NABU hofft auf viele Vogelzähler
„Die meisten erkennen eine Meise“

Die Kohlmeise ist die unangefochtene Nummer 1 im AK-Land – zumindest war sie das im vergangenen Winter. Ob sie nach wie vor die Vorherrschaft an den Futterhäuschen zwischen Friesenhagen und Flammersfeld hat, wird sich am Wochenende zeigen: Dann sind Naturfreunde wieder aufgerufen, eine Stunde lang alles aufzuschreiben, was durch ihren Garten flattert.  Fotos: damo
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  • Die Kohlmeise ist die unangefochtene Nummer 1 im AK-Land – zumindest war sie das im vergangenen Winter. Ob sie nach wie vor die Vorherrschaft an den Futterhäuschen zwischen Friesenhagen und Flammersfeld hat, wird sich am Wochenende zeigen: Dann sind Naturfreunde wieder aufgerufen, eine Stunde lang alles aufzuschreiben, was durch ihren Garten flattert. Fotos: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. War das gerade eine Blaumeise oder eine Kohlmeise? Und der Schwarm Grünfinken, der da marodierend über das Futterhaus hergefallen ist: Waren das fünf oder sechs Exemplare? Und warum, bitteschön, sind auf einmal alle kleinen Vögel abgehauen – lauert da hinten im Gebüsch etwa ein Sperber? Wer Lust hat, sich solche Fragen zu stellen und auch zu beantworten, ist prädestiniert dafür, am Wochenende bei der Aktion „Die Stunde der Wintervögel“ mitzumachen. Den NABU würde es freuen.

Denn klar ist: Je mehr Menschen sich einbringen, desto zuverlässiger und aussagekräftiger wird die Volkszählung der Gefiederten. Das betonte Jonas Krause-Heiber von der NABU-Regionalstelle Westerwald jetzt im Gespräch mit der SZ. Im vergangenen Winter haben sich knapp 140 000 Menschen eine Stunde Zeit genommen, um alles zu notieren, was da durch ihren Garten geflattert ist, und anschließend die Daten an den NABU weiterzuleiten. „Das war ein Rekord“, berichtet Krause-Heiber – und er hofft zugleich darauf, dass auch an diesem Wochenende wieder so viele Menschen Strichlisten führen werden.

Denn so fallen Fehler in der Datenerfassung weniger ins Gewicht – angesichts von sechsstelligen Teilnehmerzahlen sind auch eher groteske Beobachtungen wie ein Steinadler am Vogelhaus leichter zu verschmerzen. Im Großen und Ganzen sei nämlich auf die Schar der Teilnehmer Verlass: „Die meisten können problemlos eine Blaumeise von einer Kohlmeise unterscheiden“, ist sich Krause-Heiber sicher. Und wer zweifelt, findet auf der Homepage des NABU Hilfe: Dort gibt es reichlich Material, das die Bestimmung erleichtert, und sogar vorgefertigte Beobachtungslisten mit Bildern.

All das dürfte dazu beitragen, dass die Studie zumindest Trends aufzeigen kann – zumal sie mittlerweile zum zehnten Mal durchgeführt wird. „Wir haben uns keineswegs das Ziel gesetzt, exakte Bestandszahlen zu ermitteln“, erläutert Krause-Heiber. „Aber ich denke, dass die Ergebnisse schon grundsätzliche Entwicklungen aufzeigen können.“

Und zwar kurzfristige und langfristige. Kurzfristig sind Schwankungen mit Wetterkapriolen in einem einzigen Jahr zu erklären: War der Winter kalt und feucht, bleiben mehr Vögel auf der Strecke; war der Sommer knochentrocken und heiß, ist bei vielen Arten nur ein unterdurchschnittlicher Bruterfolg zu verzeichnen. Und bleiben die Winter im Norden Europas mild, machen sich erfahrungsgemäß weniger Seidenschwänze oder Bergfinken auf den Weg in wärmere Gefilde.

Diese kurzfristigen Entwicklungen sind für den NABU zwar von Interesse – aber richtig spannend wird es erst, wenn sich langfristige Trends ablesen lassen. Und die sehen für die Gartenvögel gar nicht mal so finster aus. Zwar sind die Zahlen vieler Arten leicht rückläufig, aber besonders im Vergleich zu den Vögeln der Agrarlandschaft geht es all denen, die in den Gärten leben, noch vergleichsweise gut, sagt Krause-Heiber. „Solche Einbrüche wie in den landwirtschaftlich genutzten Bereichen gibt es in den Gärten nicht“, sagt er und verweist auf einige alarmierende Beispiele: Frühere Allerweltsvögel der Feldflur, z.B. Kiebitz oder Rebhuhn, haben in erschreckendem Maße Feder gelassen – vielerorts sind die Bestände binnen weniger Jahrzehnte um 90 Prozent zurückgegangen. Krause-Heiber erklärt das mit vergleichsweise aufgeräumten und strukturarmen Agrar-Landschaften.

Kein Wunder, dass in Krause-Heibers Ratschlag an Gartenbesitzer ebenfalls das Wörtchen „aufgeräumt“ auftaucht – wohlgemerkt auf der Liste der Fehler, die es zu vermeiden gelte. Für ihn ist ein lebendiger Garten, in dem Insekten, Amphibien und Vögel ihre Nische finden können, vor allem eines: „Abwechslungsreich, das ist das Wichtigste. Es ist nicht damit getan, Nistkästen und ein Futterhäuschen aufzustellen.“

Soll heißen: Tiere freuen sich über Reisighaufen und liegengebliebenes Laub, über Komposthausen und Ecken, in denen Wildwuchs willkommen ist. Hecken bieten Schutz und Nistplätze, Beete mit heimischen Stauden locken Insekten. „Wer seinen Garten so gestaltet, macht schon vieles richtig“, sagt Krause-Heiber und benennt im gleichen Atemzug noch das Gegenteil: „Stein- oder Schottergärten sind aus Sicht des Natur- und Artenschutzes eines Katastrophe.“

Wer sich an der NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ beteiligten will, findet alle wichtigen Informationen dazu online unter www.nabu.de. Daher an dieser Stelle nur die wichtigsten Fakten: Gezählt wird eine Stunde lang, und die Daten können anschließend online, telefonisch oder auf dem Postweg an den NABU übermittelt werden. Auch die Teilnahme per kostenloser App ist möglich. Einige Tage später werden die Ergebnisse präsentiert – und zwar umfassend aufbereitet. Dann wird auch feststehen, ob die Kohlmeisen ihre Pole Position im AK-Land gehalten haben.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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