Reetdachsanierung an Steinches Mühle
Das Kleinod wieder strahlen lassen

Eine Baustelle, die auf viel Interesse trifft: Steinches Mühle bekommt derzeit ein neues Reetdach.
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  • Eine Baustelle, die auf viel Interesse trifft: Steinches Mühle bekommt derzeit ein neues Reetdach.
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nb Derschen. Die wenigen Sonnenstrahlen, die es durch die Wolkendecke schaffen, lassen das Schilfrohr golden leuchten, dazu der warme Geruch: Kein Zweifel, das hier ist keine Baustelle wie jede andere.
Steinches Mühle, das Gebäude mit echtem „Promifaktor“ im Daadener Land, bekommt ein neues Kleid verpasst. Es ist nicht zuletzt das charakteristische Reetdach, das das Gebäude zu einem beliebten Fotomotiv gemacht hat – und dieses Dach wird derzeit erneuert.

Bekanntes und beliebtes Gebäude, ungewöhnliche Bedachung: Kein Wunder, dass viele Autofahrer auf die Bremse treten und so mancher Spaziergänger einen kurzen Stopp einlegt, um den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen.

Seit gut anderthalb Wochen sind hier Dachdeckermeister Manfred Rosenkranz und die Firma Wolfgang Büssing Bedachungs-GmbH beschäftigt. Manfred Rosenkranz hat es nicht weit zum Mühlenarbeitsplatz – er kommt schließlich aus Mauden. Die Mitarbeiter der Büssing GmbH haben da eine etwas längere Anfahrt: der Firmensitz ist in Vechta.

Dass eine niedersächsische Firma für die Eindeckung mit Reet zuständig ist, ist wenig verwunderlich: Reet kennen schließlich die meisten Siegerländer und Westerwälder nur aus dem Urlaub an Nord- und Ostsee, in der hiesigen Region hingegen hat das Naturprodukt, das z. B. auch als Reith oder Rieth bezeichnet wird, absoluten Seltenheitswert. Das Reet, das für die Steinches Mühle verwendet wird, stammt aber nicht aus Norddeutschland, sondern aus einer ganz anderen Ecke: vom Neusiedler See.
Riethschichten auf Dächern werden über die Jahre dünner und verwittern und müssen folglich irgendwann ausgetauscht werden. An Steinches Mühle gab es zuletzt 2005 eine Teilerneuerung des Daches. In den vergangenen Tagen zeigten sich so alte Schicht und die bereits erneuerten Stücke Seite an Seite – der Kontrast fällt sofort ins Auge.

„Ja, West- und Nordseite waren ziemlich fertig“, sagt Ilona Rosenkranz. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis Heimatgeschichte Daadener Land und mit der Geschichte der Mühle gut bewandert. Und sie macht noch einmal deutlich, welche Bedeutung das Gebäude für die Umgebung hat: Wohl kaum ein Haus, in dem nicht ein Stich, ein Bild oder eine Fotografie der Mühle zu finden ist. „Ja, das ist schon immer ein Highlight, wenn was mit der Mühle passiert“, fügt sie lächelnd hinzu.

Viel und fesselnd kann Ilona Rosenkranz von der Mühle erzählen und auch in der Chronik der Gemeinde Derschen von Volker Rosenkranz findet das Bauwerk breiten Platz. Lange galt das Jahr 1610 als erste urkundliche Erwähnung, aber das wurde inzwischen revidiert. Vielmehr datiert (bis dato) die erste urkundliche Erwähnung von 1579 und in der Mühle gibt es demnach sogar einen Balken, der die Jahreszahl 1525 trägt. Bis in die 50er-Jahre wurde in der ursprünglichen „Bannmühle“ noch gemahlen. Immer wieder gab es über die Jahrhunderte natürlich ein neues Dach, Stroh kam zum Einsatz und 1915 dann ließ der damaliger Derscher Ortsbürgermeister Gustav Wilhelm Hees aus Kostengründen das Dach mit Blech decken, nicht gerade zur Begeisterung des Bürgermeisters. Auch das kurze „Blech-Zwischenspiel“ wurde in Fotos festgehalten.
Nachdem das letzte Korn gemahlen worden war, wechselte die Mühle mehrfach den Besitzer. Seit inzwischen drei Jahren, so erklärt Ilona Rosenkranz, gehört das Gebäude einem Unternehmerpaar aus Biedenkopf. Und ein Blech-Fauxpax wird, der Denkmalschutz lässt grüßen, so schnell nicht wieder passieren.

Ihr Mann, Manfred Rosenkranz, befindet sich derweil mit Helfer Max Scheel wieder auf dem Gerüst. Die Firma Rosenkranz hat, auch diese Arbeit selbstverständlich gemäß dem Denkmalschutz, unter anderem die Sparren ertüchtigt und verstärkt, das Dach energetisch aufgerüstet und den Giebelbereich erneuert. Klassische Arbeiten für den Handwerksmeister, für den die Baustelle dennoch auch etwas besonderes ist. Rosenkranz selbst ist teils in ganz Deutschland unterwegs, um die Dächer von Gebäuden mit Geschichte zu erneuern. Beispielsweise in der altdeutschen Deckung, eine Technik, die viele junge Dachdecker heutzutage gar nicht mehr erlernen. Selber Könner in einer aussterbenden Handwerkstechnik, hat Rosenkranz umso mehr Bewunderung für die Reetdachdecker.
Ein großes Manko des Rohrs sei die Brandgefahr, so Rosenkranz. Aber da sei das angenehme Raumklima und natürlich das „optische Plus“: „Ein echtes Alleinstellungsmerkmal.“

Am Montag geht es weiter mit dem Reet und bald wird, wie der Dachdeckermeister sagt, „das Kleinod wieder erstrahlen“.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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