Ein Klangerlebnis

Unter der Leitung von Marco Lichtenthäler gelang dem Projektorchester eine besonders mitreißende Aufführung der „Queen Symphony“. Foto: suk
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suk Betzdorf. Ein furioses Klangerlebnis bescherte das Projektorchester unter der Leitung von Marco Lichtenthäler den Gästen am Sonntag in der ausverkauften Betzdorfer Stadthalle. Bereits beim ersten Konzert dieser Art im vergangenen Jahr, zu dem sich das Projektorchester erstmals zusammengefunden und die „Herr-der-Ringe“-Sinfonie zum Besten gegeben hatte, sorgte das für große Begeisterung in der Region. Der junge, ambitionierte Dirigent Marco Lichtenthäler aus Herdorf, musikalischer Leiter der Daadetaler Knappenkapelle und des Musikvereins Dermbach, erfüllte sich mit dem ersten Projekt einen Traum. Diesen träumte er jetzt weiter und trommelte erneut die besten Laienmusiker aus der Region sowie einige Studienkollegen aus dem Musikstudiengang der Uni Siegen zusammen, um mit der „Queen Symphony“ des britischen Komponisten Tolga Kashif ein weiteres musikalisches Glanzlicht zur Aufführung zu bringen.

Das 83-köpfige symphonische Blasorchester, unterstützt von einem Pianisten und einigen Celli sowie einer Solo-Geige, setzte mit diesem Konzert einen musikalischen Akzent, der in der Region auf Laien-Ebene seinesgleichen sucht. Umso höher ist das Gehörte einzuordnen, wenn man die Vorgeschichte bedenkt. Die beteiligten Musiker haben im Vorfeld die Noten von Lichtenthäler zugesandt bekommen, dann jede/r für sich geprobt und sich am Samstag vor dem Konzert ein einziges Mal zu einer Gemeinsamen Ganztagsprobe getroffen. Nur diese rund acht Stunden mussten ausreichen, damit Dirigent und Musiker zu einer Einheit zusammenwachsen konnten. Dieses Kunststück ist auch in diesem Jahr wieder gelungen, dank der überaus motivierten und erfahrenen Musiker und einem Dirigenten, der mit seiner Euphorie alle anzustecken wusste.

Sabine Bätzing (MdB) begrüßte die Gäste und freute sich für die Akteure über die voll besetzten Stuhlreihen in der Stadthalle. Unterhaltsam und informativ gab sie eine kleine Einführung in das Werk, das 2002 vom britischen Royal Philharmonic Orchestra uraufgeführt wurde. Sie informierte auch über das projekt „Die Müllkinder von Kairo“, dem die Konzerteinnahmen zugute kommt. Die Fassung für Blasorchester, die zu absoluten Höchststufenwerken zählt, wurde 2007 vom Niederländer Erik Somers arrangiert und seither in Deutschland nur zweimal aufgeführt. Das Werk ist keineswegs einfach nur ein Medley bekannter Queen-Melodien, sondern eine symphonische Eigenkomposition in sechs Sätzen, die allerdings immer wieder Motive bekannter Hits der legendären Gruppe aufgreift.

Im ersten Satz, dem Adagio, das mit einem langen Ton des Cellos beginnt und sich über das tiefe Blech zu einem furiosen Tutti steigert, bilden die Songs „Radio Gaga“ und „The Show Must Go On“ das Grundmotiv. Mit dem zweiten Satz, dem Allegretto lädt der Komponist zum Träumen ein. Unglaublich gefühlvoll erklang da zunächst „Love Of My Life“ als Klaviersolo. Paul Jadach am Flügel beeindruckte auch darüber hinaus immer nachhaltig. Der dritte Satz (Adagio) war sicherlich der melancholischste Satz. Dies wurde sicher auch durch die absolut ungewöhnliche Besetzung erreicht. Denn eine Solo-Geige (Cordula Reimers) und ein SoloCello (Christiane Siepel) sind keine üblichen Instrumente, um mit einem Blasorchester zu kooperieren. Aber da hier vor allem die Holzbläser und Hörner den Orchesterpart dezent übernahmen, erreichte dieser eine ergreifende Wirkung, der sich kein Zuhörer entziehen konnte.

Ein absoluter Höhepunkt dieses Werkes war der schwierige vierte Satz (Allegro Vivo). Rhythmische Verschiebungen stellten höchste Anforderungen an das Orchester, das auch die getragenen Passagen derart spannungsgeladen intonierte, dass es beim Zuhörer für Gänsehautgefühl sorgte. Vom überwältigend souverän agierenden Schlagzeugregister angedeutetes Fahrradklingeln verriet, dass hier das „Bycicle Race“ ein Leitthema bildete. Restlos ergriffen von der Musik waren die Konzertbesucher beim fünften Satz, der mit dem anrührenden Thema aus der „Bohemian Rhapsodie“ glänzte und dann in einem ergreifenden Klangfeuerwerk Hits wie „We Will Rock You“ oder „We Are The Champions“ aufgriff. Nahtlos über ging dieser in den abschließenden sechsten Satz, bei dem die einzelnen Register noch einmal ihr ganzes Können unter Beweis stellten.Tosender Applaus, ein frenetisch vom Publikum mit geklatschtes „We Will Rock You“ als Zugabe und viele lobende Worte im Anschluss waren klare Zeichen und werden Marco Lichtenthäler wohl signalisiert haben: „The Show Must Go On“ –im nächsten Jahr! Der Erlös des Konzerts ist für den Verein „Die Müllkinder von Kairo“ bestimmt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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