»Bertha« muss 48 Schüler abweisen

Raumnot an der Betzdorfer Realschule: Kein Platz für alle angemeldeten Fünftklässler

Betzdorf. Schon vor Wochen ist der Elternbeirat der Bertha-von-Suttner-Realschule in die Offensive gegangen: »Der Platz wird zu knapp, hier muss etwas getan werden.« Hintergrund: Schon seit längerer Zeit herrscht an der Realschule große Raumnot, und die Anmeldezahlen steigen kontinuierlich an (die SZ berichtete) . In diesem Jahr wurde mit 134 Anmeldungen eine neue Bestmarke erzielt – und genau das hat jetzt unangenehme Konsequenzen: Die Schule muss 48 Schüler ablehnen und an die Geschwister-Scholl-Realschule verweisen. Sehr zum Leidwesen der betroffenen Schüler und Eltern, wie Schulleiter Arnold Brenner im SZ-Gespräch betonte: »Einige Eltern hatten Tränen in den Augen, als sie die Anmeldung für ihre Kinder zurückziehen mussten.«

Wanderklassen und Pavillons

Brenner erklärt: Die Bertha-von-Suttner-Realschule ist für zweieinhalb Klassen pro Schuljahr ausgelegt. 1989 wurde ein Erweiterungsbau geschaffen, aber schon drei Jahre später wurde es wieder eng. »Seit dem Schuljahr 1992/1993 arbeiten wir mit Provisorien«, berichtete Brenner und nannte einige: Wanderklassen, Pavillons auf dem Schulhof, zu Klassen umgewidmete Fachräume und Behelfsklassen in der Eingangshalle. Aber jetzt sieht Brenner keine Möglichkeit mehr, zusätzlichen Raum zu schaffen. Und weil 134 Schüler fünf Klassen bedeuten, würde neuer Raumbedarf entstehen: Nur drei zehnte Klassen gehen ab und schaffen Platz für Nachzügler, aber fünf fünfte Klassen stünden in Lauerstellung – wenn nicht knapp 50 Kinder abgewiesen worden wären.

»So schwer es mir gefallen ist: Wir haben gemerkt, dass wir an unsere Grenzen stoßen und nichts mehr zu machen ist«, sagte Brenner. Also berief er eine Informationsveranstaltung ein, bei der er den Eltern die unangenehme Situation schilderte. »Es gab nur eine Lösung: Wir mussten Kinder an die Geschwister-Scholl-Realschule verweisen.« Im Gebäude des gerade ausgebauten Gymnasiums sind zwei Klassenräume frei – und weil Realschule und Gymnasium eine gemeinsame Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) anbieten, können die abgewiesenen Fünftklässler dort unterkommen.

Diese gemeinsame Orientierungsstufe stößt nicht bei allen Eltern auf Gegenliebe, erklärte Brenner. In der gemeinsamen Orientierungsstufe von Geschwister-Scholl-Realschule und Freiherr-vom-Stein-Gymnasium werden angehende Gymnasiasten mit Realschülern in spe gemeinsam unterrichtet. »Manche Eltern wollen ihre Kinder aber nicht dieser Konkurrenzsituation aussetzen.« Ein weiterer Vorteil der »Bertha«, den die Eltern laut Brenner sehen: Während in der Geschwister-Scholl-Realschule die Klassen nach dem sechsten Schuljahr neu gebildet werden, bleiben die Schüler an der »Bertha« von der fünften bis zur zehnten Klasse im gleichen Klassenverband.

Losverfahren: ganze Klassen aussortiert

»Wenn die Eltern ihre Kinder bei uns anmelden, dann ist das ihr Wunsch – genau so, wie Eltern sich bewusst die Geschwister-Scholl-Realschule für ihr Kind aussuchen«, sagte Brenner. 48 Elternpaaren konnte Brenner ihren Wunsch aber nicht erfüllen. Bei der Elternversammlung einigten sich Eltern und Vertreter der Schule auf ein Losverfahren: Ganze Grundschulklassen wurden ausgeschlossen. »Hätten wir einzelne Namen ausgelost, hätten wir sicher Freunde getrennt.« Dieses Losverfahren fand die breite Mehrheit bei der Elternversammlung, sagte Brenner. Natürlich gab es auch hier eine »Härtefallregelung«: Wer Geschwister auf der »Bertha« hat, konnte nicht abgelehnt werden – auch wenn er aus einer aussortierten Grundschulklasse kommt.

»Es hat mir Bauchschmerzen und schlaflose Nächte eingebracht«, kommentierte Brenner die Tatsache, erstmals Kinder abgelehnt zu haben – wenngleich das in anderen Regionen häufiger vorkomme. In Betzdorf vielleicht künftig auch: Denn das Raumnot-Problem ist ja nicht gelöst, und laut Brenner prognostiziert der Schulentwicklungsplan weiter steigende Anmeldezahlen. »Wir werden nicht um bauliche Maßnahmen herumkommen«, meint Brenner, denn auch die Geschwister-Scholl-Realschule ist gut belegt: Hier stehen 24 Klassen 24 Räume zur Verfügung. Und im Gymnasium kann ebenfalls nicht immer mit Platzreserven gerechnet werden, berichtete Brenner.

Laut Brenner ist die Raumnot an den Realschulen ein Indiz für die mangelnde Akzeptanz der neuen Schulformen. »Regionale Schulen und Duale Oberschulen sind bislang nicht so gut angenommen worden, dass sie für uns ein Entlastung darstellen«, erläuterte Brenner. Und dass die steigenden Anmeldezahlen auf die Freigabe des Elternwillens zurückzuführen sei, verneinte der Schulleiter. »Die Eltern haben uns die Grundschulempfehlungen vorgelegt, und nur ein kleiner Prozentsatz der Kinder hatte von der Grundschule eine Hauptschulempfehlung bekommen.«

Der Schulträgerausschuss des Kreises hat sich jetzt in den Räumen der Bertha-von-Suttner-Realschule getroffen und sich ein Bild von der Problemstellung gemacht. »Es bewegt sich etwas«, hofft Brenner auf bauliche Veränderungen. Von der Kreisverwaltung war gestern keine Stellungnahme mehr zu bekommen.

damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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