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„Eine kleine Reha“
Bobath-Kurs fordert Therapeuten und Patienten

Für Henning Schmidt ist es ein Erfolg, selbst eine Flasche von A nach B zu bekommen. Genau hier setzt die <jleftright>Bobath-Therapie an. Anke Hengelmolen-Greb (r.) bildet Fachkräfte fort.
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  • Für Henning Schmidt ist es ein Erfolg, selbst eine Flasche von A nach B zu bekommen. Genau hier setzt die <jleftright>Bobath-Therapie an. Anke Hengelmolen-Greb (r.) bildet Fachkräfte fort.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Grünebach. „Autogramme gibt’s später“, scherzt Henning Schmidt unter Applaus. „Die Telefonnummer aber nicht!“ Der kräftige Mann aus Nauroth setzt sich auf einen Stuhl, im dritten Anlauf. Dass die anderen im Raum klatschen, kommt nicht von ungefähr: Schmidt hat eine Flasche auf den Tisch gestellt. Das ist eine Leistung, eine starke noch dazu. Denn Schmidt leidet an einer mehr oder minder kompletten Lähmung der linken Körperhälfte, seitdem ihm vor zwei Jahren ein Aneurysma im Hirn geplatzt ist.

Es ist harter Kampf, gewiss. In manchen Bereichen ist Henning Schmidt ganz schön weit zurückgeworfen worden. Doch es sieht ganz danach aus, als ob er den Kampf aufgenommen hat. Kurze Distanz, kleine Tippelschritte, linker Haken, rechte Gerade, Infight.

dach Grünebach. „Autogramme gibt’s später“, scherzt Henning Schmidt unter Applaus. „Die Telefonnummer aber nicht!“ Der kräftige Mann aus Nauroth setzt sich auf einen Stuhl, im dritten Anlauf. Dass die anderen im Raum klatschen, kommt nicht von ungefähr: Schmidt hat eine Flasche auf den Tisch gestellt. Das ist eine Leistung, eine starke noch dazu. Denn Schmidt leidet an einer mehr oder minder kompletten Lähmung der linken Körperhälfte, seitdem ihm vor zwei Jahren ein Aneurysma im Hirn geplatzt ist.

Es ist harter Kampf, gewiss. In manchen Bereichen ist Henning Schmidt ganz schön weit zurückgeworfen worden. Doch es sieht ganz danach aus, als ob er den Kampf aufgenommen hat. Kurze Distanz, kleine Tippelschritte, linker Haken, rechte Gerade, Infight.

An diesem Tag schnüren ihm gleich mehrere Frauen die Handschuhe, halten den Spuckeimer, um im Bild des Boxens zu bleiben. Alles Therapeutinnen, teils „Ergos“, teils „Physios“. Sie nehmen an einem Fortbildungskurs teil, an Henning Schmidt üben sie gewissermaßen. Und er übt mit ihnen. Die einen machen sich fit für ihren Job, er für’s Leben.

Der Weg dorthin trägt den Namen eines Ehepaars, den von Berta und Karl Bobath. Deren Konzept zielt eben auf Patienten mit neurologischen Erkrankungen ab – und auf einen komplett individuellen Ansatz. Diese Weiterbildung für Fachkräfte bietet Anke Hengelmolen-Greb bereits seit vielen Jahren an, nun zum ersten Mal in ihrem Heimatdorf Grünebach.

Elf Therapeutinnen und ein Therapeut haben bereits im Frühjahr den ersten Teil des Seminars, hier, „Am Brandhahn“, absolviert. Mit der Zertifikatsübergabe ist es zu Ende gegangen. Danach dürfen die Teilnehmer die Bobath-Therapie anbieten und mit den Krankenkassen abrechnen.

„Das Ganze lebt von der Interaktion“, sagt Hengelmolen-Greb, selbst Physiotherapeutin, Master in Neurorehabilitation und Mitherausgeberin des Buchs „Leitfaden Physiotherapie in der Neurologie“. Daher ist stets die Mithilfe von Betroffenen vonnöten, von Betroffenen wie Helmut Kessler. Der Betzdorfer hatte ebenfalls ein Aneurysma, auch er hat mit einer halbseitigen Lähmung zu tun. „Da muss man erstmal mit klarkommen“, erzählt er kurz seine Sicht der Dinge. Sein Therapeut hatte ihn in den Bobath-Kurs geschickt, „als Probepatient“, wie er es nennt. Wenn er oder einer seiner Mitstreiter gedacht hatte, er macht sich dabei ein paar schöne Stunden, war er auf dem Holzweg. „Das ist hammerhart“, sagt Kessler. Und Anke Hengelmolen-Greb erklärt, warum: „Wir gehen an die Leistungsgrenze des Patienten und darüber hinaus. Das ist wie bei einer Sportart.“

Eine Stunde pro Tag muss jeder Patient „ran“. Schließlich sollen sie Bewegungsabläufe und neue Verhaltensmuster mit nach Hause nehmen – und die Kursteilnehmer die Gelegenheit bekommen, möglichst viel praktisches Wissen anzusammeln. Dabei ist die größte Schwierigkeit des Bobath-Konzepts gleichzeitig die größte Stärke: Es gibt keine Blaupause, keine vorgefertigte Mustertherapie. Jeder einzelne Patient wird mit seinem Leistungsvermögen und seinen Handicaps individuell betrachtet. Daher liegt Lothar Sedello richtig, wenn er sagt: „Das ist jedes Mal anders.“ Der gebürtige Betzdorfer, mittlerweile lebt er in Dormagen, hat ebenfalls schon im April den Kursteilnehmern gewissermaßen Modell gestanden, und tut es jetzt wieder.

„Es ist wie eine kleine Reha-Maßnahme“, sagt Anke Hengelmolen-Greb, weil die Patienten einmal fünf Tage am Stück, danach sieben Tage im Mittelpunkt des Seminars stehen. Das kann auch Michael Werder bestätigen. Der Herdorfer hatte im Frühjahr gerade eine Rehabilitation hinter sich, die zweite nach seinem Schlaganfall vor fünf Jahren. „Die Übungen sind mir nicht ganz fremd. Aber ich merke, wie wichtig es ist, Übungen zu machen, von denen man weiß, wo sie hinführen sollen.“ Sabine Bennet aus Haiger geht noch einen Schritt weiter: „Ich schreib’ mir alles auf, damit ich das zuhause umsetzen kann.“ Sie leidet unter einer äußerst seltenen Erkrankung, die Lähmungserscheinungen in den Beinen hervorruft. In ihrer regulären Physiotherapie lerne sie nichts darüber, wie sie im Alltag besser zurecht kommt. Das sei hier völlig anders.

Darauf setzt auch Henning Schmidt. Er kannte die Bobath-Therapie bereits aus seiner ersten Reha. Als ihn Anke Hengelmolen-Greb nun fragte, ob er nicht auch am Kurs als Patient teilnehmen wolle, hat er sofort zugesagt. „Denn Bobath“, erzählt er ziemlich überzeugt und überzeugend, gebe im Therapiefortschritt „nochmal so einen richtigen Knalleffekt“. Und gleich am Abend nach seiner Premiere in Grünebach habe er sich sein T-Shirt alleine ausziehen können. Gewissermaßen ein K.o. in der ersten Runde.

Betroffene, die Interesse haben, sich einem solchen Kurs anzuschließen, können sich an anke.greb@bobath-grundkurs.de per E-Mail wenden.

Für Henning Schmidt ist es ein Erfolg, selbst eine Flasche von A nach B zu bekommen. Genau hier setzt die &lt;jleftright&gt;Bobath-Therapie an. Anke Hengelmolen-Greb (r.) bildet Fachkräfte fort.
Die Teilnehmer der ersten Grünebacher Gruppe erhalten morgen ihre Zertifikate. Mit im Bild: Therapiehund Kalle.
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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