SZ

CJD-Mitarbeiterschaft widerspricht Darstellung zur Standortschließung
„Das ist nicht so locker-flockig abgelaufen“

Der gesamte Gebäudekomplex des CJD in Wissen wird bald leer stehen, der christliche Träger zieht sich komplett aus dem Kreis Altenkirchen zurück.
  • Der gesamte Gebäudekomplex des CJD in Wissen wird bald leer stehen, der christliche Träger zieht sich komplett aus dem Kreis Altenkirchen zurück.
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dach Wissen. Es habe „intensive Beratungen“ gegeben, hatte das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) in einer Pressemitteilung vergangene Wochen zur Schließung aller Angebote in Wissen vermeldet. Und: Darin sei auch die Mitarbeitervertretung eingebunden gewesen. Doch davon will Wolfgang Gregoric nichts wissen. Dabei hätte er es doch mitbekommen müssen, wäre es so gewesen. Denn Gregoric ist der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) des Wissener Standorts, an dem knapp 70 Kollegen beschäftigt sind. Und er sagt im Gespräch mit der SZ: „Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“

Im Mai habe er eine E-Mail vom Gesamtleiter des CJD-Verbunds NRW Süd/Rheinland erhalten, mit der Bitte um einen Termin für ein Informationsgespräch, so Gregoric.

dach Wissen. Es habe „intensive Beratungen“ gegeben, hatte das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) in einer Pressemitteilung vergangene Wochen zur Schließung aller Angebote in Wissen vermeldet. Und: Darin sei auch die Mitarbeitervertretung eingebunden gewesen. Doch davon will Wolfgang Gregoric nichts wissen. Dabei hätte er es doch mitbekommen müssen, wäre es so gewesen. Denn Gregoric ist der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) des Wissener Standorts, an dem knapp 70 Kollegen beschäftigt sind. Und er sagt im Gespräch mit der SZ: „Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“

Im Mai habe er eine E-Mail vom Gesamtleiter des CJD-Verbunds NRW Süd/Rheinland erhalten, mit der Bitte um einen Termin für ein Informationsgespräch, so Gregoric. Auf Nachfrage sei ihm dann eröffnet worden, dass es um eine Standortschließung gehe, so der MAV-Vorsitzende. Beim Gespräch sei der Gesamtleiter dann von Vertretern der CJD-Task Force begleitet worden. „Das sind Sanierer“, so Gregoric. Die Task Force sei zu Jahresbeginn beim Gesamtvorstand angedockt worden. Bei diesem Gespräch sei der MAV dann deutlich gemacht worden, dass es in Wissen nicht weitergehe.

Daraufhin habe er eines der Vorstandsmitglieder mit dem Schließungsvorhaben schriftlich konfrontiert. „Der war fassungslos“, so Gregoric. Der Vorstand habe von den Plänen der Task Force nichts gewusst – und das auch so kommuniziert. Allerdings sei er einige Tage später zurückgerudert – auf Kurs der Task Force.

Damit steht der Plan: Der Bereich der stationären Jugendhilfe, in der derzeit rund 25 Jugendliche und junge Erwachsene untergebracht sind (der aber für rund 180 Personen ausgerichtet ist) soll zum Jahresende schließen, die ambulante Jugendhilfe Ende März 2021. Die berufliche Bildung, das dritte Standbein des CJD in Wissen, soll mit Ablauf der Maßnahmen bis Sommer 2022 sukzessive abgebaut werden.

In dieser Form hat die MAV die Mitarbeiter informiert – zu einem Zeitpunkt, da die CJD-Führung noch keine Informationen herausgegeben hatte. Auch die Wissener Standortleitung sei da noch nicht ins Bild gesetzt gewesen. „Dass es dem Laden schlecht geht, war allgemein bekannt“, sagt Gregoric: „Nur: Wie mit dem Leuten umgegangen wurde, ist der Burner.“

Immerhin: Mittlerweile ist ein Sozialplan ausgearbeitet und unterzeichnet worden. Nahezu alle Wissener Mitarbeiter haben demnach Abfindungsangebote vorliegen, die meisten zudem die Aussicht auf neue Stellen innerhalb des CJD – allerdings teils mit Jobs weit über die Region hinaus. Und Gregoric ist der Auffassung, dass es das CJD hier nicht ganz so ernst meint, berichtet er doch von einem Ehepaar: Der Mann könne in Kleve anfangen, die Frau im 187 Kilometer entfernten Linz am Rhein.

Was den MAV-Vorsitzenden so richtig auf die Palme bringt: Es sei die Anweisung ergangen, gegenüber etwa den Jugendämtern zunächst nichts von der beschlossenen Schließung zu erwähnen: „Wir haben weiterhin Fälle angenommen.“ Das nehme die MAV als Aufforderung zur Lüge wahr, „klipp und klar“, sagt Gregoric, der in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass es sich beim CJD eben um einen christlichen Verein handelt.

Die Frage nach der Stimmung unter den Mitarbeitern beantwortet MAV-Vorsitzender Gregoric kurz und prägnant – allerdings mit einem Wort, das nicht druckreif ist. Er berichtet aber auch: „Die Kollegen sagen: ,Wenn die Familien und Jugendlichen nicht wären, hätten wir längst hingeschmissen’.“

In der ambulanten Jugendhilfe des CJD Wissen seien rund 50 Familien aus dem AK-Land in Betreuung. Diese Fallzahl sei seit Jahren stabil. Allerdings gebe es in der stationären Betreuung einen Abschwung. Hier war vor einigen Jahren aufgrund der großen Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen viel los, mittlerweile eben nicht mehr. Und auch die Angebote der beruflichen Bildung würden nicht mehr so stark nachgefragt wie einst.

Immerhin: Der Arbeitsmarkt für Pädagogen und Erzieher sieht gar nicht mal schlecht aus. Die Betroffenen haben ordentliche Chancen, neue Anstellungen zu finden. Das gilt für Wolfgang Gregoric nur noch bedingt: Er ist seit dem Frühjahr offiziell Rentner, seine berufliche Tätigkeit derzeit also eher Leidenschaft denn Broterwerb. Von daher musste er sich im Schließungsprozess auch an keiner Stelle zurückhalten. Und das ist auch der Grund, warum der MAV-Vorsitzende jetzt das Gespräch mit der SZ gesucht hat: „Ich wollte deutlich machen, dass es nicht so locker-flockig abgelaufen ist.“

Besonders in Rage bringt ihn dabei immer wieder das Vorgehen der CJD-internen Task Force. Als in einem der Gespräche der Begriff Empathie gefallen sei, habe es laut Gregoric aus deren Reihen geheißen: „Für Empathie sind wir nicht zuständig.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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