Bahnhof Betzdorf – ein »Eurograb«

Verwaltung rechnet mit mindestens 200000 E Mehrkosten / Hauptkanal aufgerissen

goeb Betzdorf. »Der lange Weg von der Planung bis zur Realisierung« – so betitelte die Betzdorfer Verwaltung ein dreiseitiges »Verlaufsprotokoll« zum Thema Umbau und Modernisierung des Bahnhofs Betzdorf anlässlich des Spatenstichs im Herbst vergangenen Jahres. Die Liste begann 1991 mit der Forderung der Bundesbahn, die Bahnsteig-Unterführung an die entstehende P & R-Anlage anzuschließen.

Nun könnte sie titeln: »Der lange Weg ... und die Verteuerung«. Schon jetzt steht fest, dass der Umbau Betzdorf 200000 Euro teurer kommt als geplant, Tendenz steigend. »Wir erwarten erheblich mehr«, ließ sich Betzdorfs Bürgermeister gestern in einem Hintergrund-Gespräch auf Betreiben der Siegener Zeitung ein.

Über den Kostenschub ist der Rathauschef natürlich nicht erfreut. Er erläuterte im Beisein von Bauamtsleiter Peter Dietrich und Architekt Armin Brast (Bauamt) die Hintergründe. Zuvor waren die Fachausschüsse von ihm über die neuesten Entwicklungen in Sachen Bahnhof-Umbau informiert worden.

Zur Historie: Zunächst war die Bahn an die Stadt herangetreten. Die Deutsche Bahn wünschte eine bequeme Anbindung der P & R-Anlage über zunächst geplante vier Personenaufzüge, später korrigierte man die Maßnahme auf drei Aufzüge. Damals ging man von 1,8 Mill. e förderfähige Kosten aus (Anmerkung: Planungskosten sind nicht förderfähig). 85 Prozent dieser Summe sollte das Land, 15 Prozent die Stadt aufbringen. Etwa ein Drittel der Summe, so die Verwaltung, machen die so genannten »bahnspezifischen Kosten« aus. Darunter fallen zum Beispiel Gleisentfernung und Umbau von Weichen. Vor allem die Versetzung eines Oberleitungsmastens gestaltete sich sehr aufwändig, Veränderungen im Trag- und Seilsystem weiter Teile der Anlage schlugen zu Buche. Die von der Stadt zu tragenden bahnspezifischen Kosten (etwa ein Drittel des Gesamtvolumens) seien Betzdorf seinerzeit mitgeteilt worden, so Lieber und Brast.

Mehrkosten entstanden zum Beispiel dadurch, dass der Bagger beim Ausschachten der Grube für den Aufzug am Gleis nach Köln auf den Haupt-Entwässerungskanal traf und diesen aufriss. Nun muss der gesamte Kanal für etwa 80000 e verlegt werden. Die Rechnung geht an Betzdorf, obwohl die Bahn als Grundstückseigentümerin die Verlaufspläne hätte vorhalten müssen. Sie sind allerdings nicht mehr auffindbar. Hätte man den Plan gehabt, wäre das Malheur sicher nicht passiert.

Ob das mit den wechselnden Zuständigkeiten bei den Bahn-Tochter-Unternehmen zu tun hat, mag bei der Stadtverwaltung niemand so deutlich sagen. Tatsache ist aber, dass schon während der Bauphase die Ansprechpartner für die Stadt wechselten, und das gleich mehrfach. Auch Akten seien verschwunden, heißt es, nicht für immer, aber offenbar auf dem Weg von einem Bahnunternehmen zum nächsten verschollen (zum Thema Zuständigkeiten vgl. nebenstehenden Artikel im Kasten).

Als weiteres »Eurograb« entpuppte sich die Elektroinstallation. Diese Arbeiten hatte das Bahnunternehmen Station & Service mit 10000 e kalkuliert – nun sind 100000 e daraus geworden. Das übergeordnete Eisenbahnbundesamt habe sehr spezifische Anforderungen gestellt, entgegnete man auf Nachfrage der SZ. »Die Frage, die sich für uns stellt, ist, ob diese Auflagen nicht vorher schon bekannt waren«, kommentiert dies Lieber.

Fällt in der sanierten Bahnunterführung nämlich der Strom aus, soll eine Batterie den Notstrom für die Beleuchtung abgeben – die Verzehnfachung der Kosten sorgt für Verärgerung im Rathaus. Aus dem Ruder drohen schließlich auch die Kosten für die Sicherungsposten zu laufen. Das ist Fachpersonal, das die Bahnkunden und -arbeiter vor dem Zugverkehr schützt. 50000 Euro waren angesetzt. Auch hier wird eine höhere Rechnung erwartet. Der Umbau der Bahnhofs soll im Dezember des Jahres abgeschlossen sein. Wie hoch die Endabrechnung aussehen wird, das kann in Betzdorf derzeit niemand genau sagen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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