Der tiefe Fall des Königs

32-Jähriger vor Gericht: Die Liebe vom Schützenfest wurde zum brutalen Eifersuchtsdrama

Betzdorf. Vor zwei Jahren hatte er den Vogel abgeschossen. Michael T. (Name geändert) hatte in einer Gemeinde im Landkreis den hölzernen Aar von der Stange gefegt und war Schützenkönig geworden. Prompt landete er den nächsten Treffer: Er fragte Vereinskameradin Anke W., ob sie ihn als Königin begleiten werde. Sie willigte ein – Wochen später waren die beiden nicht nur ein Schützenkönigspaar, sondern auch im Leben jenseits der grünen Uniform liiert. Die Beziehung ging aber nach einem Jahr in die Brüche. Was folgte, brachte den 32-jährigen Michael T. jetzt auf die Anklagebank des Betzdorfer Amtsgerichts: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vor.

Von Anfang an hatte die Beziehung unter einem ungünstigen Stern gestanden. Das berichteten Michael T. und Anke W. unisono – allerdings aus verschiedenen Perspektiven. Ihm ging es gegen den Strich, dass Anke W. von ihrem Ex-Freund Postkarten mit der Aufschrift „Blonder Engel” erhielt – und sie ärgerte sich über seine „ständige Eifersucht”. Sie unterhielt sich mit anderen Männern – er ging auf die angeblichen Nebenbuhler los.

Weil er auch seine Freundin mit gelegentlichen Ohrfeigen traktierte, war die große Schützenfest-Liebe bald vorbei. Im März gab Anke W. ihrem König endgültig den Laufpass. Damit ging der Ärger erst richtig los.

„Ich wollte es nicht einsehen”, erklärte der Angeklagte, der vor Gericht einen reumütigen, aber strukturierten Eindruck machte. Er verstand die Welt nicht mehr, zumal er nicht nur die Trennung akzeptieren sollte, sondern auch noch einen Vertrauensbruch: Sein bester Freund, dem er immer wieder die Beziehungsprobleme mit Anke W. geschildert hatte, kam mit ihr zusammen – kurz nachdem sie sich von Michael T. getrennt hatte. „Ich war wahnsinnig wütend”, räumte der Angeklagte ein.

Morddrohungen gegen die Ex-Freundin

Und in seiner Wut leistete er sich den ersten Totalausfall. Er griff zum Telefonhörer, wählte die Nummer seines vermeintlich besten Freundes und warf dem einige Dinge an den Kopf, die nicht unbedingt auf tiefe Zuneigung schließen lassen: „Du hinterlistiges dickes Schwein!” Am gleichen Tag rief er seine Exfreundin an, titulierte sie als „Schlampe” und stieß – laut Anklageschrift – Morddrohungen aus: „Ich bringe dich um. Ich werde dich kriegen, irgendwo. Wir sind bis Freitag wieder zusammen, sonst bist du kaputt.” Das war Punkt 1 der Anklageschrift – und Punkt 2 fällt noch viel mehr ins Gewicht.

Der Angeklagte, der mittlerweile nach Hessen gezogen war, erlebte am 13. April eine schlaflose Nacht. Immer wieder ging ihm die Trennung durch den Kopf, erklärte er vor Gericht. Irgendwann sei er dann aufgestanden und ins AK-Land gefahren. Ziel: die Wohnung von Anke W. Er kam in den frühen Morgenstunden dort an; weil er aus gemeinsamen Zeiten noch einen Wohnungssschlüssel von Anke W. besaß, konnte er ohne Probleme ins Haus eindringen. Seine Ex.Freundin fand er schlafend im Bett vor.

Was dann geschah, daran konnte sich der Angeklagte angeblich nur bruch-stückhaft erinnern; also folgt hier ein Blick in die Anklageschrift: Anke W. wachte auf und sah zu ihrem Schrecken ihren Ex-Freund im Zimmer stehen. Sie schrie. Er knebelte sie mit einem Tuch, fesselte ihre Hände und drückte ihr ein Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge an den Hals. Er dirigierte sie in den Flur und schlug ihren Kopf mehrfach gegen die Wand – obwohl er wusste, dass Anke W. eine schwere Kopfoperation hinter sich hatte. Anke W. ging auf der Treppe zu Boden. Der Angeklagte presste ihren Kopf über den Treppenabsatz und versuchte erneut, ihren Kopf gegen den Boden zu donnern. Anke W. konnte sich befreien und rannte zur Tür. Der Angeklagte war schneller: Er hielt sie an den Haaren fest und schlug die Tür zu. Der Zeh von Anke W. klemmte in der Tür. Ihr Fuß begann zu bluten – und das schreckte den Angeklagten offenbar auf.

„Da bin ich vor mir selber erschrocken”, sagte Michael T. „Ich habe sie ins Esszimmer gebracht und mich um ihren Fuß gekümmert. Dann bin ich nach Hause gefahren.” Dort hatte er gerade Zeit, den Mantel abzulegen, dann klingelte es an der Tür: Wenige Minuten später saß Michael T. im Polizeipräsidium. Von dort aus wanderte er in Untersuchungshaft.

Urteilsspruch am Donnerstag

„Die Haft ist schrecklich”, sagte er: „Ich hatte wochenlang starke Platzangst.” Möglich, dass sich Michael T. an die beengten Verhältnisse einer Gefängsniszelle gewöhnen muss: Am Donnerstag wird das Urteil gesprochen. damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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