»Die Kontinuität macht es«

Inka Theissen arbeitet seit sieben Jahren als Gleichstellungsbeauftragte der VG Betzdorf

goeb Betzdorf. Artikel 3 des Grundgesetzes lässt eigentlich keine Fragen offen. Darin heißt es unmissverständlich: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Das ist nach dem Buchstaben des Gesetzes seit 1949 so. Theoretisch. In der Praxis besteht allerdings Nachholbedarf. Inka Theissen, seit sieben Jahren Gleichstellungsbeauftrage der Verbandsgemeinde Betzdorf, räumt zwar ein, man komme allmählich vom »Defizitgedanken« weg, also von der Annahme, dass es Frauen de jure an Chancen mangele, es gebe praktisch aber noch viele Benachteiligungen, vor allem im großen Bereich der Berufstätigkeit.

Brisant in schlechten Zeiten

Wenn Familien gegründet werden, ist es in aller Regel doch die Frau, die zumindest zeitweise aus dem Beruf geht. Der Wiedereinstieg gestaltet sich meist schwierig. Oft fänden Frauen wegen unterschiedlicher Gründe den Anschluss an die Berufswelt nicht. »Brisant ist das besonders in wirtschaftlich schlechten Zeiten«, ergänzt Inka Theissen. Der Konkurrenzkampf zwischen den Geschlechtern werde dann stärker. Verschärfend wirke sich auch der Mangel an Teilzeit-Arbeitsplätzen aus. Dass Männer vorübergehend die Kindererziehung übernehmen bzw. in Teilzeit arbeiten, scheitert nicht unbedingt an ihrer Einstellung: Oft sperrten sich die Arbeitgeber dagegen. »Die Firmen setzen häufig klar das Signal: Wir wollen das nicht. Im öffentlichen Dienst ist das noch am ehesten möglich«, meint die Betzdorfer Gleichstellungsbeauftragte.

In den Köpfen festgesetzt

Die Arbeit einer Gleichstellungsbeauftragten ist auf Kontinuität ausgelegt. Die erste Stelle bundesweit wurde 1982 in Köln eingerichtet, seit 1995 gibt es das Landesgleichstellungsgesetz Rheinland-Pfalz. Es hält fest, dass die Verwirklichung des Verfassungsauftrages der Gleichstellung von Mann und Frau auch eine Aufgabe der Gemeinde ist. »Die Arbeit hat sich in den Köpfen der Leute festgesetzt«, resümiert Inka Theissen. Das mag an der kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit liegen wie auch an dem weiten Feld der Information vor Ort. Es sind inzwischen nicht nur Frauen, die anrufen, »sondern auch Arbeitgeber oder Ehemänner, die sich über bestimmte Themen informieren möchten«.

Daten für die »Treffpunkte«

Die Gleichstellunsgbeauftragte organisierte vor kurzem zum Beispiel eine Informationsveranstaltung für Frauen zur Brustkrebsvorsorge im Rathaus oder sie hält selbst Vorträge zu bestimmten Themen. Einen großen Informationsbedarf gibt es zurzeit rund um die 400e-Jobs. Auch die Daten zur Herausgabe der Broschüre »Treffpunkte« – Veranstaltungen für Frauen im Bereich der Verbandsgemeinde Betzdorf – laufen in ihrem Büro ein. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit Frauenvereinen und -verbänden von Anfang an stark gewesen, berichtet die ehemalige Jugendpflegerin von Betzdorf. Ihr gehe es aber keinesfalls darum, in Konkurrenz zu treten zur Arbeit der Frauenvereine, stellt die diplomierte Sozialpädagogin und diplomierte Pädagogin klar. Der »Netzwerk-Gedanke« greift auch auf Kreisebene, wo die Gleichstellungsbeauftragten effektiv zusammenarbeiten.

Wichtige Kontakte herstellen

Auch Frauen in Not können sich an die Gleichstellungsbeauftragte wenden, die zwar nicht beraten darf, aber wichtige Kontakte herstellen kann.

Nach dem Landesgleichstellungsgesetz – Frau Theissen ist hauptberuflich tätig – fallen ihr neben externen Tätigkeiten auch Aufgaben in der Verwaltung zu, so etwa die Begutachtung von Bewerbungsunterlagen und damit einhergehend die Sicherstellung, dass Frauen gleich behandelt werden. Das Klima in der Verwaltung bezeichnet sie als gut. »Es gibt für meine Arbeit einen festen Etat im Haushalt, der erfreulicherweise nicht abgebaut worden ist«, lobt die Birnbacherin. Zwar ist sie ihrem Dienstherrn Bürgermeister Michael Lieber unterstellt und trifft sich zu Besprechungen mit ihm, zum Beispiel dann, wenn ein neues Programm aufgestellt wird. Über ihren Etat kann sie indes frei verfügen: Kurse, Tagesfahrten und Infomaterial werden davon bezahlt. »Im Haus wird meine Tätigkeit wohlwollend begleitet«, sagt sie zufrieden. Andere Frauen in ihrem Job erfahren zum Teil stärkere Gegenwehr.

Arbeit mit Bestand

»Die Kontinuität macht es«, betont Inka Theissen. Zwar kann niemand in die Zukunft blicken, aber die Gleichstellungsbeauftragte ist optimistisch, dass ihre Arbeit auch weiterhin gedeiht. »Die Präsenz in der Öffentlichkeit ist wichtig. Wir müssen zeigen, dass die Arbeit nicht etwas ist, das wegbricht, sondern Bestand hat.«

Wird es in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen geben? Inka Theissen glaubt ja. Doch der Prozess brauche seine Zeit. Nicht nur machen Frauen schon heute verhältnismäßig mehr und bessere Abschlüsse als die Männer. Allerdings sind uns Länder wie Frankreich oder die Niederlande voraus, denn dort dauert die Babypause kaum länger als ein Jahr, dann beschäftigen sich die Frauen schon wieder mit ihrer Rückkehr in den Beruf und Qualifizierung.

Auch die äußeren Bedingungen müssen stimmen, will sagen, es müssen neben Teilzeit-Arbeitsplätzen genügend Betreuungsplätze für Kinder vorhanden sein. Die ehemalige Jugendpflegerin kümmert sich noch heute um die Mädchenarbeit. In Selbstbehauptungs- und Orientierungskursen bringt sie den Mädchen in jungen Jahren bei, was für sie auch in der Erwachsenenwelt gewiss von Vorteil sein wird.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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