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Prozess gegen Farid A. fortgesetzt
Ein Opfer: „Niemand hat mir geholfen“

Symbolbild.

nb Koblenz/Betzdorf/Kirchen. Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen Farid A. standen zwei Aspekte im Fokus: Ein Brief des Angeklagten an den Richter und eine erste Zeugenaussage. Zur Erinnerung: Im Fall Farid A. (alle Namen geändert) liegen dicke Aktenberge auf den Tischen der Prozessbeteiligten. Der heute 36 Jahre alte Afghane ist wegen Drogendelikten, gefährlicher Körperverletzung, Geiselnahme und versuchter Vergewaltigung angeklagt. Da der Beschuldigte eine sogenannte Verständigung abgelehnt hatte, ging es nun an die umfangreiche Beweisaufnahme.
Dass es keine „Geheimnisse“ gibt, wenn man einen Brief an den Vorsitzenden einer Strafkammer schreibt, lernte Farid A. in der ersten Hälfte der jüngsten Sitzung.

nb Koblenz/Betzdorf/Kirchen. Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen Farid A. standen zwei Aspekte im Fokus: Ein Brief des Angeklagten an den Richter und eine erste Zeugenaussage. Zur Erinnerung: Im Fall Farid A. (alle Namen geändert) liegen dicke Aktenberge auf den Tischen der Prozessbeteiligten. Der heute 36 Jahre alte Afghane ist wegen Drogendelikten, gefährlicher Körperverletzung, Geiselnahme und versuchter Vergewaltigung angeklagt. Da der Beschuldigte eine sogenannte Verständigung abgelehnt hatte, ging es nun an die umfangreiche Beweisaufnahme.
Dass es keine „Geheimnisse“ gibt, wenn man einen Brief an den Vorsitzenden einer Strafkammer schreibt, lernte Farid A. in der ersten Hälfte der jüngsten Sitzung.

"Geheimer" Brief an den Richter

Es war bereits Brief Nummer 2, der da aufs Tapet kam und in dem der 36-Jährige den adressierten Richter Andreas Bendel inständig bittet, den Inhalt als „Geheimnis zwischen uns“ zu bewahren. Dass das so nicht funktioniert, machte Bendel, Vorsitzender der 6. Strafkammer des Landgerichts Koblenz, schnell klar. Und so bekamen die Anwesenden einmal mehr die Darstellung des Beschuldigten zu hören, der zumindest in einem Teil der Anklagepunkte ein ausgeklügeltes Komplott gegen sich selbst sieht.

Weite Teile des zweiten Briefes gelten zudem seinem – am Montag wieder kompletten – Rechtsanwaltstrio: den Pflichtverteidigern Marcel Arnal aus Kirchen und Markus Herzog (Koblenz) sowie Wahlverteidiger Dr. Dr. Seyed Iranbomy (Frankfurt). Und Farid A. lässt kein gutes Haar an deren Arbeit: Sie würden ihn nicht in der Untersuchungshaft aufsuchen, hätten keine Lust, weit zu fahren, und ohnehin wären sie nur am Geld interessiert.

Dreistündige Oper-Aussage

Solche Klagen, so Andreas Bendel nach einer anberaumten Pause, die für Gespräche zwischen Mandant und Verteidigern genutzt wurde, bekäme die Kammer nicht zum ersten Mal zu hören. Zudem fragte er Farid A.: „Ihnen ist schon klar, dass ich nicht allein entscheide? Sondern alle vier die hier oben sitzen?“
Fast drei Stunden sagte dann am Nachmittag die 19-jährige Sophia M. aus, eine der beiden Frauen, die Farid A. versucht haben soll, zu vergewaltigen. Ein Bekannter, so Sophia M., habe den Kontakt zu Farid A. vor drei Jahren vermittelt. Über mehrere Monate habe sie immer wieder Marihuana bei ihm gekauft – meist für 20, ansonsten für zehn Euro.

Im Oktober 2018 habe sie bei dem Afghanen ausstehende Schulden begleichen und ein letztes Mal eine Portion „Gras“ mitnehmen wollen. In der damaligen Wohnung des Angeklagten im Betzdorfer Zentrum lief erst alles wie besprochen, doch als Sophia M. sich verabschiedete, habe Farid A. sie auf einmal an der Jacke zurückgezogen und aufs Sofa geworfen.

"Das war wirklich einer der schlimmsten Momente in meinem Leben."
- Sophia M., Zeugin

Dort habe er sich auf sie gelegt, sie mit den Händen an den Brüsten berührt und versucht, unter ihr Oberteil zu greifen. Zudem habe er auch zwischen die Beine gegriffen. Immer lauter habe sie sich gewehrt und geschrien, aber: „Niemand ist gekommen und hat mir geholfen. Das war wirklich einer der schlimmsten Momente in meinem Leben.“ Erst als sie es schaffte, ihr Knie in den Intimbereich von Farid A. zu stoßen, konnte sie weglaufen, so ihre Schilderung.

Im Anschluss an die Befragung von Sophia M. regte Anwalt Holzer an, die Therapeutin, bei der die Zeugin als Jugendliche in Therapie war, von der Schweigepflicht zu befreien und zudem die Akte vom Jugendamt über Sophia M. einholen zu lassen. Dem stimmte die 19-Jährige zu.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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