Bürgermeister benötigt Stammzellspende
Bernd Bratos schwerster Kampf

Bernd Brato bei seiner Amtseinführung im Jahr 2014. Wer den Betzdorfer Bürgermeister erlebt, wird dessen Präsenz und Tatkraft kennen. Jetzt aber braucht der 61-Jährige Unterstützung: Er leidet an Leukämie und sucht einen Stammzellspender.  Archivfoto: damo
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  • Bernd Brato bei seiner Amtseinführung im Jahr 2014. Wer den Betzdorfer Bürgermeister erlebt, wird dessen Präsenz und Tatkraft kennen. Jetzt aber braucht der 61-Jährige Unterstützung: Er leidet an Leukämie und sucht einen Stammzellspender. Archivfoto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Betzdorf. „Wer ihn kennt, der weiß: Bernd Brato ist ein Kämpfer. Und ich bin überzeugt und bete dafür, dass er den Kampf gewinnt. Aber er gewinnt ihn nicht allein“: Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer hat exakt die richtigen Worte gewählt. Denn in der Tat benötigt Bernd Brato jetzt Unterstützung: Er muss gerade seinen schwersten Kampf ausfechten – vor einigen Wochen ist bei ihm Leukämie diagnostiziert worden.

Die bittere Diagnose hat Brato eher zufällig bekommen: Er war wegen einer anderen Erkrankung in Behandlung – am Ende wusste er, dass er an Blutkrebs leidet. Aktuell befindet sich der 61-Jährige in einem Siegener Krankenhaus. Dort hat er zwar eine erste Therapiephase hinter sich gebracht; um den Krebs besiegen zu können, benötigt er aber eine Stammzellspende.

Um den Körper zu befähigen, aus fremden Zellen Blut bilden zu können, müssen viele, viele Parameter stimmen. Nicht die Blutgruppe ist entscheidend, sondern die sogenannten HLA-Merkmale. Das sind Gewebemerkmale, die es dem Körper ermöglichen, zwischen fremden und eigenen Zellen zu unterscheiden. Nur wenn die HLA-Merkmale stimmen – und es gibt unzählige Kombinationen –, akzeptiert der Körper die fremden Zellen. Die Suche nach einem passenden Stammzellspender ähnelt daher der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Umso wichtiger, dass möglichst viele potenzielle Spender in einer Datenbank erfasst sind.

Das weiß auch das Umfeld des Betzdorfer Bürgermeisters, und so ist gestern in der Sieg-Heller-Stadt eine Typisierungsaktion angelaufen. Im Rahmen eines Pressegesprächs haben Beigeordneter Joachim Brenner, Stadtbürgermeister Geldsetzer, Julia Wisser aus dem Rathaus sowie die Familie Brato an die Menschen im AK-Land appelliert: Lasst euch typisieren – und rettet vielleicht ein Menschenleben.

„Für Bernd Brato und andere“ ist die Aktion überschrieben, berichtete Joachim Brenner. Denn klar ist: Auch wenn die Typisierung für Bernd Brato initiiert worden ist, könnte sie auch anderen Krebspatienten helfen – schließlich werden die Daten der potenziellen Spender gespeichert. Sie können genutzt werden, um auch für andere Erkrankte den „genetischen Zwilling“ zu suchen.

Daher sind alle zwischen 17 und 55 Jahren aufgerufen, sich typisieren zu lassen – auch wenn im speziellen Fall Bratos offenbar vor allem Männer in der oben genannten Altersspanne in Frage kommen.

Die eigentliche Typisierung läuft wegen der Corona-Pandemie derzeit etwas anders ab als gewohnt: Die genetischen Daten werden nicht bei einer zentralen Aktion erfasst, sondern online. Jeder, der helfen will, kann das ganz einfach von zuhause aus erledigen, informierte Brenner.

Er skizzierte auch, wie es zur der Typisierungsaktion gekommen ist. So habe die Nachricht von Bratos Erkrankung in Betzdorf tiefe Bestürzung ausgelöst: „Wir waren wie gelähmt“, sagte Brenner. Aber diese Schockstarre hat nicht lange angehalten: „Resignieren und nur bedauern: Das hilft nicht.“ Der Impuls, auf die Suche nach Stammzellspendern zu gehen, sei schließlich aus dem Stadtrat gekommen. Auch die Fraktionen aus dem Verbandsgemeinderat haben sich sofort hinter die Idee gestellt, und Bratos Familie hat die Initiative dankbar begrüßt. Dann kam Verwaltungsmitarbeiterin Julia Wisser ins Spiel, deren „brillantem Organisationstalent“ die rasche Umsetzung zu verdanken sei, wie Geldsetzer lobend erwähnte.

Er hat selbst hat sich schon vor Jahren typisieren lassen und kann daher aus eigener Anschauung versichern: „Es gibt nichts Umkomplizierteres.“ Das bestätigte auch Laura Riedlinger von der DKMS, die per Videokonferenz zugeschaltet war. Sie stellte klar, dass nicht nur die Typisierung, sondern auch eine mögliche Stammzellspende einfach und risikolos verlaufen.

Wer sich an der aktuellen Aktion beteiligen will, kann auf der Homepage www.dkms.de/bernd-brato mit wenigen Mausklicks zum Lebensretter werden. Nach einem knappen Registrierungsverfahren kommen die Utensilien für die Typisierung auf dem Postweg: eine Anleitung, eine Einverständniserklärung und drei Watterstäbchen, um einen Abstrich der eigenen Wangenschleimhaut zu nehmen. Das Paket geht per Post zurück an die DKMS – und die eigenen HLA-Merkmale stehen anschließend in internationalen Datenbanken zur Verfügung.

Auch die mögliche Entnahme von Stammzellen verlaufe praktisch risikolos, berichtete Riedlinger. In vier von fünf Fällen können die benötigten Stammzellen ambulant aus der Blutbahn entnommen werden. Nur 20 Prozent der Spender müssen sich einem operativen Eingriff unterziehen, bei dem Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen wird. Auch dieses Verfahren sei für den Spender harmlos: „Das Narkoserisiko ist das einzige Risiko“, sagte Riedlinger. Und selbstredend würden Spender vor der Operation gründlich gecheckt: Sollten sich dann irgendwelche Risiken abzeichnen, werde der Spender natürlich nicht operiert.

Also: Es spricht alles dafür, sich typisieren zu lassen. Und wer altersbedingt nicht für eine Stammzellspende in Frage kommt, kann sich trotzdem an der Aktion beteiligen: Indem er in seinem Umfeld für die Typisierung wirbt oder die DKMS finanziell unterstützt, denn jede Typisierung kostet rund 35 Euro.

Zum Abschluss sei noch einmal Benjamin Geldsetzer zitiert, denn auch dieser Satz bringt die Situation auf den Punkt: „Jetzt braucht Bernd unsere Hilfe.“

Bernd Brato bei seiner Amtseinführung im Jahr 2014. Wer den Betzdorfer Bürgermeister erlebt, wird dessen Präsenz und Tatkraft kennen. Jetzt aber braucht der 61-Jährige Unterstützung: Er leidet an Leukämie und sucht einen Stammzellspender.  Archivfoto: damo
Joachim Brenner, Benjamin Geldsetzer, Niklas Brato und seine Partnerin Katharina Willmeroth, Moritz, Larissa und Susanne Brato sowie Julia Wisser bitten um Unterstützung: Jeder kann sich ganz einfach typisieren lassen.  Foto: damo
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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