er diese Woche rauskommt, kehrt er aber nicht in die Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain zurück. Zwar möchte er seine beiden Kinder so häufig es geht sehen, er liegt aber mit seiner Frau über Kreuz. Daher zieht er zunächst zu seiner Mutter an die niederländische Grenze, möchte dort einen „Neuanfang starten“. Denn: „Ich hab’ die letzten vier Jahre und acht Monate Zeit gehabt, um nachzudenken.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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