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Brauchen wir noch eine Droge?
Caritas-Suchtberaterin bezieht Stellung zur Cannabis-Legalisierung

Suchtberaterin Elke Richter äußert sich zum Thema, Legalisierung von Cannabis.
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  • Suchtberaterin Elke Richter äußert sich zum Thema, Legalisierung von Cannabis.
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dach Betzdorf. Die Ampel steht auf Grün, und das im doppelten Wortsinn: Bereits im Herbst will die Bundesregierung ein Gesetz zur Cannabis-Legalisierung auf den Weg bringen. Zuletzt hatten sich Justizminister Marco Buschmann (FDP) und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zumindest ähnlich lautend geäußert. Ein etwas leger verfasster Tweet von Finanzminister und FDP-Chef Christian Lindner am Wochenende („Wann Bubatz legal?“ Ich würde sagen: Bald) tat sein Übriges.
Die Expertin räumt mit einem alten Vorurteil auf
Das Thema kommt also unweigerlich aufs Tapet. Und damit beschäftigt sich auch Elke Richter am 30. Juni ab 18.30 Uhr im „Aufwärts“ in Wissen (Gerichtsstraße 34).

dach Betzdorf. Die Ampel steht auf Grün, und das im doppelten Wortsinn: Bereits im Herbst will die Bundesregierung ein Gesetz zur Cannabis-Legalisierung auf den Weg bringen. Zuletzt hatten sich Justizminister Marco Buschmann (FDP) und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zumindest ähnlich lautend geäußert. Ein etwas leger verfasster Tweet von Finanzminister und FDP-Chef Christian Lindner am Wochenende („Wann Bubatz legal?“ Ich würde sagen: Bald) tat sein Übriges.

Die Expertin räumt mit einem alten Vorurteil auf

Das Thema kommt also unweigerlich aufs Tapet. Und damit beschäftigt sich auch Elke Richter am 30. Juni ab 18.30 Uhr im „Aufwärts“ in Wissen (Gerichtsstraße 34). Die Mitarbeiterin der Suchtberatung der Betzdorfer Caritas spricht dann auf Einladung des Regionalen Arbeitskreises Suchtprävention im Kreis Altenkirchen zur Frage: „Cannabis – eine harmlose Droge?“

Eine klare Antwort, im Sinne von Schwarz und Weiß, gibt es darauf nicht, wie im Gespräch mit der Suchtberaterin schnell deutlich wird. Einerseits gehe von Cannabis eine klare Gefahr für eine Abhängigkeit aus. Andererseits räumt die Expertin mit einem alten Vorurteil auf. Eine Einstiegsdroge – „und da denkt man immer direkt an Heroin“ –, sei Cannabis nicht.

Eine Gefahr ist die Abhängigkeit

Trotz Verbots: Viele Leute würden sich an Cannabis gütlich tun, das zeige die Erfahrung der Suchtberater. „Es ist die illegale Droge, die am meisten konsumiert wird.“ Allerdings, auch das gibt sie zu bedenken, steht bei der Suchtberatung eine Gruppe zahlenmäßig noch über den Kiffern: und zwar diejenigen, die zu viel trinken.

Das aber soll die Gefahr der grünen Krauts nicht schmälern. „Cannabis kann Psychosen auslösen“, sagt Elke Richter. Nämlich bei solchen Konsumenten, die dazu sowieso eine Veranlagung haben. Das Problem bei der Sache: „Das weiß ich natürlich vorher nicht.“ Daher bleibt der Expertin nur ein einziger Rat, den sie guten Gewissens geben kann: „Ich warne davor, es auszuprobieren.“

Suchtberaterin Elke Richter.
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Die zweite Gefahr geht eben von einer etwaigen Abhängigkeit aus. „Die Leute sind dann zu nichts mehr zu bewegen.“ Antriebslosigkeit ist folglich das entscheidende Merkmal. „Die Leute fallen nicht auf, werden nicht aggressiv. Sie ziehen sich zurück.“ Und hier bekämen vor allem solche Konsumenten Probleme, die einen Hang zur Depression haben.

Kiffen gelte als harmlose Sache

Der dritte Aspekt ist die Auswirkung von THC, also dem eigentlichen Wirkstoff, auf die Hirnentwicklung von Heranwachsenden. Das könne zu Beeinträchtigungen beim Gedächtnis oder bei der Konzentrationsfähigkeit führen, und zwar irreversibel. Heißt: „Das kann nicht mehr nachgeholt werden.“ Etwa mit 25 Jahren sei das Gehirn voll ausgebildet, erklärt Elke Richter und berichtet, dass sich das mit ihren Erfahrungen in der Suchtberatung deckt: „Mit 25 werden sie vernünftig.“

Aus diesem Grund sieht sie selbstverständlich mit Sorge, dass es wohl zu einer kontrollierten Abgabe an Erwachsene kommen wird, also an alle ab 18 Jahren. Zumal sie auch eine andere Beobachtung gemacht hat: Unter Jugendlichen und jungen Erwachsen gelte Kiffen weitgehend als völlig harmlose Sache. Und gerade mit der Legalisierung am Horizont sei das Argument des Verbots auch kaum noch von Interesse.

Weitgehend unproblematisch sieht die Suchtberaterin die Abgabe von Cannabis an Menschen über 25 Jahren, mit einer Einschränkung: Sofern eben keine Abhängigkeit vorliege. Denn so könne man das Thema eben regulieren, entkriminalisieren, dadurch wiederum Polizei und Staatsanwaltschaften entlasten – und auch Steuereinnahmen generieren. Bleibt die Frage nach den Jugendlichen: „Gehen die dann wieder zum Dealer? “ Denn: "Die kiffen schon gewaltig“, so Elke Richter. Und sie macht sich nichts vor – Verbot hin oder her: „Sie tun‘s trotzdem.“

,,Brauchen wir noch eine legale Droge?''

Klar, in der gesamten Debatte wird Gras & Co. immer wieder gegen Bier, Schnaps etc. aufgewogen. Elke Richter will da gar keine Partei für eine Seite ergreifen, sagt selbst: "Ich bin da ambivalent." Sie hat aber auch eine persönliche Meinung dazu: „Wir haben ja schon den Alkohol. Brauchen wir dann noch eine legale Droge?“

Kompliziert und bedenklich werde es nämlich dann, wenn mehrere Substanzen zusammenkommen. Das macht Elke Richter am Beispiel von Cannabis und Amphetamin deutlich. Es gebe Menschen, die würden Aufputschdrogen nehmen, wenn von ihnen Leistung verlangt werde oder um Party zu machen. Um danach wieder ruhen zu können, griffen sie zum Joint. Diejenigen nutzen also Rauschmittel wie auf Knopfdruck. Ihre Erfahrung aus der Suchtberatung: „Das macht ein Körper nicht lange mit.“

Suchtberaterin Elke Richter äußert sich zum Thema, Legalisierung von Cannabis.
Suchtberaterin Elke Richter.
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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