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Gericht Betzdorf
„Bunte“ Liste an Straftaten: 20-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

So lange es beim Bier am Abend bleibt, ist alles gut, aber wenn Nico S. zu Getränken mit sehr viel mehr „Umdrehungen“ greift, endet das zumeist äußerst ungut.
  • So lange es beim Bier am Abend bleibt, ist alles gut, aber wenn Nico S. zu Getränken mit sehr viel mehr „Umdrehungen“ greift, endet das zumeist äußerst ungut.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Betzdorf/Altenkirchen. So lange es beim Bier am Abend bleibt, ist alles gut, aber wenn Nico S. zu Getränken mit sehr viel mehr „Umdrehungen“ greift, endet das zumeist äußerst ungut. Das sagt der 20-Jährige selbst – und das sagte jetzt vor dem Betzdorfer Jugendschöffengericht ein Polizeibeamter, dem Nico S. aus dem beruflichen Alltag nur allzu bekannt ist. „Dann verliere ich mich selbst“, so Nico S. (Name geändert) über sein Verhalten, wenn er „ordentlich dabei“ ist. Der Polizist beschrieb die Probleme, die entstehen, wenn Nico S. – oft mit seinem jüngeren Bruder – unterwegs ist und harter Alkohol ins Spiel kommt, so: „Da kann man die Uhr nach stellen: Dann sind es zwei, drei Stunden, bis es knallt.“ „Geknallt“ hat es oft, und das führte nun dazu, dass sich Nico S. auf der Anklagebank in Betzdorf wiederfand.

"Bunte" Liste an Vorwürfen gegen den Ange

nb Betzdorf/Altenkirchen. So lange es beim Bier am Abend bleibt, ist alles gut, aber wenn Nico S. zu Getränken mit sehr viel mehr „Umdrehungen“ greift, endet das zumeist äußerst ungut. Das sagt der 20-Jährige selbst – und das sagte jetzt vor dem Betzdorfer Jugendschöffengericht ein Polizeibeamter, dem Nico S. aus dem beruflichen Alltag nur allzu bekannt ist. „Dann verliere ich mich selbst“, so Nico S. (Name geändert) über sein Verhalten, wenn er „ordentlich dabei“ ist. Der Polizist beschrieb die Probleme, die entstehen, wenn Nico S. – oft mit seinem jüngeren Bruder – unterwegs ist und harter Alkohol ins Spiel kommt, so: „Da kann man die Uhr nach stellen: Dann sind es zwei, drei Stunden, bis es knallt.“ „Geknallt“ hat es oft, und das führte nun dazu, dass sich Nico S. auf der Anklagebank in Betzdorf wiederfand.

"Bunte" Liste an Vorwürfen gegen den Angeklagten

„Sehr bunt“ nannte Staatsanwältin Walendsius die Liste der Vorwürfe, mit deren Verlesung sie ordentlich zu tun hatte: gefährliche Körperverletzung, versuchte Gefangenenbefreiung, tätlicher Angriff auf Polizeibeamte, Bedrohung, Beleidigung, Erwerb von Betäubungsmitteln, Sachbeschädigung und Betrug. Abgespielt hatten sich die Taten zwischen Herbst 2019 und Sommer 2020 in Altenkirchen und Umgebung. Der Vorwurf wegen Betrugs wurde fallengelassen, die übrigen Taten räumte der Angeklagte im Großen und Ganzen ein.
Am gravierendsten dabei: die gefährliche Körperverletzung. In der Nacht zum 3. Januar 2020 war Nico S. mit seiner Clique in Helmenzen unterwegs. Als sie auf eine weitere Gruppe junger Leute trafen, kam es zuerst zu einer verbalen Auseinandersetzung, die dann eskalierte. Nico S. und ein Kumpel schlugen und schubsten einen anderen Mann. Als dieser zu Boden fiel, traten sie auf ihn ein. Das Opfer erlitt Prellungen und eine Gehirnerschütterung und musste in einer Augenklinik behandelt werden.
An den Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages 2020 hatte der Beschuldigte keine ganz genauen Erinnerungen mehr, ganz anders jedoch einer der Polizeibeamten, die damals im Zentrum der Kreisstadt auf Streife waren. Auf dem Marktplatz wollten sie eine Gruppe kontrollieren, darunter Nico S. und dessen Bruder. Beide seien „keine unbeschriebenen Blätter“.

20-Jähriger schnappt sich Ziegelstein um auf Polizisten loszugehen

Der jüngere Bruder habe versucht, zu türmen, konnte aber später aufgegriffen werden. Als ihm gerade Handschellen angelegt wurden, tauchte Nico S. auf, eindeutig mit dem Ziel, so der Zeuge, seinen Bruder zu „befreien“. Der 20-Jährige habe äußerst bedrohlich gewirkt, nicht zuletzt deshalb, weil er sich von einer Baustelle einen Ziegelstein geschnappt hatte, den er versuchte, hinter dem Rücken zu verstecken. Und, so der Polizist, lakonisch: „Den Backstein hat man ja nicht hinter dem Rücken, um ihn von A nach B zu transportieren.“ Es waren dann die Polizisten, die sich zur „Flucht“ genötigt sahen – mit dem Bruder von Nico S. im Streifenwagen. Nicht nur bei diesen beiden Fällen, sondern auch, als Nico S. als Beifahrer eine noch halbvolle Bierdose aus dem Seitenfenster „fallen“ ließ und damit ein anderes Auto beschädigte, oder an dem Abend, als er auf einer Party feierte und irgendwann mit einem Messer in der Hand beim Nachbarn auflief und diesen mit nicht jugendfreien Worten titulierte und die Terrasse beschädigte, war Alkohol im Spiel. Der Erwerb von vier Ecstasy-Tabletten und fünf Gramm Marihuana lief da im Sitzungssaal schon fast unter „harmlos“. Dass ihn bei einem „gewissen Alkoholpegel“ Dinge „schnell reizen“ können, hatte Nico S. selbst erkannt. Auf die Frage von Richterin Tanja Becher nach dem Grund für seinen hohen Alkoholkonsum wusste der sonst oft eloquente Angeklagte keine richtige Antwort.

Probleme in der Schule und die Trennung der Eltern

Er selbst und Kerstin Heilmann (Jugendgerichtshilfe) berichteten von schulischen Problemen und einer konfliktreichen Trennung der Eltern. Nico S. verbrachte wegen seiner damaligen Drogensucht einige Zeit in einer Therapieeinrichtung für Jugendliche, packte dort sogar seinen Hauptschulabschluss. Aber, so konstatierte Richterin Becher: Gegen die Problematik mit dem Alkohol habe er bis jetzt nichts unternommen, obwohl er wisse, wie er auf das Trinken reagiere.

Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung

Deshalb seien nun eine „klare Grenzziehung“ und feste Strukturen angesagt, um noch die Kurve zu kriegen – und die klare Grenze gab es von der Kammer. Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung, lautete das Urteil – vier Monate mehr, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.
Zwei Jahre dauert die Bewährungszeit, für die Nico S. einen Bewährungshelfer an die Hand bekommt. Dazu muss er 100 Sozialstunden leisten, sechs Drogenscreenings absolvieren und an der Suchtberatung der Diakonie teilnehmen. „Ein klares Paketchen“, befand Tanja Becher.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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