Ahmadiyya-Gemeinde hatte zu Podiumsdiskussion eingeladen
Der Islam - friedlich oder gefährlich?

Neben dem islamischen Imam und Theologen Iftekhar Ahmad (l.) saßen Michael Wäschenbach (CDU, r.) und Justin Salka (AfD) auf der Bühne.  Die Moderation lag bei Safir Ahmad.
  • Neben dem islamischen Imam und Theologen Iftekhar Ahmad (l.) saßen Michael Wäschenbach (CDU, r.) und Justin Salka (AfD) auf der Bühne. Die Moderation lag bei Safir Ahmad.
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thor Betzdorf. Diese Veranstaltung war durchaus dazu gedacht, dass sich unterschiedliche Religionen und Mentalitäten treffen, letztlich aber prallten ganze Weltanschauungen aufeinander, die in gegenseitigen Anschuldigungen gipfelten – was so auch zu erwarten war. Die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde aus Betzdorf hatte im Rahmen ihrer Ausstellung in der Betzdorfer Stadthalle am Sonntag zu einer kleinen Podiumsdiskussion eingeladen. Das Thema: „Der Islam in Deutschland - Bedrohung oder Bereicherung?“ Neben dem islamischen Imam und Theologen Iftekhar Ahmad saßen der Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Michael Wäschenbach und Justin Salka (AfD), Vorsitzender der Jungen Alternative (Regionalverband Mittelrhein-Westerwald) auf der Bühne. Alon Sander, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Siegen, hatte kurzfristig abgesagt. Die Moderation lag bei Safir Ahmad.

Nur Randgruppe unter den Muslimen

Ein Dilemma dieses „Dialogs“ offenbarte sich recht schnell: Während Ahmad die Ahmadiyya als friedliche Reformbewegung anpries, die die Verkrustungen des Islam aufbrechen und die „wahre, schöne“ Lehre freilegen wolle, verstand es Salka durchaus geschickt, den Stellenwert der Gemeinde in Frage zu stellen, gerade auch innerhalb der islamischen Welt. In der Tat sind die Mitglieder – verglichen mit der DITIP-Gemeinde vor Ort – nur eine winzige Randgruppe. Gleichwohl muss man ihnen zugute halten, dass so eine Diskussion wie die am Sonntag überhaupt geführt wird. Bei den Glaubensbrüdern in der Sultan-Ahmed-Moschee ist das nur schwer vorstellbar.

Angst um Kultur und Traditionen

Nein, Angst habe vor dem Islam habe er nicht, sagte Salka, Allerdings sei er in Sorge um den Erhalt der Rechtsstaatlichkeit und der Kultur und Traditionen in diesem Land. Wer diese Sorge teile, „darf nicht in die fremdenfeindliche Ecke gestellt werden“. Wäschenbach hielt dagegen: Die AfD schüre bewusst Ängste, auch vor dem Islam, und biete keinerlei Lösungsansätze an. Gerne würde er einen Vorschlag hören, wie Integration besser gelingen könne, so der CDU-Politiker.

Koran ohne politische Vorgaben

Der Islam sei nicht nur Religion, sondern immer auch Politik. „Man muss darauf achten, dass kein Staat im Staate entsteht“, meinte Salka. Was Imam Ahmad auf den Plan rief: Politische Vorgaben durch den Koran gebe es nicht, eher moralische. Deshalb könne es auch kein durch den Islam legitimiertes politisches Kalifat geben. „Wer das wünscht, hat eine falsche Vorstellung von Islam.“ 
Das wiederum wollte der AfD-Mann so nicht stehen lassen: Die Politik spiele im Islam unterschwellig immer eine Rolle.  Auch an der Integrationsbereitschaft vieler Muslime äußerte er Zweifel. „In Deutschland werden doch nur Fahnen geschwenkt, wenn wir Fußball spielen.“ Das merkten doch auch Zuwanderer. Oder wenn ganze Viertel oder Schulklassen von Migration geprägt bzw. dominiert seien: „Da wird gar keine Notwendigkeit gesehen, sich zu integrieren.“

Imame in Deutschland ausbilden

Für Ahmad bedeutet Integration nicht, „Alkohol zu trinken und Schweinefleisch zu essen“. Auch dürfe man weder Kopftuch noch Beschneidung verbieten. Der Imam wurde deutlich: „Assimilation kann und darf nicht gefordert werden.“ Muslime würden sich gleichwohl stark am gesellschaftlichen Leben in Deutschland beteiligen. „Die perfekte Integration ist, wenn man gar nicht merkt, dass man anders ist“, meinte Wäschenbach. Dazu gehöre auch gegenseitiger Respekt. Wichtig sei, dass man sich nicht nur dreimal im Jahr treffe, sondern regelmäßig. Zugleich sprach er sich für einen Islam-Unterricht aus: „Wir können es nicht erlauben, dass wir in Deutschland 2000 Imame haben, die kein Deutsch können.“
Der CDU-Politiker wiederholte seine Kritik an der AfD, er habe noch nichts „Zukunftsgewandtes“ in Sachen Migration von der Partei gehört. „Sie haben anscheinend Deutschland schon aufgegeben“, ätzte Salka zurück. Die deutsche Politik der vergangenen 30 Jahre habe Migration bewusst gefördert. Das sei eine „Unverschämtheit“ und „purer Unsinn“, entgegnete Wäschenbach: „Sie wollen offenbar den Nationalstaat, sie wollen kein Europa, sie haben keine Ahnung, wie die Welt sich bewegt. Sie würden Deutschland am liebsten einzäunen.“

„Der Islam hat ein Problem mit Gewalt"

Doch nicht nur Wäschenbach stieg verbal mit Salka in den Ring, sondern auch Ahmadiyya-Theologe Ahmad. Denn für den jungen AfD-Politiker ist klar: „Der Islam hat ein Problem mit Gewalt. Er ist immer nur friedlich, solange er in der Minderheit ist.“ Dem Islam fehle einfach die Aufklärung des Christentums, was schon an der Rolle der Frau deutlich werde.

Nichts Problematisches im Koran

Der Imam sah sich herausgefordert: Der Islam sei zutiefst friedlich, Gewalt sei immer eine Folge nicht-religiöser Erziehung. Gruppen wie Al-Kaida, Isis oder die Taliban, die den Islam missbrauchten, seien erst durch westliche Interventionen in der arabischen Welt entstanden. Hatte Salka da noch die Stirn gerunzelt, steigerte sich das in ein höhnisches Lachen, als Ahmad meinte: „Es gibt keinen Vers im Koran, der etwas Problematisches enthält.“ Am Ende entbrannte ein Streit darüber, ob der Prophet Mohammed nun 600 Juden „abgeschlachtet“ (Salka) hat oder nicht. Jeder nahm für sich in Anspruch, die geeigneten Quellen zu besitzen.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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