Alle Einrichtungen werden geschlossen
CJD zieht sich komplett aus Wissen zurück

Noch hängt die Fahne am Christlichen Jugenddorf in Wissen nicht auf Halbmast, angebracht wäre es allerdings. Das Aus sämtlicher Einrichtungen ist beschlossene Sache. Foto: rai
  • Noch hängt die Fahne am Christlichen Jugenddorf in Wissen nicht auf Halbmast, angebracht wäre es allerdings. Das Aus sämtlicher Einrichtungen ist beschlossene Sache. Foto: rai
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

sz/thor Wissen. Es ist sicherlich nicht mit dem Verlust des Walzwerks gleichzusetzen, dennoch ist es für Wissen ein heftiger Schlag ins Kontor – auch weil von heute auf morgen zwei große Immobilienkomplexe leerstehen werden. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. (CJD) wird sich mit all seinen Einrichtungen aus der Stadt zurückziehen. Am Montag wurde Bürgermeister Berno Neuhoff über diese Entscheidung informiert. Neben dem Juggenddorf an der Kantstraße sind auch die Lehrwerkstätten an der Böhmerstraße betroffen. Unklar ist noch, ob das Aus schon im nächsten Jahr oder erst 2022 kommt.

Grund sind laut offizieller Pressemitteilung „schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ und eine mangelnde Nachfrage der Angebote. Teilnehmer in momentan laufenden Maßnahmen werden bis zu deren regulärem Ende hin von den Fachkräften betreut.

Nach intensiven Beratungen, auch mit der Mitarbeitervertretung, sei der Entschluss gefasst worden, dass das CJD den Standort nicht mehr aufrechterhalten könne und seine Angebote in der Stadt Wissen und damit im Landkreis Altenkirchen deshalb einstellen müsse. Angebotsschwerpunkte waren die ambulante und stationäre Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie die berufliche Bildung.

Das CJD bedauert diesen „notwendigen“ Schritt. In der Vergangenheit sei es nicht gelungen, eine wirtschaftliche Grundlage für diesen Standort zu erzielen. Für die 70 Mitarbeiter sei ein Sozialplan erarbeitet worden. Perspektiven für eine Weiterbeschäftigung im CJD wie auch bei anderen sozialen Trägern seien besprochen.

Der Standort Wissen wurde als Jugenddorf für rund 180 Jugendliche vor 43 Jahren gegründet. Sein Campuscharakter für integriertes Wohnen, Lernen und Leben habe in der Vergangenheit seinen Erfolg ausgemacht, heißt es in der Mitteilung. In den zurückliegenden zehn Jahren habe sich jedoch die Nachfrage nach dieser besonderen Art der integrierten sozialen Dienstleistung deutlich verändert. Die Zielgruppe des CJD verlange zunehmend nach wohnortnahen Angeboten und einem urbanen Wohnumfeld.

Der eingetragene Verein ist nach eigenen Angaben eines der größten Bildungs- und Sozialwerke in Deutschland mit rund 10 600 Mitarbeitern an 388 Standorten.

Die Zusammenarbeit mit kommunalen Trägern wie Jugendämtern und Jobcentern sei stets vertrauensvoll gewesen. Auch konnten die gut qualifizierten Mitarbeiter des CJD für ihre Klienten in der Vergangenheit viel erreichen. Umso schwerer sei der Geschäftsführung nun der aktuelle Entschluss gefallen.

Die Teilnehmer würden auf jeden Fall bis zum Ende der jeweiligen Maßnahme weiterhin betreut. Für jeden Einzelfall werden Perspektiven bei anderen sozialen Trägern und mit den zuständigen Ämtern zur Fortführung der Betreuung besprochen.

Fragen zur Immobilie seien noch offen. Hier liefen derzeit Gespräche mit der Stadt und weiteren Bauträgern.

„Das ist ein herber Verlust“, sagte Bürgermeister Berno Neuhoff. Das CJD sei seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Bildungsstandorts Wissen. Hier gingen nicht nur etliche Arbeitsplätze verloren, sondern auch eine Institution, die sich um diejenigen gekümmert habe, die von der Gesellschaft benachteiligt seien. Neuhoff wies gleichzeitig darauf hin, dass sich der Weiterbildungsmarkt zu einem „Haifischbecken“ entwickelt habe. Weil mittlerweile fast alles ausgeschrieben werden müsse, komme häufig nur der Billigste zum Zug. „Das CJD hat einen guten Job gemacht, hat aber auch immer gute Tarife gezahlt“, so der Bürgermeister.

Die Entwicklung habe sich aber in seinen Augen abgezeichnet: „Es ist immer ein bisschen weniger geworden.“ Zuletzt sei die Verwaltung vom Kreis Siegen-Wittgenstein aus geführt worden (hier hat das CJD seinen Sitz in Birkelbach in Wittgenstein).

Was die Immobilien angeht, gerade der Campus an der Kantstraße, will Neuhoff nichts beschönigen: „Das wird sauschwer.“ Etwas besser sehe es da an der Böhmerstraße durch die Nähe zur City und zum Bahnhof aus. Aber auch hier müsse man angesichts der drohenden Rezession vorsichtig sein. Zwar habe das CJD auch der Stadt die Gebäude angeboten, doch deren finanzielle Situation sei bekannt.

Der Bürgermeister hat sich umgehend an Landrat Dr. Peter Enders und Wirtschaftsförderer Lars Kober gewandt und um Unterstützung gebeten. Neben der Vermittlung der betroffenen Mitarbeiter sollten sämtliche Netzwerke aktiviert werden, um die Immobilien wieder zu vermarkten. Neuhoff: „Wie damals beim ehemaligen Walzwerk Wissen, als wir 2000 in Stadt und Verbandsgemeinde Wissen mit dem Kreis gemeinsam eine Nachfolgelösung gesucht und gefunden haben, bedarf es wieder eines gemeinsamen Kraftaktes von Stadt, VG und Kreis. Das hier ist aber viel schwieriger und diffiziler.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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