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In der Corona-Krise hat auch die Tafel geschlossen
„Das ist ein Einschnitt“

Ein leerer Kühlschrank – für viele kaum vorzustellen. Für diejenigen, die mit ganz wenig auskommen müssen, aber kein völlig absurder Gedanke. Hier hilft normalerweise die Tafel, die nun aber wegen des Coronavirus geschlossen hat. Symbolfoto: dach
  • Ein leerer Kühlschrank – für viele kaum vorzustellen. Für diejenigen, die mit ganz wenig auskommen müssen, aber kein völlig absurder Gedanke. Hier hilft normalerweise die Tafel, die nun aber wegen des Coronavirus geschlossen hat. Symbolfoto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf.  Wenn am Ende des Gelds noch jede Menge Monat übrig ist: Über diesen Satz dürfte der ein oder andere Besucher der Betzdorfer Tafel schon mal nachgedacht haben. Und vielleicht wird er in diesen Tagen und Wochen unfreiwillig in so manches Gedächtnis gerufen.

Denn die Corona-Krise hat so ziemlich jeden noch so kleinen Teil des öffentlichen Lebens zum Erliegen gebracht. Darunter eben auch das Hilfsangebot der Betzdorfer Tafel.

Heute um 11 Uhr hätte eigentlich die Tür am evangelischen Gemeindehaus geöffnet werde sollen, so wie jeden Mittwoch. Doch was in der vergangenen Woche schon geschehen ist, wird sich heute wiederholen: Die Tür bleibt verschlossen.

dach Betzdorf.  Wenn am Ende des Gelds noch jede Menge Monat übrig ist: Über diesen Satz dürfte der ein oder andere Besucher der Betzdorfer Tafel schon mal nachgedacht haben. Und vielleicht wird er in diesen Tagen und Wochen unfreiwillig in so manches Gedächtnis gerufen.

Denn die Corona-Krise hat so ziemlich jeden noch so kleinen Teil des öffentlichen Lebens zum Erliegen gebracht. Darunter eben auch das Hilfsangebot der Betzdorfer Tafel.

Heute um 11 Uhr hätte eigentlich die Tür am evangelischen Gemeindehaus geöffnet werde sollen, so wie jeden Mittwoch. Doch was in der vergangenen Woche schon geschehen ist, wird sich heute wiederholen: Die Tür bleibt verschlossen.

Dazu hatte sich Tafel-Leiter Bruno Georg entschieden, nachdem sich die Meldungen über Covid-19 verdichtet hatten – und damit die Informationen darüber, dass vor allem ältere Menschen und Vorerkrankte besonders gefährdet seien. „Ich hab’ nicht lange gefackelt“, sagt er im Gespräch mit der SZ. Schließlich sind die allermeisten der rund 60 Helfer (pro Termin sind etwa 15 im Einsatz) im Rentenalter, der Senior der Truppe ist über 80. Frühestens am 29. April geht es hier weiter, berichtet Georg, allerdings unter Vorbehalt: „Wir müssen die Entwicklung abwarten.“

Die Tafel-Mitstreiter hätten für die Entscheidung vollstes Verständnis, auch die Stellen, die die Lebensmittel abgeben. Aus dem Kreise derer, die das wöchentliche Angebot nutzen, seien teils Anrufe eingegangen. „Sie hatten gehofft, dass es Lebensmittelpakete gibt. Aber ich sehe da keine Möglichkeit“, sagt der Chef.

Eine von denjenigen, die eine Alternative zum klassischen Tafelbesuch für wünschenswert erachten, ist Beate, die eigentlich nicht Beate heißt, ihren Namen aber nicht in Zeitung lesen möchte. Sie kommt seit rund acht Jahren zur Tafel, „eigentlich jede Woche“.

Sie betont, dass sie die Entscheidung zum Aussetzen des Betriebs selbstverständlich nachvollziehen könne. Trotzdem: Dass es das Angebot im Moment nicht gibt, „das ist ein Einschnitt“. Denn ihre Erwerbsunfähigkeitsrente „reicht nicht komplett aus“. Und so ist der Warenkorb, den sie mittwochs bei der Tafel bekommt, eine echte Erleichterung. Zwar muss Beate einige Ergänzungseinkäufe machen, wie sie es nennt, aber mit den Lebensmitteln der Tafel kommt sie im Großen und Ganzen über die Woche.

Für die Betzdorferin geht es aber nicht nur um Blumenkohl, Joghurts und Schwarzbrot. Für sie erfüllt die Tafel auch eine wichtige soziale Funktion: „Man hat einen festen Termin in der Woche, etwas, auf das man sich freuen kann.“ So singt sie nicht nur im Tafelchor, sondern trifft sich auch mit weiteren Besuchern beim Mittagessen. „Das ist ein richtiger Freundeskreis geworden.“ Ganz ähnlich sieht das auch Renate Kohl von der Caritas. Sie ist dafür zuständig, die Bedürftigkeit der Tafelbesucher zu prüfen. Denn nur mit einem entsprechenden „Ausweis“ bekommt man hier Lebensmittel und eine warme Mahlzeit. „Für viele ist das das Highlight der Woche“, sagt Kohl. Auf der anderen Seite sieht sie auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten mancher: „Den ein oder anderen wird das schon treffen. Die rechnen mit der Tafel.“

In normalen Zeiten machen sich jeden Dienstag die Fahrer mit dem Kühlwagen auf den Weg, fahren insgesamt rund 30 Stellen an, eigentlich alle Supermärkte und auch Discounter-Filialen in der Region, dazu einige Bäcker. Da gibt’s dann vor allem Ware, die kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums steht: Wurst, Käse, Quark, Obst, Gemüse und vieles mehr. Im evangelischen Gemeindehaus wird dann sortiert. Von den gespendeten Lebensmittel wird außerdem warm gekocht. Rund 100 Mahlzeiten bringt das Team jeden Mittwoch auf den Teller.

150 Berechtigungsausweise sind jeweils „unter den Leuten“, eingeteilt in Bedarfsgemeinschaften. Eltern mit zwei Kindern bekommen einen deutlich größeren Warenkorb als etwa eine alleinstehende Rentnerin.

Damit es nicht zu Scherereien bei der Ausgabe kommt, geht es bei der Betzdorfer Tafel nach dem Zufallsprinzip. „Wir bemühen uns, das möglichst gerecht zu machen“, sagt Bruno Georg.

Und alle hoffen, dass es schon bald wieder gerecht zugeht, mittwochs im evangelischen Gemeindehaus. In der zweiten Aprilhälfte wolle man sich erneut beraten, wann und wie es weitergeht. Damit am Ende des Gelds möglichst nichts vom Monat übrig bleibt.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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