Hochachtung vor Leistungen bei brisanten Einsätzen
Ehrenzeichen bei Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr Betzdorf verliehen

Die verabschiedeten und geehrten Kameraden stellten sich mit Joachim Brenner und der Wehrleitung bei der Feierstunde in der Stadthalle auf.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

rai Betzdorf. „Betzdorf ist knapp an einer Katastrophe vorbeigekommen“: So müsse man es sagen, äußerte sich Joachim Brenner, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain, bei der Jahresdienstbesprechung der Verbandsgemeindewehr. Er bezog das auf einen Gefahrgutunfall, der die Wehren im Bahnhof Betzdorf forderte. Beim Rangieren eines Güterzuges war bemerkt worden, dass aus einem mit Salpetersäure beladenen Kesselwagen Dämpfe austraten. Die alarmierte Wehr habe beherzt eingegriffen und den Waggon von den anderen abgekoppelt, auf denen hochexplosives Material transportiert wurde, so Brenner. Wie berichtet, befand sich auf einem zweiten Waggon Salzsäure, auf einem dritten Ammoniumnitrat. Letzteres ist die Chemikalie, die die verheerende Explosionskatastrophe in der libanesischen Hauptstadt Beirut ausgelöst haben soll. Diese hatte sich nur wenige Tage vor dem Gefahrgutunfall im Bahnhof ereignet.

Der 13-stündige Einsatz war einer von knapp einem halben Dutzend Einsätzen, mit denen Brenner exemplarisch die damit verbundenen Herausforderungen verdeutlichte. „Vieles, was als unumstößlich galt, wurde in der Pandemie auf den Kopf gestellt,“ stellte er fest. Der gesamte öffentliche Bereich war betroffen, „und damit im besonderen Maße unsere Wehren“, z. B. weil keine regelmäßigen Übungen stattfinden konnten. „Unter der Pandemie hat vieles gelitten, vor allem die Kommunikation.“ Es lasse sich nicht alles digital erledigen. Die Interaktion unter- und miteinander sei zu kurz gekommen. Er hofft, dass „wir den Pandemiemodus schnell hinter uns lassen werden“.

Für eine Bombenentschärfung auf dem Molzberg mussten ganze Straßenzüge evakuiert werden. Unter Corona-Bedingungen mussten auch Menschen, die in Quarantäne bzw. aktuell mit Corona infiziert waren, aus der Gefahrenzone gebracht werden. Dank des gutes Zusammenspiels sei alles gelungen. Zu Flächenbränden merkte er an: „Die klimatischen Veränderungen machen keinen Halt vor uns.“ Die Wichtigkeit einer funktionierenden Wehr habe man spätestens bei der Flutkatastrophe im Ahrtal gesehen. In Nachbarländern sei man für das Netz der Hilfe bewundert worden. „Es war kein Jahrhundertereignis, es war eine Katastrophe.“ Allen, die in den Krisengebieten im Einsatz waren, „gilt mein tiefster Respekt“. Ohne diesen Einsatz wäre die Not noch größer geworden, wären noch mehr Menschen ums Leben gekommen.

Es war kein Jahrhundertereignis,
es war eine Katastrophe.
Joachim Brenner
Beigeordneter Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain

In der Akutphase war man mit 62 Leuten in vier Schichten die ersten drei Tage im Einsatz, in Hückeswagen am ersten Tag der Katastrophe mit 15 Personen, teilte Wehrleiter Hans-Peter Halft mit: „Mit 184 Aktiven war mehr als die Hälfte unserer Wehr im Katastrophengebiet.“ Er zollte seine Hochachtung vor den Leistungen: „Was in der Akutphase geleistet wurde, das ist kaum zu beschreiben.“
Jugendwehren sind der Garant für die Zukunftsfähigkeit: Brenner erwähnte, dass in Steinebach die erste im Landkreis Altenkirchen gegründet wurde. Weitere folgten. In der Pandemie kam nun die „Siegschleife“ der Löschzüge Wallmenroth und Scheuerfeld dazu – und der erste Jugendliche wechselt bereits in die aktive Wehr. Die Löschzüge der Verbandsgemeinde seien gut aufgestellt, bilanzierte Brenner. Mit dem unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz werde nach außen projiziert: „Auf uns als Verbandsgemeindewehr ist Verlass.“

Für eine Dienstzeit von 25 Jahren wurde sieben Kameraden das silberne Ehrenzeichen ausgehändigt, das ihnen der rheinland-pfälzische Minister Roger Lewentz verliehen hat: Marcel Groß, Alexander Hartmann, Michael Rotter (alle Dauersberg), Andreas Lippert, Jan Henrik Mies, Christian Rosenthal (alle Elkenroth) und Tobias Beichler (Steinebach). Eine Würdigung erhielten Joachim Schütz (Dauersberg) und Karl Heinz Staudt (Alsdorf). Wie berichtet, waren sie am Samstag vom Landrat für 45 Dienstjahre mit dem goldenen Ehrenzeichen geehrt worden. Staudt sowie Lothar Bender (Grünebach) wurden nun in die Abteilung der Alterskameraden verabschiedet. Seit 1975 ist Staudt in der Wehr Alsdorf. Aus freien Stücken kümmerte er sich um die Gerätschaften. Nach 40 Jahren war Bender 2020 in die Altersabteilung gewechselt. Von 2006 bis 2011 war er stellv. Wehrführer in Grünebach. Dort war Jochen Stinner für mehr als 14 Jahre bis 2020 Wehrführer. Stinner, der stellv. Wehrleiter ist, wurde nun als Wehrführer entlassen. Im Amt folgte ihm Martin Schütz.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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