Amtsgericht: Von Vorwürfen blieb nicht viel übrig
Drohung laut Anklage: Vergewaltigen und Arme abschneiden

Gegen eine Zahlung von 150 Euro wird das Verfahren gegen Hassan B. eingestellt.
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  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf. Hassan B. werde die Freundin von Mohamed M. entführen und vor dessen Augen vergewaltigen. Und zum allem Überdruss wolle Hassan B. dann auch noch Mohamed M. fesseln und ihm die Arme abschneiden. So weit, so unschön. Mit diesem Sachverhalt hatte nun Richterin Anke Puntschuh zu tun. Hassan B. saß auf der Anklagebank, Mohamed M. war das, was man allgemein als Hauptbelastungszeugen bezeichnet.

Der Vorwurf dieser Bedrohungen fußte auf einem Mietverhältnis. Der Burbacher Hassan B. hatte Mohamed M. eine Wohnung eines Hauses in Scheuerfeld vermietet. Als Mohamed M. nach eineinhalb Jahren wieder auszog, wollte Hassan B. noch Geld sehen: drei Monatsmieten plus Kaution, die nie geflossen seien. Summa summarum seien das 2400 Euro gewesen, so der 61-jährige Vermieter.

Zwar gab Mohamed M. an, es habe sich lediglich um drei Monatsmieten gehandelt. Aber es herrschte generell Einigkeit darüber, dass Zahlungen offen geblieben waren. Uneins waren die beiden Männer indes in der Frage, in welcher Form Hassan B. darauf gedrängt hatte, sein Geld zu bekommen. Der 38-jährige Mohamed M. behauptete eben, dass sein ehemaliger Vermieter ihn mit den eingangs erwähnten Gewaltandrohungen unter Druck gesetzt habe. Der wiederum wollte davon nichts wissen: „So ein Mensch bin ich nicht“, sagte Hassan B.

Klar ist, dass der säumige Mieter seinem ehemaligen Vermieter bei einer Tasse Kaffee 350 Euro in bar überreicht hat, also eine Monatskaltmiete. Außerdem habe er zwei Autos angeboten, um seine Schulden loszuwerden.

Ja, er habe die Autos erhalten, aber sie seien deutlich weniger wert gewesen als das, was er noch zu bekommen hatte, führte Hassan B. aus. Mohamed M. berichtete, Hassan B. habe nach den Autos mehr gewollt. Konkret: eine Hebebühne im Wert von 2000 Euro, die er in einer Garage stehen hatte. Mohamed M. ging stattdessen zur Polizei, erstattete Anzeige.

Dorthin hatte ihn seine Lebengefährtin geschickt. Sie habe ein Telefonat in türkischer Sprache mitgehört, in dem es um ihre Entführung und Vergewaltigung gegangen sei, sagte sie im Zeugenstand. Ob sie denn überhaupt türkisch könne, wollte Verteidiger Hans-Gerd Herrmann wissen. Nun, sie verstehe einige wenige Worte, gab die Lebensgefährtin an. Mohamed M. habe ihr das Telefonat übersetzt. Sie hatte selbst also eher nichts mitbekommen.

Damit war für Richterin Puntschuh klar, dass von den ursprünglich massiven Bedrohungen und einer Nötigung (wegen der Autos), die im Raum standen, nicht mehr viel übrig geblieben war. Amtsanwältin Henkes pflichtete bei: Die Aussagen der Zeugen seien teils widersprüchlich und nicht alle Details aufzuklären.

Und weil Hassan B. noch keinen Eintrag im Bundeszentralregister hat, regte Richterin Puntschuh an, das Verfahren einzustellen: Der Angeklagte müsse lediglich 150 Euro an den Verein Brücke Altenkirchen zahlen. Von dieser Vorgehensweise konnte Verteidiger Herrmann seinen Mandanten in einem kurzen Gespräch auf dem Flur überzeugen. Als er samt Hassan B. und Dolmetscher wieder in den Gerichtssaal kam, gab er das entscheidende Signal, sagte: „Weiße Fahne.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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