Erreger ist identifiziert
Bakterium verursacht massenhaftes Meisensterben

Verklebtes oder fehlendes Gefieder und apathisches Verhalten sind Symptome der Krankheit, die besonders Blaumeisen befällt.
  • Verklebtes oder fehlendes Gefieder und apathisches Verhalten sind Symptome der Krankheit, die besonders Blaumeisen befällt.
  • Foto: NABU
  • hochgeladen von Nadine Buderath (Redakteurin)

sz Betzdorf/Siegen/Berlin. Über eine mysteriöse Krankheit, die insbesondere Blaumeisen befällt und viele Vögel tötet, hat die SZ in der vergangenen Woche berichtet. Jetzt ist der Erreger des Meisensterbens identifiziert: Es ist ein Bakterium namens Suttonella ornithocola, das bei den Tieren eine Lungenentzündung verursacht. Darüber informiert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in einer Pressemitteilung.

„Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Vermutlich sind auch Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise betroffen. Seltener erkranken die größeren Kohlmeisen.“ Zu dem Symptomen zählen unter anderem apathisches Verhalten und Schleimausfluss aus Augen und Schnabel.

Bis zum 22. April wurden dem NABU innerhalb von nur zwölf Tagen 13 800 Fälle aus Deutschland gemeldet, die etwa 26 000 Vögel betreffen. Erste Meldungen waren zunächst aus Rheinhessen gekommen. Der Kreis Altenkirchen gehört inzwischen zu den Gebieten mit den höchsten Fallzahlen, die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe gehören zur zweit- bzw. dritthöchsten Kategorie.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat nun bei Meisen aus den Landkreisen Ammerland und Diepholz Suttonella ornithocola festgestellt. Fast gleichzeitig wurde aus dem Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Eamscher-Lippe bekannt, dass bei vier untersuchten Blaumeisen aus dem Kreis Steinfurt (NRW) derselbe Erreger gefunden wurde. In allen Landkreisen, in denen das Bakterium bestätigt werden konnte, zeigt auch die Karte der beim NABU gemeldeten Verdachtsfälle eine erhöhte Melderate.

Das Bakterium ist erst seit 1996 bekannt, so der Bericht. Damals wurde es in Großbritannien beschrieben und kommt dort flächendeckend regelmäßig vor, hat aber bisher nicht zu überregionalen Massensterben geführt. Erst 2017 wurde es erstmals außerhalb von Großbritannien nachgewiesen – in Finnland. Im April 2018 wurde Suttonella ornithocola erstmals in Deutschland bei mehreren Meisen bei kleineren Krankheitsausbrüchen im südlichen NRW nachgewiesen. Miller: „Das massenhafte überregionale Auftreten in diesem Jahr ist für diesen Erreger neu. Außer Deutschland sind mindestens auch Luxemburg und Belgien betroffen.“

Der Erreger ist für Menschen und Haustiere ungefährlich. Da Vögel aber auch an anderen Krankheiten gestorben sein könnten und grundsätzlich oft mehrere Pathogene in sich tragen können, sei beim Umgang mit toten Vögeln immer mit Vorsicht vorzugehen, so der NABU, der weiterhin dazu aufruft, Fälle von kranken oder offensichtlich an

Mysteriöse Krankheit tötet Blaumeisen

Krankheit verstorbenen Vögeln zu melden. Möglichkeit dazu besteht über www.NABU.de/meisensterben per Online-Formular.

Zudem wird noch einmal drauf hingewiesen, in betroffenen Gärten Futter- und Badestellen umgehend zu beseitigen –„Social Distancing“ helfe auch bei Vogel-Seuchen Ansteckungen zu reduzieren. Damit sich die betroffenen Vogelbestände schnell wieder erholen können, empfiehlt der NABU, naturnahe Gärten anzulegen.

Wie stark die Meisenbestände von der für Deutschland neuen Vogelkrankheit beeinträchtigt wurden, werden dann die Ergebnisse „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai zeigen.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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