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Idee gut, Umsetzung schwierig
Borkenkäfer macht Platz für Windkraft

Auch hier, hoch über Birken, könnte sich Ulli Gondorf eine Windkraftanlage vorstellen. Mit den Einnahmen aus der Stromerzeugung könnte dann die Wiederaufforstung der restlichen Kahlflächen finanziert werden.
  • Auch hier, hoch über Birken, könnte sich Ulli Gondorf eine Windkraftanlage vorstellen. Mit den Einnahmen aus der Stromerzeugung könnte dann die Wiederaufforstung der restlichen Kahlflächen finanziert werden.
  • Foto: thor (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Betzdorf. Im Giebelwald, am Windhahn, im Wildenburger Land, hoch über Herdorf und über dem Daadetal – überall dort, wo der Borkenkäfer großflächig gewütet hat, könnten sich die Rotoren von Windrädern drehen. Windräder, mit deren Hilfe den Waldbesitzern eine Wiederaufforstung ermöglicht wird. Das ist die Vision von Ulli Gondorf, der sich im Unterkreis für Bündnis 90/Die Grünen um ein Ticket für den Landtag bemüht. „Aus der Not eine Tugend machen“, nennt Gondorf das.
Idee stößt auf GegenliebeAm Dienstagabend hatte der Wahlkämpfer zur Online-Talkrunde eingeladen, bei der es neben dem Wald im Allgemeinen auch um dieses spezielle Thema ging.

thor Betzdorf. Im Giebelwald, am Windhahn, im Wildenburger Land, hoch über Herdorf und über dem Daadetal – überall dort, wo der Borkenkäfer großflächig gewütet hat, könnten sich die Rotoren von Windrädern drehen. Windräder, mit deren Hilfe den Waldbesitzern eine Wiederaufforstung ermöglicht wird. Das ist die Vision von Ulli Gondorf, der sich im Unterkreis für Bündnis 90/Die Grünen um ein Ticket für den Landtag bemüht. „Aus der Not eine Tugend machen“, nennt Gondorf das.

Idee stößt auf Gegenliebe

Am Dienstagabend hatte der Wahlkämpfer zur Online-Talkrunde eingeladen, bei der es neben dem Wald im Allgemeinen auch um dieses spezielle Thema ging. Gondorfs Idee stieß dabei durchaus auf eine gewisse Gegenliebe, eine Umsetzung erscheint derzeit aber geradezu ausgeschlossen – jedenfalls unter den geltenden Rahmenbedingungen. Denn wenn schon ein Windkraft-Enthusiast wie Markus Mann von sich sagt, dass er „matt und müde“ sei, braucht es eigentlich keine weiteren Erklärungen.

Forstbesitzer resignieren

An Friedrich Freiherr von Hövel (Junkernthal) war es, die Situation im Siegerland und Westerwald – dem Schadens-Epizentrum in Rheinland-Pfalz – zu erläutern. Seit nunmehr drei Jahren müsse er zuschauen, wie der Wald „verrecke“. Durch den Verlust der Fichte seien in den nächsten Jahrzehnten kaum noch Erlöse zu erwirtschaften: „Der laufende Betrieb ist eigentlich gar nicht mehr finanzierbar.“ Viele Forstbesitzer resignierten und hätten weder Lust noch Geld, etwas für den Wald zu tun. „Es fehlt eine langfristige Perspektive, wir sind de facto ein bisschen ratlos“, so der Baron mit Verweis darauf, dass auch immer noch eine Ungewissheit bestehe, wie mit den neuen Kahlflächen umgegangen werden soll.
Markus Mann, selbst auch Waldbesitzer, möchte ungern Ginster und Brombeere kampflos das Feld überlassen. Die Frage müsse sein: „Wie kann man es schaffen, dass wieder CO2-Speicher entstehen?“  Dafür bedürfe es der Unterstützung der Politik. Da hakte von Hövel ein: In Mainz lägen bessere Förderrichtlinien auf dem Tisch, die aber leider nicht unterschrieben seien. Zudem erinnerte er an die Forderung, Waldbesitzer über die CO2-Abgabe zu fördern.

Windräder sollen sich wirtschaftlich tragen

Er selbst, so von Hövel, stehe dem Vorschlag von Gondorf durchaus positiv gegenüber, allein mangele es in seinem Betrieb an der notwendigen Windhöffigkeit. Zudem sei die Situation im Oberkreis bestens bekannt: „Ich fürchte, dass das politisch nicht durchsetzbar ist.“ Und wenn schon Windräder, dann sollten die sich auch selbst wirtschaftlich tragen und nicht durch einen Landesfonds gestützt werden, wie es der Grüne favorisiert.
Gondorf jedenfalls kann nur Vorteile für alle Beteiligten erkennen. Und überhaupt: „Die Optik wird dadurch nicht schlechter, ich kann Windräder beim besten Willen nicht hässlich finden.“

Geduld gefragt

Markus Mann erinnerte hingegen an die großen Hürden, die mit dem Bau solcher Anlagen inzwischen verbunden seien. Allein das Repowering bei Oberdreisbach habe sieben Jahre bis zur Realisierung in Anspruch genommen. Viele Investoren habe der Mut verlassen.
Auch Anna Neuhof (Kirchen), grüne Landtagskandidatin im Wahlkreis 1, meldete sich zur Wort. Windkraft könne nur da entstehen, wo die Parameter passten. In Teilbereichen könne man damit auch die Waldschäden kompensieren. „Wir brauchen auf Bundes- und Landesebene eine Revision der gesetzlichen Grundlagen“, forderte Neuhof bessere Chancen für die Windkraft. Mit Blick auf die Kritiker meinte sie: „Es gibt da so Menschen, die haben die Weisheit gepachtet.“

BI Wildenburger Land gegen weitere Versiegelung

Damit dürfte sich eventuell auch Horst Braun angesprochen gefühlt haben, doch der Friesenhagener versuchte es bei diesem Talk mit einer differenzierten Sichtweise: Es sei durchaus zu hinterfragen, mit welch massivem Maschineneinsatz derzeit der Wald bearbeitet werde. Vielleicht sollte man mehr Totholz liegen lassen. „Ich bin nicht der Meinung, dass der Wald zu einem Industrie-Standort werden muss“, sagte das Mitglied der BI Wildenburger Land. Eine weitere Versiegelung sowie Eingriffe ins Öko-System gingen mit dem Bau von Windrädern einher. Auch gerodete Fichtenflächen seien nicht wertlos.
So wird sich vermutlich erst nach der Landtagswahl endgültig klären, ob die Vision von Gondorf bei diesem Status bleibt oder ob tatsächlich neue Vorstöße unternommen werden, das Erscheinungsbild der Wälder nochmals zu verändern.

Technische Probleme Ulli Gondorf hatte sich für die Videokonferenz für ein browsergestütztes System entschieden – was ausgerechnet beim Gastgeber und Moderator selbst immer wieder zu technischen Problemen führte. Aber auch Nicolaus Graf Hatzfeldt, der als einer der Referenten eingeladen war, scheiterte aus technischen Gründen mit einer Teilnahme, trotz diverser Anläufe. Der Schönsteiner Privatwaldbesitzer hatte sich aber schon zuvor mit Gondorf getroffen. Dabei wurde auch über den Wald-Wind-Pakt gesprochen. Auf der Homepage des grünen Landtagskandidaten wird Hatzfeldt als Unterstützer der Idee genannt. Gondorf zitiert ihn in einer Pressemitteilung mit den Worten: „Es braucht für ein Windrad im Wald – egal was anderswo fälschlich behauptet wird – nur etwa 0,4 ha, das kann der Wald locker verkraften.“
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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