50 Kilo TNT auf dem Betzdorfer Molzberg
Bombe ist entschärft, Evakuierung ist vorbei

Die Einsatzkräfte sind an der Fundstelle einer Bombe in Betzdorf. Später am Abend soll sie entschärft werden.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

damo Betzdorf. 50 Kilo TNT in Gestalt einer amerikanischen Fliegerbombe haben am Freitagabend Betzdorf auf Trab gehalten - aber jetzt ist die Gefahr gebannt. Die Bombe ist erfolgreich entschärft worden.

Gut 300 Anwohner des Molzbergs mussten kurzerhand ihre Häuser verlassen und bei Freunden oder in der Betzdorfer Stadthalle Unterschlupf suchen, Feuerwehr und Polizei hatten eine logistische Großaufgabe zu stemmen, und die Männer, auf die es am meisten ankam, mussten einmal mehr ihr Fingerspitzengefühl unter Beweis stellen. Denn der Kampfmittelräumdienst ließ keinen Zweifel daran, dass auch gut 75 Jahre nach Kriegsende viel Gefahr von den Blindgängern ausgeht.

Die Bombe war am Nachmittag bei Baggerarbeiten auf einem privaten Grundstück an der Allensteiner Straße entdeckt worden – dort hat sie seit dem Zweiten Weltkrieg im Erdreich geschlummert. „Mein Kollege hatte sie auf einmal auf dem Löffel“, berichtet Sebastian Moritz vom gleichnamigen Tiefbauunternehmen aus Neunkhausen im Gespräch mit der SZ. „Sie hatte wohl rund einen Meter tief im Erdreich gesteckt.“ Als die Bauarbeiter bemerkten, was sie da ausgebuddelt hatten, alarmierten sie die Polizei – und umgehend wurde eine Kette von Maßnahmen in die Wege geleitet.

Zuerst rückte die Polizei an, kurz danach die Feuerwehr, die den Fundort der Bombe ausleuchtete – mittlerweile lag der Molzberg weitgehend im Dunkeln. Einige Zeit später trafen dann Jürgen Wagner und Marco Ofenstein vom Kampfmittelräumdienst ein. Auch wenn beide im Laufe der Jahre schon etliche Bomben dieses Typs entschärft haben, ist doch jeder Fall anders – und die Gefahr wird nicht kleiner, nur weil die Blindgänger länger im Boden liegen. „Manche Bomben werden sogar im Laufe der Jahre noch gefährlicher, weil ihre Inhaltsstoffe unkontrolliert miteinander reagieren“, erklärte Wagner. Sein erster Eindruck von der Bombe am Waldrand des Molzbergs: „Der Zünder scheint noch intakt zu sein – aber wirklich Klarheit haben wir erst, wenn wir näher rangehen. Und das können wir erst, wenn evakuiert ist.“

Darum hat sich unterdessen die Feuerwehr gekümmert. Die Kameraden sind von Haus zu Haus gelaufen, um die Bewohner zu informieren und sie aufzufordern, umgehend den kritischen Bereich zu verlassen. Der Evakuierungs-Radius um die Bombe wurde bei 300 Meter gezogen. In der einen Richtung liegt nur Wald, den die Feuerwehr per Wärmebilddrohne im Blick behielt. Aber bergab, in Richtung Wilhelmstraße, waren mehr als 100 Häuser von der Evakuierung betroffen.

Schnell war eine Unterkunft für die Menschen in trockenen Tüchern: Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer hatte die Stadthalle klargemacht, und die bot – unter Berücksichtigung der Corona-Regeln – immerhin gut 250 Menschen ein Quartier für ein paar Stunden. „Corona hat die Arbeit aber erschwert“, merkte Kreisfeuerwehrinspekteur Ralf Schwarzbach in der Einsatzzentrale an: „Schließlich sind ja auch einige Familien von der Evakuierung betroffen, die unter Quarantäne stehen.“

Aber auch für diesen Fall waren die Einsatzkräfte gewappnet: „Wer unter Quarantäne steht, wird nicht in die Stadthalle gebracht, sondern in die Martin-Luther-Schule“, informierte der Betzdorfer Wehrleiter Hans-Peter Halft, der den Einsatz koordiniert hat. In der Grundschule würden keine Klassenräume genutzt, sondern ausschließlich Räume, die im Schulalltag nicht täglich genutzt werden, versichert Geldsetzer: „Und natürlich wird alles desinfiziert.“

Er nutzte die Gelegenheit, um ein großes Kompliment an die Einsatzkräfte zu adressieren: „Das läuft wirklich vorbildlich und hochprofessionell.“ Und dieser Einschätzung schloss sich auch Verbandsgemeinde-Beigeordneter Joachim Brenner an, der ebenfalls im Feuerwehrhaus die Situation im Blick behielt.

Der heikelste Job des Abends wurde aber unterdessen ein paar hundert Meter entfernt am Waldrand erledigt: „Wenn wir was falsch machen, hören wir nicht mal mehr den Knall“, hatte Wagner vor der Entschärfung lakonisch angemerkt. Gottseidank haben sie nichts falsch gemacht: Um kurz nach 20 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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