Die Eule ist flügge

„Der Black“ begeisterte bei der ersten Eule-Veranstaltung.  Foto: rai

rai Betzdorf. Ausverkauft! Hartmut Fischer, Vorsitzender des wieder ins Leben gerufenen Kleinkunstvereins Eule in Betzdorf, und seine mutigen Mitstreiter hatten am Freitag bei der ersten Veranstaltung allen Grund zur Freude. Der Saal in der Gaststätte „Zum grünen Baum“ war voll – es mussten sogar zusätzliche Stühle gestellt werden. Grund zur Freude gab nicht zuletzt der Künstler: Mit „Der Black“ stand eine Kultfigur auf der Bühne.

Die Eule ist nicht nur wenige Wochen nach dem Schlüpfen flügge geworden, sondern bei ihrer Debütveranstaltung hat sie gleich einen Start-Ziel-Flug hingelegt! Mit „Der Black“ (Lothar Lechleiter), der einen Hälfte des Duos Schobert & Black, hatte man einen guten Fluglehrer mit an Bord, der zweieinhalb Stunden die Leute hervorragend betreute, sie packte und begeisterte – musikalisch, bissig, satirisch, etwas zynischer als in früheren Tagen.

Ja, „Der Black“, der früher mit Schobert große Hallen wie die Deutschland-Halle Berlin und die Westfalenhalle Dortmund füllte, aber auch stets den kleinen Bühnen treu blieb, nannte in Betzdorf die Dinge beim Namen. Er kam dabei keinesfalls mit dem erhobenen Zeigefinger daher, sondern beleuchtete das, was sich in der Gesellschaft reibt. „Der Black“ ist ein Liedermacher, der pointiert und mit viel Esprit in Wort und Sinn daher kam und verstand, die Menschen in Betzdorf zu fesseln. Mal ließen die etwa 100 Besucher ganz still die analysierenden und beschreibenden Worten auf sich wirken, dann lachten sie wieder herzlich über Limericks.

„Meschugge“ konnte man von dem gleichnamigen und zugleich ersten Soloprogramm von „Der Black“ nicht werden. Ganz im Gegenteil. Denn in seinem Programm spiegelte sich wider, dass er über den Tellerrand schaut und denkt, vielleicht gerade da anfängt, wo in der heutigen schnelllebigen Zeit viele Zeitgenossen das Denken resigniert schon ad acta gelegt haben. „Keine Freiheit in die Hände der Feinde der Freiheit“, sagte „Der Black“ bei „Wimpelpatriotismus“ und ergänzte fragend: „Vielleicht gehört sie genau da hin?“

Vor rund anderthalb Jahren zog es Lothar Lechleiter wieder auf die Bühne. Ein guter Entschluss, wie das hellauf begeisterte und dankbare Publikum zeigte. Ganz aktuelle Themen packt der Liedermacher an, etwa in „Meschugge – oder das neoliberale Bewusstsein“. „Man vertraut nach wie vor den Märkten, wenn sie auch willkürlich sind, es sei denn, ein Staatsanwalt merkte, wie kriminell Börsen schon sind“, sang der 67-Jährige im 5/4-Takt, der für zwei A-cappella-Stücke die Gitarre ruhen ließ. Sehr aktuell kam er mit dem Liebeslied „Nackt-Scanning“, daher. Die Uraufführung, wie Lechleiter betonte, vor dem schmunzelnden Publikum kam gut an!Heute in Bonn lebend, liegen seine Wurzeln in Ostpreußen. „Ich bin ein Freund des Dialektes, aber nicht der Landsmannschaften“, sagte der Künstler. Schließlich habe Deutschland 1939 den Krieg angefangen, und „dann müssen wir auch damit fertig werden“. Schön war es dann, dem Liedermacher zuzuhören, als er im Marjellchen-Dialekt seine ostpreußischen Geschichten sang.Nach dem Auftritt plauderte er noch mit den Besuchern – und beide Seiten freuten sich über einen gelungenen Liederabend und viele über das Wiedersehen. Der Künstler signierte Plattencover von Schobert & Black, von denen ein Betzdorfer Fan einen ganzen Stoß mitgebracht hatte. Im Gespräch mit der SZ erinnerte sich „Der Black“, der 1975 mit Schobert den deutschen Kleinkunstpreis verliehen bekam, an den Auftritt mit Schobert im Betzdorfer Gymnasium und freute sich: „Es ist schön, dass es wieder mit der Eule angefangen hat und hier gemeinsam etwas zu machen.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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