»Da bin ich einfach ausgerastet«

Angeklagter wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt

ubau Betzdorf. Ahmed K. (Name geändert) gab sich bei der gestrigen Verhandlung im Betzdorfer Amtsgericht als reuiger Sünder: »Mir tut die Sache von ganzem Herzen leid. Ich würde am liebsten alles rückgängig machen«, gab er artig zu Protokoll. Mit »alles« meinte der seit 1973 in Deutschland lebende Türke die Übergriffe gegen seine Ehefrau. »Als ich gehört habe, dass sie mich betrogen haben soll, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Danach war ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Ich bin einfach ausgerastet.«

Rückblende: Anfang Oktober bekam Ahmed K. via Telefon »gesteckt«, dass seine Frau ihn betrüge. Und zwar mit dem Mann, mit dem sie seinerzeit ein Geschäft in Siegen eröffnete. Informantin war die Frau des Geschäftspartners. Ahmed K., von Beruf Lkw-Fahrer und deshalb oft wochenlang von zu Hause weg, »schäumte« vor Eifersucht. Er stellte seine Frau zur Rede. Die stritt den Vorwurf ab – Ahmed K. schenkte dem Dementi jedoch keinen Glauben. Stattdessen steigerte er sich immer mehr in die Sache hinein.

Die Folge: Ahmed K. verlor die Kontrolle über sein Handeln. Er versetzte seiner Frau einen Kopfstoß, hielt ihr ein Messer an die Kehle, würgte sie und drohte ihr mit den Worten: »Ich bringe dich um.« Vor Gericht relativierte er gestern: »Ich wollte ihr nur Angst einjagen.« Nun denn, auch das sei schon schlimm genug, befand der Vorsitzende Richter Jan Koch.

Der nächste Vorfall ereignete sich im Februar dieses Jahres in der Wohnung eines befreundeten Ehepaars. Nach einem Wortgefecht griff der Angeklagte nach einem Aschenbecher und visierte seine Frau an. Nur gut, dass er sein »Zielobjekt« verfehlte. Der Streit konnte nur mit Mühe geschlichtet werden. Anklagepunkt Nummer drei beinhaltete schließlich verbale Anfeindungen, die Ahmed K. gegenüber seiner Frau geäußert haben soll. Er soll sie als »Hure« und »Schlampe« tituliert haben – nicht gerade die feine englische Art. Befragt zu den Vorwürfen, legte Ahmed K. ein umfassendes Geständnis ab: »Es war genau so, wie es in der Anklageschrift steht.«

Besonders bitter für Ahmed K.: Die Vorwürfe gegen seine Frau erwiesen sich im Nachhinein als haltlos. »Da war gar nichts dran«, konstatierte der Angeklagte. Wohl wissend, dass er schwere Fehler begangen hat. »Ich hätte ihr vertrauen und nichts auf das dumme Gerede geben sollen.« Zu spät. Seine Gattin hat die Konsequenzen gezogen und den Kontakt abgebrochen – sie will sich scheiden lassen.

Richter Jan Koch schloss sich in seinem Urteil der Forderung von Staatsanwaltschaftsvertreter Ulrich Groß an und verhängte wegen gefährlicher Körperverletzung, minderschwerer Körperverletzung und Beleidigung eine Strafe von acht Monaten auf Bewährung. Darüber hinaus muss Ahmed K. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Strafmildernd habe sich das umfassende Geständnis des Angeklagten ausgewirkt und die Tatsache, dass sich Ahmed K. in einer sehr angespannten Situation befunden habe, die ihm sehr zugesetzt habe. Nichtsdestotrotz sei sein Verhalten durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen. »Merken Sie sich, dass Sie solche Situationen durch körperliche Gewalt oder Drohungen nur noch schlimmer machen und dass dies kein Weg der Konfliktbewältigung ist«, gab Richter Koch Ahmed K. mit auf den Weg.

Der muss sich im Übrigen noch wegen anderer Delikte vor Gericht verantworten. Der Staatsanwaltschaft Koblenz liegen zwei Strafanzeigen gegen Ahmed K. vor – wegen Terrorisierung der eigenen Kinder und Verdacht auf telefonische Bedrohung. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Staatsanwaltschaft die beiden Anzeigen, die kausal mit der gestrigen Verhandlung zusammenhängen, fallen lässt, setzte Richter Koch die Strafe für Ahmed K. bewusst hoch an. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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