Betzdorf: Langfristig lebensmittelfreie Zone?

Nach Schließung des REWE-Markts ist die wohnortnahe Versorgung kaum gewährleistet

Betzdorf. Die Betzdorfer Innenstadt: eine lebensmittelfreie Zone? Mit der Schließung des REWE-Markts im Basement des AKA-Kaufhauses ist das Einkaufen in Betzdorf vor allem für Senioren, und Behinderte zunehmend aufwendiger geworden. Die neuen Konsumtempel stehen vor den Toren der Stadt – in der Fußgängerzone wächst der Aufwand, die Zutaten für ein Mittagessen einzukaufen. „Im innerstädtischen Bereich ist die wohnortnahe Lebensmittelversorgung zur Zeit nicht gewährleistet”, bekräftigt auch Bürgermeister Michael Lieber: „Das ist ein ernsthaftes Problem.” Natürlich – das sei an dieser Stelle betont – gibt es in der Betzdorfer Fußgängerzone viele qualifizierte Einzelhändler wie Bäcker oder Metzger. Ein Supermarkt im Stadtkern aber fehlt.

Vertrag läuft noch drei Jahre

Ende Juni hat die REWE-Gruppe ihren Lebensmittelmarkt im Untergeschoss des AKA-Kaufhauses geschlossen. Grund laut REWE: schlechte Umsatzzahlen. 1000 Quadratmeter, so die Information von AKA-Kaufhaus-Chef Kay Friese, stehen seit der Schließung leer. Das liegt daran, dass zwischen AKA-Kaufhaus und der REWE-Handelsgruppe noch ein Vertrag besteht. Dieser Vertrag läuft noch drei Jahre – was dazu führen kann, dass in den kommenden drei Jahren eine riesige Verkaufsfläche in Top-Lage leer stehen wird. Der REWE-Konzern ist nämlich derzeit nicht interessiert, den bestehenden Vertrag aufzulösen. „Verträge sind dafür da, erfüllt zu werden”, berichtete der REWE-Verkaufsleiter (West), Andreas Schmidt, auf SZ-Anfrage. Außerdem steht einer Auflösung des Vertrags nach Angaben von Schmidt die Geschäftsführung des AKA-Kaufhauses im Weg. „Die Bedingungen für eine Auflösung sind nicht akzeptabel. Dann steht das Gebäude halt drei Jahre leer, wenn keiner auf uns zukommt.”

Friese: Supermarkt kaum verzichtbar

Den Schuh will sich das AKA-Kaufhaus nicht anziehen. Kay Friese: „Das weise ich klar von mir. Ich habe eisern gekämpft und REWE gute Angebote unterbreitet. Ich bin stark daran interessiert, ein attraktives Angebot zu schaffen. Und das sage ich nicht in meiner Funktion als Kaufhauschef, sondern als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft. Zu einer attraktiven Innenstadt gehört ein Lebensmittelmarkt.” Friese weiter: „Die Leidtragenden der derzeitigen Situation sind vor allem Behinderte, alte Menschen oder junge Familien. Diese Gruppen sind nämlich nicht so mobil, dass sie immer zum Einkaufen auf die grüne Wiese fahren können.” Ginge es nach den Vorstellungen von Kay Friese, dann würde schnellstens ein „Frische orientierter Lebensmittelmarkt” geschaffen. Friese ist davon überzeugt, dass ein Investor mit einem sinnvollen und auf die Betzdorfer Innenstadt zugeschnittenen Konzept durchaus Gewinne einfahren kann. „Die Kundenfrequenz im REWE-Markt war nämlich überdurchschnittlich hoch.” Fest steht: Noch läuft der Vertrag, noch ist keine Auflösung in Sicht, und sicher wird die „REWE den Standort nicht für ihre Zwecke nutzen” (Schmidt). Im Klartext: Vorerst muss die Betzdorfer Innenstadt ohne Supermarkt auskommen. Verlierer sind die immobilen Kunden – mutmaßlicher Gewinner unter anderem der PETZ-Markt an der B62. Der moderne Markt, der erst im November 1998 eröffnet wurde, konnte bislang noch nicht die ursprünglich angestrebte Umsatzmarke erfüllen. „Die 20-Millionen-DM-Marke pro Jahr haben wir noch nicht erreicht”, teilte der Geschäfstführer der PETZ-Gruppe, Peter Strasser, der SZ telefonisch mit. „Wir sind aber zuversichtlich, diese Marke in den kommenden zwei Jahren zu packen.”

PETZ ist eine REWE-Tochter

Einer der Gründe für diesen Optimismus hängt wiederum mit dem geschlossenen REWE-Markt zusammen. „Unsere Kundenzahlen gehen in die Höhe, seit der Markt im AKA-Kaufhaus geschlossen ist”, berichtete Strasser, „wir haben sicher auch Kunden aus der Innenstadt geholt.” Noch eine Information zum Abschluss: PETZ ist eine REWE-Tochter… damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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