Boxen zur Gewaltprävention

»Brücke« in Altenkirchen will pädagogisches Konzept nach Erfolgen in Siegen übernehmen

rai Betzdorf. Es mag absurd klingen, ausgerechnet einem wegen Körperverletzung straffällig gewordenen jungen Mann über das Boxen zu einem anderen Verhalten und Handeln zu »erziehen«. Aber die beim Verein »Brücke« Siegen in den vergangenen anderthalb Jahren gemachten Erfahrungen sind so gut, dass das Projekt nun auch bei dem in Betzdorf angesiedelten Verein »Brücke« praktiziert werden soll.

Auf der Jahreshauptversammlung im Amtsgericht Betzdorf stellten Peter Mörbitz, Geschäftsführer des Siegener Vereins, und Andreas Loxtermann (»Brücke« Siegen) das Antigewalttraining »durch Boxen lernen« vor. Das soll im Frühjahr 2003, zunächst mit Schwerpunkt Verbandsgemeinde Altenkirchen, als »neues Standbein« des Vereins gestartet werden, berichtete Vorsitzende Nicole de Fries-Nickol. Das ungewöhnliche Projekt, das nach Angaben von Peter Mörbitz bundesweit einmalig ist, war bei dem Siegener Verein ursprünglich als Maßnahme für heranwachsende Russland-Deutsche initiiert worden und wird für drei Jahre als Modellprojekt vom Bundesverwaltungsamt gefördert.

»Über die Körperlichkeit an die Delikte herankommen«, das sei der Schlüssel des Antigewalttrainings, berichtete Peter Mörbitz, der betonte, dass die Teilnehmer nicht mit Glaceehandschuhen angepackt werden. Entsprechend anstrengend und Kraft zehrend für die Teilnehmer gestalten sich dann auch die jeweils ersten anderthalb Stunden der insgesamt acht Trainingseinheiten. Konditionstraining und Boxen stehen dabei zunächst auf dem Programm, wobei die Teilnehmer anschließend »wirklich müde sind«, weiß Peter Mörbitz zu berichten. Das Medium Boxen eigne sich hervorragend für die gewaltpräventive Arbeit mit Jugendlichen und jungen Männern, da die Sportart die Teilnehmer unter strenge Regeln stelle.

Über das Boxen werden bei den Klienten ein Adrenalinausstoß und eine Stresssituation hervorgerufen ––eine Situation, in der normalerweise die Fäuste fliegen würden. Der Absolvent soll jedoch so trainieren und lernen, seine Emotionen in Krisensituationen zu kontrollieren. Danach steht das Aufarbeiten des Deliktes an. Im Gesprächskreis muss jeder zu seiner Tat Stellung nehmen. Das findet jedoch nicht im stillen Kämmerlein statt, sondern in einer großen Runde, in der jeder sich auch zum Vorfall des anderen äußern muss. Der dritte Schritt einer jeden Trainingseinheit schließt sich mit Sparringsboxkämpfen an. »Es darf allerdings nur mit 50 Prozent der Kraft geboxt werden«, betonte der Geschäftsführer.

Die abschließende Prüfung sei jeweils individuell auf die Person und deren Tat zugeschnitten, berichtete Andreas Loxtermann. Von ihm war auch zu erfahren, dass einige »Ehemalige« inzwischen selbst beim Projekt Antigewalttraining mithelfen. 120 Teilnehmer haben bislang bei der »Brücke« Siegen an dem Kurs teilgenommen, wobei die Zahl der Abbrecher und erfolglosen Teilnehmer mit unter zehn Prozent gering sei, berichtete Mörbitz. Es seien zudem die Anklagen wegen Körperverletzungen im Bereich Siegen Mitte und Kreuztal um bis zu 50 Prozent zurück gegangen. Aufgrund von Urteilen und Bewährungsauflagen nehmen die Klienten an dem Antigewalttraining teil. Es haben u.a. auch stark auffällige Schüler, denen beispielsweise ein Schulverweis droht, die Gelegenheit, über das Projekt andere Verhaltensregel zu trainieren.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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