Ein infernalischer Lärm hob an

Busbahnhof-Sanierung in Betzdorf mit Pressluft unmöglich / Mehrkosten durch Wasserdruck-Methode

goeb Betzdorf. Farbliche Akzente setzte saisongemäß das neue Zeltdach des Betzdorfer Busbahnhofs passend zu einem bunten Ostern. Doch noch ist die Sanierungsmaßnahme nicht abgeschlossen. »Allen war klar«, erklärt Betzdorfs Bürgermeister Michael Lieber im Gespräch mit der SZ, »wenn das mal saniert werden muss, wird’s nicht nur eine größere Sache, sondern auch eine komplizierte.«

»Ükos« freistemmen

Auf eine erste Unwägbarkeit ist man bereits gestoßen: Dort, wo die großen Betonplatten aufeinander stoßen bzw. auf die bestehende Bebauung treffen, liegen so genannte Übergangskonstruktionen, das sind von Beton ummantelte Eisenstreben. Diese Fugen oder »Ükos« müssen im Zuge der Sanierung freigestemmt werden. »Es muss gemacht werden, daran führt kein Weg vorbei«, ist sich auch Lieber sicher.

»Man verstand sein eigenes Wort nicht«

Als dieser Tage ein herkömmlicher Presslufthammer angesetzt wurde, musste sich so mancher Anlieger in der Betzdorfer Innenstadt die Ohren zuhalten. »Man verstand sein eigenes Wort nicht mehr«, schilderte eine Angestellte einer Arztpraxis. Und so erging es auch vielen anderen Geschäfsleuten, die um ihre Laufkundschaft bangten.

»Ich habe es ja selbst im Rathaus mitgekriegt«, schildert auch Lieber. »Das war nicht auszuhalten.« Geschäftsleute und Anwohner sprachen vor, Lärmgutachter wurden hinzugezogen, der Bauausschuss sah und hörte sich die Sache an. Nach Darstellung der Verwaltung ist nicht nur das Geräusch des Kompressors Ursache des infernalischen Lärms. »Man spricht von einem so genannten Körperschall: Platte und umgebende Luftschichten geraten durch den Hammer in Schwingung.«

Rechtliche Schritte befürchtet

Man befürchtete darüber hinaus rechtliche Schritte durch Anwohner, denn lärmende Baustellen können justiziabel sein, wenn es alternative Verfahren, die leiser sind, gibt. Und eine stillgelegte Großbaustelle im Herzen der Stadt will im Rathaus niemand.

Jetzt möchte man sich in Betzdorf auf das geräuschärmste Verfahren verlegen – und zwar eines, das mit Wasserdruck arbeitet. »Mit dem Presslufthammer ist das also nicht machbar. Zwar müssen wir noch einiges prüfen, aber es läuft auf ein Wasserdruckverfahren hinaus«, so Lieber auf SZ-Anfrage.

Wenige Spezialunternehmen

Auch den Anliegern soll das Verfahren, welches bundesweit nur von zwei oder drei Spezialunternehmen angeboten wird, schon demonstriert worden sein. Laut Lieber ist es geräuschärmer, »aber natürlich nicht völlig geräuscharm«.

Die aus drei Teilen bestehende Platte verfügt über 250 Meter laufende »Ükos«. Die herkömmliche Verfahrensweise hätte drei Wochen gedauert. Ob es mit dem Wasserdruck-Verfahren genauso schnell geht, konnte niemand beantworten. Ab Montag soll die Baustelle eingerichtet werden. Auf alle Fälle wird es die Kosten nach oben treiben. Eine sechsstellige Summe wird in Betzdorfer Kreisen genannt. Bürgermeister Lieber wollte das nicht kommentieren, sagte aber: »Es wird erhebliche Mehrkosten geben.« Kleiner Trost: In solchen Fällen zahlt das Land Zuschüsse.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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