Die Ergebnisse der Landtagswahl
Das sagen die Kandidaten und Parteivorsitzenden

Die Stimmen zur Wahl.
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sz Kreis Altenkirchen. Wir haben uns umgehört und die Meinungen der Kandidaten gesammelt: 

Sabine Bätzing-Lichtenthäler, SPD: Die SPD siegt im Land, die Gesundheitsministerin verliert ihren Wahlkreis – für Sabine Bätzing-Lichtenthäler hatte der Abend zwei Gesichter. Aber ihre Stimmungslage ist eindeutig, sie verbucht den Wahltag als Erfolg. „Das ist sensationell, es ist grandios, was uns da gelungen ist“, freut sie sich über den Erfolg der SPD im Land. „Die Menschen haben Vertrauen in Malu Dreyer und die SPD“, bilanziert sie und erklärt das mit der Arbeit der vergangenen Jahre: „Wir haben gut regiert.“ Damit meint sie auch ihr Ressort, das Gesundheitsministerium. „Vieles ist uns gut gelungen“, sagt die 46-Jährige und verweist auf die landesweit günstigen Inzidenzwerte, auf die Impfkampagne und darauf, „wie wir die Testzentren aus dem Boden gestampft haben“. Und auch, wenn die Arbeit im Gesundheitsministerium zuletzt sehr herausfordernd gewesen sei, hoffe sie darauf, auch im neuen Kabinett mit dieser Aufgabe betraut zu werden: „Ich würde absolut gerne weitermachen.“ Dass sie im Wahlkreis den Kürzeren gegen Michael Wäschenbach gezogen hat, kann sie nach eigener Aussage verschmerzen. „Den Wahlkreis zu gewinnen, wäre das Sahnehäubchen gewesen. Aber der Wahlkreis ist strukturell sehr konservativ.“ Und vor diesem Hintergrund sei auch das gute Zweitstimmenergebnis der SPD allemal erfreulich.

Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Andreas Hundhausen, SPD: Auf Landesebene ist es für die SPD sehr gut gelaufen. „Klar, Malu Dreyer ist ein Zugpferd“, räumte der Vorsitzende ein. Ein Kuriosum: Die SPD hat ein halbes Prozent wenger geholt als beim letzten Mal, bekommt aber eine Abgeordnete mehr (40). „Ständiges Maulen, Meckern und Kritisieren zieht nicht“, fand er. Die Rede der CDU vom „Bildungschaos“ sei ein Eigentor gewesen. Damit habe man vielen Lehrern zuletzt noch vors Schienbein getreten. Zwar seien die Wahlkreise nicht gewonnen worden, die SPD-Ergebnisse seien aber achtbar. In Rennerod liege die SPD beim Zweitstimmenergebnis vor der CDU. Das Ergebnis in der Alt-VG Betzdorf stimmte indes nicht zufrieden. Das Ergebnis in seiner „Heimatgemeinde“, der Verbandsgemeinde Kirchen, nannte Hundhausen solide. „Hier darf ich mal festhalten: Die Verbandsgemeinde Kirchen ist keine klassische CDU-Gemeinde mehr.“

Anna Neuhof, Grüne: Die Kreissprecherin hinterlässt im Gespräch mit der SZ einen gut gelaunten Eindruck und erklärt das vor allem damit, dass die Mainzer Koalition ihre Arbeit fortsetzen kann. Angesichts der Tatsache, dass die Grünen landesweit drittstärkste Kraft geworden sind, geht sie aber in der Ampel von einem neuen Machtgefüge aus: „Ich wünsche mir, dass wir jetzt einige Akzente mehr setzen können als die FDP – das ist ja wohl klar.“ Dass die Grünen knapp unter der 10-Prozent-Marke geblieben sind, sei nur ein kleiner Wermutstropfen: „Das liegt sicher auch daran, dass das Thema Klimawandel seit geraumer Zeit von Corona überschattet wird.“ Bedauerlich sei zudem, dass die Pandemie einen aktiven Wahlkampf verhindert habe: „Das war Wahlkampf obskur.“ Ihr eigenes Abschneiden als Direktkandidatin rückt im Telefonat in den Hintergrund: „Das war von vornherein schon klar, dass das sehr ambitioniert sein würde.“

Andreas Bleck, AfD: Der Posten des AfD-Kreisvorsitzenden ist derzeit vakant (die entsprechende Wahl soll erfolgen, wenn die Pandemie es wieder erlaubt), daher kommentiert MdB Andreas Bleck Ergebnis auf Landes- und Kreisebene.
„Unser Wahlziel war, zweistellig abzuschneiden“, so Bleck, dies sei verfehlt worden. Zwei Dinge macht der Abgeordnete dafür verantwortlich – besonders die, wegen der Pandemie, fehlende Möglichkeit zum „normalen“ Straßenwahlkampf. Die AfD sei eben eine „klassische Kampagnenpartei. Dazu gekommen sei die „Diffamierungskampagne“, Stichwort: Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Das schlechte Abschneiden sei dann auf die Kreisebene durchgedrungen. Bleck gibt sich aber auch kämpferisch: Trotz der widrigen Umstämde habe man immerhin zwischen acht und 9 Prozent erreicht. Und: „Wir haben unsere Stammwählerschaft mobilisiert.“

Christian Chahem, FDP: „Zwiegespalten, da bin ich ganz ehrlich“, kommentiert Chahem das Ergebnis der Liberalen. Im Land hätte er sich ein besseres Ergebnis gewünscht. Als Koalitionspartner sei man mit den eigenen Themen „anscheinend nicht durchgedrungen“, so der Kreisvorsitzende. Der Ball in Sachen Regierungsbildung liege jetzt natürlich bei der SPD. Für die FDP gelte: Sie sei zu Gesprächen mit allen Parteien bereit, außer der AfD. Wegen Corona aber habe auch gegolten: „Es war die Stunde der Ministerpräsidenten.“ Auf Kreisebene ist Chahem mit den Stimmen für Steffen Schlechtriemen und seinem eigenen Ergebnis nichtsdestotrotz ganz zufrieden.

Udo Quarz, Die Linke: Deutliche Enttäuschung ist beim Kreisvorsitzenden der Linken zu hören. „Wir hatten uns mehr ausgerechnet“, so Quarz. Wegen Corona hätten die „kleinen“ Parteien aus der Opposition ihre Themen „nicht so durchbringen“ können. Es habe gegolten: „Die allgemeine Großwetterlage war ganz auf das Thema Corona ausgerichtet“, dadurch hätte auch Die Linke nicht punkten können. Und im Wahlkampf habe man mit Aktionen wie Online-Veranstaltungen nur einen kleinen Kreis erreicht. Für den Kreisvorstand gelte dasselbe wie für die Landesebene: Es gelte nun das Abschneiden genau zu analysieren. Zu überdenken sei etwa die Kommunikationsstrategie, gibt sich Quarz durchaus selbstkritisch.

Michael Wäschenbach, CDU: „Das ist schon ein Desaster.“ So lautet die Einschätzung des CDU-Kreisvorsitzenden zum Landesergebnis seiner Partei. Demnach gibt es dafür zwei Gründe. Malu Dreyer habe als Ministerpräsidentin in der Pandemie eine Funktionsrolle inne. „Sie war jeden Tag im Fernsehen.“ Christian Baldauf habe es da deutlich schwerer gehabt, und „die PS nicht auf die Straße bekommen“. Der zweite Faktor sei wohl die Maskenaffäre gewesen. Dazu stellt er aus seiner Sicht klar: „Das ist nicht die CDU. Das sind zwei Idioten, die das gemacht haben.“

Michael Wäschenbach.
Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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