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Duschkopf gestohlen und „Stoff“ im Nähkästchen
Drogen-Pärchen muss ins Gefängnis

Am Amtsgericht Betzdorf zu Haftstrafen verurteilt: Jessica und Marlon D.

nb Niederfischbach/Betzdorf. Unter vierfacher Bewährung ist Jessica D. in den vergangenen Monaten durchs Leben gegangen. Damit ist nach einer Verhandlung vor dem Betzdorfer Amtsgericht jetzt allerdings Schluss. Jessica D. (alle Namen geändert) wird ein Jahr hinter Gittern verbringen müssen. Zu „verdanken“ hat sie dies einem LED-Duschkopf eines Hamburger Kaffee- und Konsumgüterunternehmens sowie nicht ganz 30 Gramm Haschisch in einem Nähkästchen. Neben ihr auf der Anklagebank: ihr Ehemann Marlon D. Er muss nach dem Urteil von Richter Erich Massow acht Monate ins Gefängnis.

Die Anklageschrift, die Staatsanwalt Oliver Dumstrey vortrug, klang zunächst nicht ausnehmend spektakulär. Ende Dezember soll das Paar in einem Supermarkt in Niederfischbach gemeinsamen Diebstahl begangen haben.

nb Niederfischbach/Betzdorf. Unter vierfacher Bewährung ist Jessica D. in den vergangenen Monaten durchs Leben gegangen. Damit ist nach einer Verhandlung vor dem Betzdorfer Amtsgericht jetzt allerdings Schluss. Jessica D. (alle Namen geändert) wird ein Jahr hinter Gittern verbringen müssen. Zu „verdanken“ hat sie dies einem LED-Duschkopf eines Hamburger Kaffee- und Konsumgüterunternehmens sowie nicht ganz 30 Gramm Haschisch in einem Nähkästchen. Neben ihr auf der Anklagebank: ihr Ehemann Marlon D. Er muss nach dem Urteil von Richter Erich Massow acht Monate ins Gefängnis.

Die Anklageschrift, die Staatsanwalt Oliver Dumstrey vortrug, klang zunächst nicht ausnehmend spektakulär. Ende Dezember soll das Paar in einem Supermarkt in Niederfischbach gemeinsamen Diebstahl begangen haben. Die Beute: besagter Brausekopf im Wert von rund 15 Euro. Jessica D. war außerdem noch wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln angeklagt. Bei einer Durchsuchung ihrer damaligen Wohnung – ebenfalls in der Asdorftalgemeinde – stießen die Beamten auf Haschisch.

Das klang zuerst nach einer relativ zügigen Verhandlung, doch während die Anklage rasch verlesen war, musste Richter Massow für die jeweiligen Vorstrafenregister der Angeklagten tiefer Luft holen. Zudem warten am Landgericht Siegen noch weitere Verfahren auf das Paar.

Am Amtsgericht Betzdorf stritten sie die ihnen gemachten Vorwürfe ab. Den Brausekopf hätten sie zwar aus der Verpackung genommen, um ihn sich anzusehen, aber ihn schließlich einfach in der Getränkeabteilung liegen lassen. Sie hätten ja für 140 Euro eingekauft, so das Argument der Angeklagten, da wäre es ja auf den Betrag für das Bad-Utensil nicht mehr angekommen.

Richter Massow gab zwischendurch zu bedenken, dass ein frühes Geständnis sich durchaus positiv auswirken kann und fügte vielsagend hinzu: „Ich habe das Video ja schon gesehen.“ Einen Umschwung bei den Beschuldigten brachte die Bemerkung allerdings nicht.

Besagtes Video wurde dann auch im Gerichtssaal gezeigt. Und von der Zeugenaussage des Ladendetektivs flankiert. Der hatte am fraglichen Tag am Bildschirm die Aufnahmen der Überwachungskamera verfolgt und dort das Ehepaar D. bei seinem Tun im Markt beobachten können.

Er habe gesehen, wie in der Getränkeabteilung ein Gegenstand aus dem Einkaufskorb von Marlon D. in die Handtasche von Jessica D. gewandert sei. Als er die beiden dann unmittelbar nach der Kasse in Empfang nahm, sei dann wiederum ein Gegenstand von der Handtasche in einen Mülleimer gewandert. Er habe das Paar mit ins Büro genommen – kurze Zeit später sei eine Kassiererin mit einem Duschkopf hereingekommen: Den habe sie im Müll gefunden.

Dann ging es um den Drogenbesitz von Jessica D.: Marlon D. behauptete, der „Stoff“, der bei einer Durchsuchung Ende 2017 gefunden wurde, habe seinem Schwager gehört, der damals zu Besuch war, und sich in dessen Sportjacke befunden. Zwei von drei jungen Kripo-Beamten, die im Zeugenstand gehört wurden, konnten sich nicht mehr genau an den Vorfall erinnern, ihr Kollege legte sich jedoch fest. Das Haschisch, „Beifang“ einer Durchsuchung, die eigentlich Diebesgut gegolten hatte, sei „definitiv“ in einer Kiste gefunden worden. Nach Überzeugung des Gerichts das Nähkästchen von Jessica D.

Die Verteidigerin der 39-Jährigen, Iris Grohmann (Münster,) wollte, dass auch der Bruder ihrer Mandantin zum Ganzen gehört wird, scheiterte aber mit einem entsprechenden Beweisantrag.

17 Einträge hatte Erich Massow zu verlesen, als er das Vorstrafenregister des 36-jährigen Marlon D. zur Hand nahm. 13 bei Jessica D. Betrug, Hausfriedensbruch, Körperverletzung – und bei beiden immer wieder: Diebstahl und Drogendelikte. Heroin, so räumte das Paar ein, würden sie regelmäßig konsumieren.

Das zeige eins, so Staatsanwalt Dumstrey: „Eine zu nachsichtige Justiz bringt keinem was.“ Und er wählte in seinem Plädoyer weiter deutliche Worte. Warum kein Gericht bei Jessica D. die Bewährung widerrufen habe, sei ihm schlichtweg „schleierhaft“. Zudem gebe es bei den Beschuldigten „nicht das Geringste, was für eine positive Sozialprognose spricht.“ Acht Monate Haft ohne Bewährung für Marlon D. lautete daher sein Antrag, ein Jahr für Jessica D.

Verteidiger Marcel Arnal (Kirchen) wollte am liebsten einen Freispruch für seinen Mandanten, da das Video nicht vollends eindeutig sei.

Wortreicher und vor allem empörter zeigte sich Iris Grohmann. Sie sei entsetzt über den Verlauf der Verhandlung: „Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Wir haben hier süchtige Menschen vor uns.“ Ihre Mandantin, die ein traumatisches Erlebnis andeutete („Seit dem Tag ist mein Leben kaputt“) habe sich die Bewährungen verdient. Therapie statt Strafe sei gefragt.

Richter Massow allerdings folgte der Anklage. Er sah Diebstahl und Drogenbesitz durch die Zeugenaussagen als erwiesen an. Für das Ehepaar D. hingegen gelte: „Beide Angeklagten haben kein Problem, das Gericht zu belügen.“ Dazu die zahlreichen – und einschlägigen – Vorstrafen und kaum etwas auf der Haben-Seite. Er sehe keinerlei positive Sozialprognose, so Massow: „Es geht einfach nicht mehr.“

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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