Wasserversorgung für das Gebhardshainer Land
Die Brunnen sind am Limit

Die maximal erlaubte Fördermenge aus den vier Tiefbrunnen deckt sich mittlerweile mit dem Bedarf. Hier
spielt auch die Gartenbewässerung in den zuletzt sehr trockenen Sommern eine Rolle.
  • Die maximal erlaubte Fördermenge aus den vier Tiefbrunnen deckt sich mittlerweile mit dem Bedarf. Hier
    spielt auch die Gartenbewässerung in den zuletzt sehr trockenen Sommern eine Rolle.

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dach Betzdorf/Gebahrdshain. Es klingt ein bisschen nach Eimer und Kurbel: Die Menschen in den Dörfern der ehemaligen Verbandsgemeinde Gebhardshain bekommen ihr Trinkwasser aus Brunnen. Nun zieht dort nicht ein Mütterchen mühsam Liter für Liter aus dem Boden. Vielmehr sind es vier moderne Anlagen, 60 bis 65 Meter tief. Nur: Es reicht nicht mehr.

Moos zeigt Alternativen für die Zukunft

Einerseits ist der Wasserverbrauch in den vergangenen, recht warmen Jahren stetig gestiegen (wenn auch nicht exorbitant). Das dürften Auswirkungen von Gartenbewässerung und dem Trend zum eigenen Pool sein. Andererseits ist die Ausbeute der Brunnen nicht unendlich. Wichtiger noch: Das Land gibt vor, wie viel Wasser hier aus der Tiefe hinaufgepumpt werden darf.

Das zeigte Klaus Moos jetzt dem Werkausschuss der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain auf. Der Ingenieur des Siegener Büros Hydrosoft war in die Betzdorfer Stadthalle gekommen, um den Ist-Zustand zu skizzieren und um Alternativen für die Zukunft darzulegen. Ziel ist es, die Wasserversorgung für das Gebhardshainer Land sicherzustellen.

Nur weil es in diesem Jahr bisher viel geregnet hat, dürfe man nicht denken, dass alles schon wieder gut sei, meinte Moos. Beigeordneter Joachim Brenner hatte eingangs darüber informiert, dass die „Regenerierung des Grundwassers über die vergangenen 18 Jahre hinweg um 25 Prozent abgenommen“ habe. Und Moos führte aus: „Echtes Grundwasser kann bis zu 200 Jahre alt sein.“ Auf die Qualität des hiesigen Wassers ließ er indes nichts kommen. Das sei dunkel, kalt und von Basalt umschlossen gelagert.

,,Die Reserven sind nicht da''

Die vier Brunnen fördern maximal zwischen 12 und 45 Kubikmeter pro Stunde – zusammen rund 100 Kubikmeter. 2019 waren es insgesamt 700.000 Kubikmeter. Die Krux: Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als Wasserbehörde hat das eigentlich auf 675.000 Kubikmeter per annum gedeckelt. Moos’ Schlussfolgerung: „Die Reserven sind nicht da.“ Zumindest nicht, um alle rund 11.500 Menschen dauerhaft zu versorgen, die am Netz „hängen“ (dazu gehören auch einige Dörfer der Verbandsgemeinde Hachenburg).

Das hatte man bereits 2015 erkannt – und den Hochbehälter Dauersberg erweitert. Die Alt-Verbandsgemeinde Betzdorf ist über den Zweckverband Wasserversorgung Kreis Altenkirchen (WKA) angeschlossen, der wiederum das Wasser vom Aggerverband bezieht. Also „liegt“ im Dauersberger Hochbehälter nun Trinkwasser bereit, das im Ernstfall auch einige Dörfer des Gebhardshainer Lands vor dem Austrocknen bewahrt.

Ein Brunnen viel bereits aus

So war es in diesem Frühjahr: Einer der Brunnen hatte bereits im vergangenen Jahr nicht ganz mitgespielt. Nach dem Tausch der Pumpe war es wieder besser, wurde dann aber wieder schlechter. Letztlich fiel der Brunnen über Wochen aus, bis er wieder „korrekt“ seine Leistung brachte. In dieser Zeit lief etwa in Steineroth oder in Elben Talsperrenwasser aus den Hähnen.

Und genau das ist es, was Ingenieur Moos der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain rät – und was auch die Verwaltung vorschlägt: Sich „enger mit dem WKA zu verbünden“. Steineroth, Elben und Molzhain über den Hochbehälter Dauersberg zu versorgen, zumindest im Sommer, sei kein Problem. Und auch Kausen und Dickendorf könne man von hier aus noch speisen. Im selben Zuge stünde mehr Brunnenwasser für die übrigen Ortschaften aus dem Zentralbehälter, an den alle vier Brunnen angeschlossen sind, zur Verfügung.

Ein fünfter Brunnen sei zu teuer

Moos geht von 40.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Fernnetz aus – als absolutes Maximum. Realistisch seien eher 25.000 Kubikmeter. Dafür werde der Zweckverband wohl 300.000 Euro „Aufnahmegebühr“ aufrufen. Rechnet er den jährlichen Bezug hinzu, kommt Moos auf Kosten von rund 700.000 bis 900.000 Euro für die kommenden 20 Jahre.

Die zweite Variante, einen fünften Brunnen zu bohren, kommt demnach nicht so gut weg. Auf 20 Jahre gesehen müsste man dafür 1,6 Millionen Euro berappen. Allein die „Anschaffung“ würde
1 Million Euro kosten. Zudem gebe es keine Erfolgsgarantie beim Bohren – und es bestehe das Risiko, dass ein fünfter Brunnen einem der anderen vieren das Wasser „wegnimmt“.

Die dritte Idee, die Wasserlieferung in die Verbandsgemeinde Hachenburg einzustellen, wurde lediglich pro forma aufgeführt. Einerseits würde der finanzielle Verlust rund 1,4 Millionen Euro betragen, andererseits betonte Beigeordneter Brenner: „Es war nie beabsichtigt, den Hachenburgern den Hahn abzudrehen.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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