Ein Mann kommt nach Deutschland

Borcherts „Draußen vor der Tür” ein Jahrhundertwerk

sz Betzdorf. Das Stück ist ein Jahrhunderwerk. Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür” ist mehr als nur eine Dokumentation der Kriegsgeneration, es ist ein aktuelles Werk geblieben: Immer mehr Menschen sind mit Krieg konfrontiert, und viele – nicht nur junge – werden menschlich und sozial ausgegrenzt, fühlen sich alleingelassen und stehen „Draußen vor der Tür”. In einer Aufführung des Euro-Studio Landgraf, Titisee-Neustadt, präsentiert die VHS-Theatergemeinde Betzdorf das Stück am Donnerstag, 23. November, 20 Uhr in der Betzdorfer Stadthalle. Es spielen Carsten Klemm, Bert Franzke (für den plötzlich erkrankten Klaus Pönitz) Astrid Gorvin, Ernst Steiner u.a.

Ein Mann kommt nach Deutschland. Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sei kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist Draußen vor der Tür. Ihr Deutschland ist Draußen, nachts im Regen, auf der Straße. Das ist ihr Deutschland.

In der Vorrede zu diesem Stück beschreibt der Autor Wolfgang Borchert die Ausgangsposition seines Helden Beckmann (der ein Anti-Held ist), der nach dem Ende des Krieges in eine Heimat zurückkommt, die für ihn keine mehr ist. Sein Verzweiflungsschrei „Gibt denn keiner Antwort?” bleibt ungehört.

Wolfgang Borcherts Stück stellt beispielhaft die Frage einer ganzen Generation, einer ohne Abschied und ohne Ankunft. Dass das Stück nicht allein auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen ist, sondern als Parabel für menschliche Ungeborgenheit, für die Suche des Einzelnen in seiner Zeit verstanden werden muss, das beweist Michael Wedekind in seiner Inszenierung von „Draußen vor der Tür”.

„Draußen vor der Tür” wurde erstmals als Hörspiel im Februar 1947 gesendet. Die Resonanz war so überwältigend, die Zuschriften so betroffen und persönlich, dass es noch einmal wiederholt wurde. Die Uraufführung auf der Bühne war am Totensonntag des Jahres 1947 an den Hamburger Kammerspielen; Regie führte Wolfgang Liebeneiner, Hans Quest spielte den Beckmann. Einen Tag zuvor war Wolfgang Borchert 26-jährig in Basel gestorben, an den Folgen der Erkrankung, die er sich während und als Folge des Krieges zugezogen hatte.

Bernd M. Krakse erinnert sich: „Die Premiere wurde zur Totenfeier für Wolfgang Borchert. Nachdem sich der Vorhang geschlossen hatte, blieb es still im Theater. Eine lange Minute des schweigenden Gedenkens und der Ergriffenheit folgte, dann brach der Beifall los.”

Nachdem Carl Zuckmayer „Draußen vor der Tür” gelesen hatte, schrieb er an Wolfgang Borchert: „Die Stärke ihrer Sache ist, man hätte sie auch aus dem Papierkorb in irgendeinem überfüllten Bahnhofs-Wartesaal herausklauben können, sie wirkt nicht wie ,Gedrucktes’, sie begegnen uns, wie uns die Gesichter der Leute oder ihre Schatten in den zerbombten Städten begegnen. Ihre Welt ist wirklich bis ins Unheimliche.”

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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