SZ

Streifzug durch den Oberkreis
Draußen vor der Tür

Vor dem Supermarkt (in Betzdorf): Abstand halten ist das Gebot der Stunde.
6Bilder
  • Vor dem Supermarkt (in Betzdorf): Abstand halten ist das Gebot der Stunde.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Kreis Altenkirchen Das Wetter. Viel besser hätte es an diesem Freitag nicht sein können. Normalerweise wären die Leute nach draußen geströmt, hätten die Terrassen der Cafés bevölkert oder einfach gemeinsam die Sonnenstrahlen genossen. Normal ist aber nichts mehr, das scheinen mittlerweile beinahe ausnahmslos alle begriffen zu haben. Beobachtungen eine Streifzugs.

• 9.11 Uhr, Herdorf: Vor der Sonnenapotheke ist erstmal warten angesagt. Eine „Tätigkeit“, der an diesem Tage noch viele Menschen frönen sollten. Hier sind nur zwei Kunden gleichzeitig im Verkaufsraum gestattet, der Boden ist mit Markierungsstreifen versehen. Die Leute halten sich an die Vorgaben, linsen zunächst durch die Glasfront um zu schauen, ob drinnen jemand ist.

dach Kreis AltenkirchenDas Wetter. Viel besser hätte es an diesem Freitag nicht sein können. Normalerweise wären die Leute nach draußen geströmt, hätten die Terrassen der Cafés bevölkert oder einfach gemeinsam die Sonnenstrahlen genossen. Normal ist aber nichts mehr, das scheinen mittlerweile beinahe ausnahmslos alle begriffen zu haben. Beobachtungen eine Streifzugs.

9.11 Uhr, Herdorf: Vor der Sonnenapotheke ist erstmal warten angesagt. Eine „Tätigkeit“, der an diesem Tage noch viele Menschen frönen sollten. Hier sind nur zwei Kunden gleichzeitig im Verkaufsraum gestattet, der Boden ist mit Markierungsstreifen versehen. Die Leute halten sich an die Vorgaben, linsen zunächst durch die Glasfront um zu schauen, ob drinnen jemand ist. „Nümmerchen ziehen“, scherzt einer beim Rausgehen zu einem, der jetzt dran ist. Am Apothekertresen ist eigentlich alles wie immer. Nur dass jetzt viele Kunden Flaschen rüberreichen. Das selbst hergestellte Desinfektionsmittel ist der Renner. Der „Hotspot“ im Städtchen ist aber der örtliche Rewe – und hier ist auch schon „gut Betrieb“. Vor dem Markt ist mit Gittern geregelt, wo es hineingeht und wo die Kunden wieder rauskommen. Zwei Security-Mitarbeiter stehen davor, bitten jeden freundlich, einen Einkaufswagen zu benutzen, quasi als Abstandshalter. Außerdem liegen Gummihandschuhe bereit. „Müssen Sie aber nicht nehmen, wenn Sie nicht möchten“, sagt die Security. Drinnen sind überall Aufkleber: Abstand, Abstand, Abstand ist die Devise. Die allermeisten gehen sich denn auch so gut es geht aus dem Weg. Gleichwohl einige Rentner nicht um den obligatorischen Plausch zwischen Chipstüten und Kaffeebohnen herumkommen.

11.06 Uhr, Betzdorf: Der Wochenmarkt kommt deutlich kompakter daher als sonst. Rund ums Rathaus sind die Stände aufgebaut, einige noch auf der Bahnhofstraße. Aber insgesamt ist das Angebot deutlich ausgedünnt. Es dürfen in diesen Tagen eben nur noch Lebensmittel vertrieben werden. Und auch die Besucher sind seitens des Ordnungsamts angehalten, sofort nach dem Einkauf wieder nach Hause zu fahren. Bummeln und Klönen ist nicht. Schilder an den Zugängen zum Wochenmarkt tun ihr Übriges. Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer gibt damit die Spielregeln vor: Betreten Sie den Standbereich nur einzeln! Vermeiden Sie Schlangen und Pulkbildungen! Das klappt ganz gut. Auch deshalb, weil sich trotz Kaiserwetter nicht nur die Breite der Angebotspalette in Grenzen hält, sondern auch der Andrang. Auf der Viktoriastraße sind hingegen einige Menschen mehr zu sehen als sonst, wenn auch unfreiwillig. Beim Metzger, Bäcker, Hausarzt: Überall stehen Leute auf der Straße und warten darauf, Zutritt zu bekommen, überall gibt es jetzt Limitierungen. Es ist ein bisschen wie bei Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür. Auf der Bahnhofstraße hat eine Frau mit Rollator das Flatterband an einem Tisch eines geschlossenen Cafés beiseite gezurrt. Sie braucht eine Pause, setzt sich. Am Busbahnhof steht der Dönermann vor seinem Laden in der Sonne, die Hände entspannt auf dem Rücken verschränkt, auf Kundschaft wartend. Die Eingangstür ist mit einem Bistrotisch versperrt. Speisen gibt es hier nur noch zum Mitnehmen.

13.33 Uhr, Daaden: Die Mittelstraße ist keine klassische Einkaufsmeile, trotzdem gibt’s hier deutlich mehr geparkte Autos zu sehen als Menschen. Einzig vor einem Geschäft sitzt eine Familie in der Sonne. Auf dem Günter-Wolfram-Platz wartet ein einzelner Mann darauf, dass die Postfiliale öffnet. Der Gasthof Koch bietet per Tafel frischen Spargel „to go“ an. Und auch vor der Marktapotheke im Schützenhof gilt: erstmal warten.

14.15 Uhr, Elkenrother Weiher: Hier ist exakt noch eine Parklücke frei. Der kleine See zieht Spaziergänger an, und davon gibt’s an diesem sonnigen Märztag jede Menge. Zwei Frauen sind aus Norken hierher geradelt, genießen jetzt auf einer Bank den Moment – jede am anderen Ende.

14.35 Uhr, Elkenroth: In der St.-Elisabeth-Kirche finden im Moment keine Gottesdienste statt, nirgends im Bistum Trier. Trotzdem ist die Kirche offen, „fürs persönliche Gebet“, wie an der Tür angeschlagen ist. Drin ist aber niemand.

14.52 Uhr, Gebhardshain: „Normal“ ist an Netto und Norma derzeit sowieso nichts: die Baustelle. Eine Behelfszufahrt ist angelegt worden. Weiter oben im Dorf, im verkehrsberuhigten Bereich, ist recht viel los, allerdings sind es in erster Linie Autofahrer, die hier einem anderen Abschnitt der Baustelle Wissener Straße aus dem Weg gehen. Fußgänger? Fehlanzeige.

15.23 Uhr, Wissen: Auf einer Treppe im Bahnhof sitzen zwei Mädchen eine Handtaschenbreite von einander entfernt. Sie rauchen, schauen gemeinsam in ein Handy und kichern immer wieder. Hinter einer Glastür stehen vier Halbstarke beisammen, Energydrinks in der Hand. Auch hier warten Kunden vor einem Post-Shop auf Einlass, haben Briefe und Pakete in der Hand. Derweil ist auf der Herrentoilette der Seifenspender leer. Ausgerechnet jetzt. Die Fußgängerzone gleicht indes einer Szene im Western, fehlen nur die Dornenbüsche, die durchs Bild geweht werden. Einzig ein Pärchen ist behände dabei, Schubladen von A nach B zu bugsieren. Es scheint die richtige Zeit für einen Umzug zu sein.

15.57 Uhr, Kirchen: Auch hier ist ein Pärchen unterwegs. Sie und er schieben gerade einen Einkaufswagen aus dem Kaufland-Markt, tragen dabei Handschuhe und Mundschutze. Der Parkplatz hier ist verhältnismäßig voll, allerdings nicht so wie üblich an einem Freitagnachmittag. Vor dem Krankenhaus ziehen einzelne verlorene Raucher an ihren Fluppen, schräg gegenüber leuchten die orangefarbenen Gastro-Schirme in der Sonne, allerdings zusammengepackt. Für das „Casa“ wäre es vermutlich der perfekte Nachmittag im März gewesen.

16.15 Uhr, Betzdorf: Am Rewe-Markt kommt Borcherts Nachkriegsdrama wieder ins Spiel. Vor dem Eingang warten einige Kunden mit Einkaufswagen „im Anschlag“ darauf, von einer Security-Mitarbeiterin reingelassen zu werden. Es dürfen nur noch 50 gleichzeitig in den Markt. Sie desinfiziert jedem die Griffstange des Wagens. Und wer will, bekommt Handschuhe.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen