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Angeklagte zum 22. Mal verurteilt
Einsatzkräfte aufs Übelste beleidigt

Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde die Angeklagte zu drei Monaten Haft verurteilt.
  • Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde die Angeklagte zu drei Monaten Haft verurteilt.
  • Foto: dach/Archiv
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

dach Betzdorf. Als Markus S. mit seiner Aussage fertig war, dankte ihm der Richter: für seinen Einsatz als Sanitäter, vor allem während der Corona-Krise. Das hatte Tim Hartmann schon bei anderen Prozessen gemacht, bei denen Rettungskräfte im Zeugenstand Platz genommen hatten.
Markus S. (alle Namen geändert) saß dort, weil er vor rund einem Jahr bei einem Einsatz in Niederschelderhütte offenbar am laufenden Band beleidigt worden war, ebenso wie sein Kollege und zwei Polizisten. Laura B. titulierte sie demnach als Spastis, Gartenzwerge, Hurensöhne. Sie sollten es doch Ödipus gleichtun, forderte die heute 36-Jährige nach einhelligen Schilderungen. Und: Sie alle seien hässlich.

Der 24-jährige Markus S.

dach Betzdorf. Als Markus S. mit seiner Aussage fertig war, dankte ihm der Richter: für seinen Einsatz als Sanitäter, vor allem während der Corona-Krise. Das hatte Tim Hartmann schon bei anderen Prozessen gemacht, bei denen Rettungskräfte im Zeugenstand Platz genommen hatten.
Markus S. (alle Namen geändert) saß dort, weil er vor rund einem Jahr bei einem Einsatz in Niederschelderhütte offenbar am laufenden Band beleidigt worden war, ebenso wie sein Kollege und zwei Polizisten. Laura B. titulierte sie demnach als Spastis, Gartenzwerge, Hurensöhne. Sie sollten es doch Ödipus gleichtun, forderte die heute 36-Jährige nach einhelligen Schilderungen. Und: Sie alle seien hässlich.

Der 24-jährige Markus S. berichtete, dass er eine solche Batterie an Schimpfwörtern zuvor noch nie über sich habe ergehen lassen müssen. Gleichwohl sei er noch nicht so lange dabei wie die meisten seiner Kollegen. Er hatte ebenso erläutert, dass sie an diesem Tag im vergangenen Juli zu einem Einsatz am Rewe-Markt in Niederschelderhütte gerufen worden waren. Dort sei eine Person zeitweise ohnmächtig geworden, habe die Meldung gelautet.

Untersuchung erst abgelehnt

Als die Rettungskräfte eintrafen, war bereits die Polizei vor Ort und die Siegenerin Laura B. saß demnach auf dem Boden. Sie habe sich zunächst nicht untersuchen lassen wollen, habe auch keine Ausfallerscheinungen gezeigt, wenig später aber doch eingewilligt, im Rettungswagen ihre Vitalwerte checken zu lassen.

Und an diesem Punkt setzte der Verteidiger von Laura B. ein erstes Mal an: Warum er, also der Sanitäter, seine Mandantin denn nicht in Ruhe gelassen habe, als sie in eine Untersuchung nicht eingewilligt habe? „Woher nehmen Sie sich dieses Recht?“, fragte Hanno Baborski (Düsseldorf) bohrend. Naja, es habe sich um einen Notruf gehandelt, und auch die Polizisten hätten darum gebeten, so Markus S.

Oberamtsanwalt Michael Seibert grätschte dazwischen. Es klärte sich auf, dass die Angeklagte offenbar von der ersten Sekunde an mit ihren Beleidigungen nur so um sich spritzte, bereits mit der Nachfrage nach ihrem Befinden damit angefangen hatte. Die Szene schien erledigt.

Verteidiger geht Sanitäter an

Dann dankte Richter Hartmann Markus S. eben für dessen Berufsausübung. Und Anwalt Baborski schloss sich an, jedoch nur scheinbar. Er setzte erneut dazu an, dem Sanitäter vorzuschreiben, was er in seinem Job zu tun und zu lassen hat. „Dann will ich Ihnen auch was mitgeben: Sie müssen respektieren, wenn Personen…“ Erneut schlug der Oberamtsanwalt verbal auf den Tisch: „Das ist eine Frechheit, was Sie hier machen!“ Baborski: „Wenn der Richter ihn belehrt, darf ich das auch!“ Doch Tim Hartmann stellte unmissverständlich klar: „Ich habe nicht belehrt, ich habe mich bedankt!“

"Das ist eine Frechheit, was Sie hier machen!"
Oberamtsanwalt Michael Seibert
zu Verteidiger Hanno Baborski

Drei andere Zeugen – ein weiterer Sanitäter und zwei Polizeibeamte – bestätigten jedenfalls die Verbalattacken. Einer der Polizisten meinte, er stelle selbst wahrlich selten einen Strafantrag: „Aber irgendwo ist man auch ein Mensch in dieser Uniform.“

Einstellung des Verfahrens abgelehnt

Außerdem hatte eine Verkäuferin geschildert, Laura B. habe zunächst benommen vor dem Supermarkt gelegen, weshalb sie Hilfe gerufen habe. Kurz darauf hatte sie sich offenbar berappelt und war zurück in den Markt gegangen, wo sie beim Diebstahl einer Tütensuppe von einem der Beamten auf frischer Tat ertappt wurde. Außerdem wurde ihr noch der Diebstahl dreier alkoholischer Getränke zugeordnet. Ein Alco-Test bei Laura B. an diesem Nachmittag ergab 2,53 Promille.

Rechtsanwalt Baborski hatte zu Beginn der Verhandlung erfolglos versucht, eine Einstellung des Verfahrens zu erwirken. Am Ende hatte er bei seiner Mandantin bloß Verfehlungen gegenüber der Polizei erkannt und forderte eine Mindesstrafe.

Urteil: Drei Monate Haft

Zumal er darauf verwies, dass die Angeklagte unter Betreuung stehe. Und: Ihre bisherigen Verfehlungen seien allesamt nicht besonders schwer gewesen. Zu den Polizeibeamten in Siegen unterhalte sie ein „fast familiäres Verhältnis“.

Oberamtsanwalt und Richter kamen zu einem anderen Schluss: Der eine forderte drei Monate Haft, der andere verhängte diese Strafe – auch angesichts von 21 Vorstrafen und zwei laufenden Bewährungen.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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