SZ

23-Jähriger vor Gericht
Brutale Attacke wegen falscher Rolex

Der Angeklagte musste sich nun der Justiz stellen.

nb Koblenz/Betzdorf. Mithalten können, dazugehören, zeigen was man hat – das wollte offenbar Jonas M. Und in seiner Clique junger Leute ist offenkundig das Tragen von Uhren der Nobelmarke Rolex selbstverständlich. So zumindest schilderte es der 23-Jährige gestern im Landgericht Koblenz. Sein bester Kumpel und weitere Freunde hätten sich solche Uhren zugelegt und er selbst, vom Leben weniger begünstigt, wollte sich „die ganze Zeit auch eine holen“.

Jonas M. (alle Namen von der Redaktion geändert) nutzte seinen Jahresurlaub, um zusätzlich zu seinem eigentlichen Beruf zu jobben. Er verkaufte u. a. seinen Motorroller, er legte immer wieder Geld zur Seite – doch so richtig kam er auf keinen grünen Zweig.

nb Koblenz/Betzdorf. Mithalten können, dazugehören, zeigen was man hat – das wollte offenbar Jonas M. Und in seiner Clique junger Leute ist offenkundig das Tragen von Uhren der Nobelmarke Rolex selbstverständlich. So zumindest schilderte es der 23-Jährige gestern im Landgericht Koblenz. Sein bester Kumpel und weitere Freunde hätten sich solche Uhren zugelegt und er selbst, vom Leben weniger begünstigt, wollte sich „die ganze Zeit auch eine holen“.

Jonas M. (alle Namen von der Redaktion geändert) nutzte seinen Jahresurlaub, um zusätzlich zu seinem eigentlichen Beruf zu jobben. Er verkaufte u. a. seinen Motorroller, er legte immer wieder Geld zur Seite – doch so richtig kam er auf keinen grünen Zweig. Eine Rolex, wie er sie im Sinn hatte: beim Juwelier viel zu teuer, gebraucht kaum zu haben. Doch dann stieß er auf diese eine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen: eine Rolex „Submariner“ zu einem Betrag, den er gerade so aufbringen konnte. Jonas M. verabredete sich mit dem Verkäufer, Sascha E., und machte sich am 23. Januar dieses Jahres gemeinsam mit einem Kumpel auf den Weg von Dortmund nach Betzdorf. Doch ein Uhren-Happy-End gab es nicht.

Denn: Nur einen Tag nach dem Kauf für 4500 Euro legte Jonas M. die Uhr einem Juwelier aus seiner Heimatstadt vor. Der brauchte nur wenige Augenblicke, um zu erkennen: Der vermeintliche Luxus-Zeitmesser ist eine Fälschung. Ebenso wie die mitgelieferten Zertifikate. Sein ganzes Geld sei weg gewesen, so der 23-Jährige. Dazu kam noch Spott aus dem Freundeskreis: „Wie kann man sich sowas gebraucht kaufen? Eine Rolex kauft man neu.“

Jonas M. versuchte eigenen Angaben nach den Käufer zu kontaktieren, was aber nicht gelungen sei. Also machte er sich noch am 24. Januar wieder auf den Weg nach Betzdorf und am 3. Februar gleich noch einmal. Beide Fahrten sollten für ihn schlussendlich vor der 6. Strafkammer des Landgerichts enden. Schweren Raub und gefährliche Körperverletzung legt ihm die Anklage unter anderem zur Last.
Beim gestrigen Prozessauftakt räumte der Beschuldigte die Vorwürfe ein. Mit leicht belegter Stimme, aber ruhig und strukturiert schilderte er, was an den fraglichen Tagen passiert war. Nachdem er Sascha E. telefonisch nicht erreichen konnte, sei er nach Betzdorf gefahren und zwar zur Anschrift von dessen Noch-Ehefrau. Vor dem Haus hatte nämlich das Uhren-Geschäft stattgefunden.
Auf Sascha E. traf er dort nicht, wohl aber auf die Noch-Ehefrau. Die sei aus allen Wolken gefallen und orakelte: „Du wirst dein Geld auf jeden Fall nicht wiedersehen.“

Da probierten Jonas M. und sein Begleiter, die 4500 Euro auf anderem Wege zurückzubekommen. Jonas M. drohte per Text-Nachricht, die Kinder des Uhren-Verkäufers zu entführen, sein Kumpel wiederum habe von einem „Massaker“ geschrieben. Doch auch jetzt reagierte Sascha E. nicht.
Kurze Zeit später stellte der 35-Jährige aber erneut ein Angebot auf die Verkaufs-Plattform – und Jonas M. täuschte unter anderem Namen Interesse an Fernseher und Smartphone vor.

Für den 3. Februar verabredete man sich an der Adresse in Betzdorf. Sascha E., nichts ahnend, Jonas M. mit einem Vorsatz, den er seinem Kumpel per Whats-App so schilderte: Sascha E. sei jetzt „reif“: „Ich werde dem alle Zähne wegnehmen, die der im Mund hat.“

Ja, er habe Sascha E. vor dem Haus aufgelauert, mit einem Schlagring auf den Kopf geschlagen und später gegen eine Wand gedrückt. Ja, er habe das Portemonnaie und das Handy seines 35-jährigen Widersachers genommen. Und ja, er sei dann auf „die dumme Idee gekommen“, den Verletzten auch noch zu filmen und das Video zu verschicken. Das Ausweise und Co., aber nur wenig Geld enthaltene Portemonnaie habe er in einem Mülleimer entsorgt, das Smartphone einfach in der eigenen Wohnung rumliegen lassen.

Der erste Verhandlungstag war an Überraschungen nicht arm. Jonas M. wirkte mitgenommen, verbarg das Gesicht in den Händen, als Sascha E. schilderte, welche Angst seine Familie nach der Tat gehabt habe. Der Angeklagte entschuldigte sich: „Ich war nicht mehr Herr der Lage.“

Da ist aber auch noch das Vorstrafenregister von Jonas M. Und das ist nicht gerade dünn. Fahren ohne Führerschein, Beleidigung, Körperverletzung und sexuelle Nötigung finden sich unter anderem darin. Bei den jetzigen Taten stand er unter Bewährung.

Auf der anderen Seite Sascha E. Als er die „Rolex“ zum Kauf anbot, war er noch nicht lange aus dem Gefängnis raus. Gesessen hatte er wegen: Betruges. Die 4500 Euro, die er von Jonas M. bekommen hatte, waren schnell weg: Für ein Auto und alte Schulden: „Die musste ich dringend bezahlen“, so der 35-Jährige. Was Fritz Sommer, Verteidiger von Jonas M., so kommentierte: „Ein Schelm, der Böses denkt.“

Die Kammer zog sich am Nachmittag zu einer ersten Beratung zurück. Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel ließ danach anklingen: Von dem Raub-Vorwurf könnte am Ende wenig übrig bleiben, schließlich habe sich Jonas M. nicht bereichert. Die weiteren Vorwürfe stehen aber nach wie vor im Raum. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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