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„Wachwechsel“ im Wilhelm-Boden-Saal
Enders vereidigt, Lieber verabschiedet

„Wachwechsel“ vollzogen: Dr. Peter Enders (r.) ließ sich von Michael Lieber ins Amt einführen, vereidigen – und beglückwünschen.
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  • hochgeladen von Dr. Andreas Goebel (Redakteur)

goeb Altenkirchen. Ein hundert-, wenn nicht tausendfaches Händeschütteln, Schulterklopfen, Umarmen und Austauschen guter Wünsche gab es gestern im großen Saal des Kreishauses in Altenkirchen zu beobachten. Daneben gab es lange und kurze Würdigungen des beruflichen Lebens, Rückblicke und Ausblicke und ein paar herausragende Stücke der Kreismusikschule. Allen voran ein sagenhaft gut gespieltes Trompetenstück mit Martin Golle am Blechblasinstrument („The Prince of Denmark’s March“, Trumpet Voluntary, Jeremiah Clarke) und Milena Lenz, die mit Edith Piafs Klassiker „Non, je ne regrette rien“ zu Tränen rührte. Auch wenn es sich offiziell um eine Kreistagssitzung handelte, ein gewöhnlicher Tag ist es nicht gewesen.

Der 30.

goeb Altenkirchen. Ein hundert-, wenn nicht tausendfaches Händeschütteln, Schulterklopfen, Umarmen und Austauschen guter Wünsche gab es gestern im großen Saal des Kreishauses in Altenkirchen zu beobachten. Daneben gab es lange und kurze Würdigungen des beruflichen Lebens, Rückblicke und Ausblicke und ein paar herausragende Stücke der Kreismusikschule. Allen voran ein sagenhaft gut gespieltes Trompetenstück mit Martin Golle am Blechblasinstrument („The Prince of Denmark’s March“, Trumpet Voluntary, Jeremiah Clarke) und Milena Lenz, die mit Edith Piafs Klassiker „Non, je ne regrette rien“ zu Tränen rührte. Auch wenn es sich offiziell um eine Kreistagssitzung handelte, ein gewöhnlicher Tag ist es nicht gewesen.

Der 30. August bedeutete eine Zäsur für Politik und Verwaltung, denn zum einen ist Landrat Michael Lieber durch den Ersten Kreisbeigeordneten Konrad Schwan nach fast 13 Jahren Tätigkeit als Chef der Verwaltung verabschiedet worden (zum 31. August, 0 Uhr), zum anderen nahm er quasi als letzte bedeutende Amtshandlung die Vereidigung und Amtseinführung seines Nachfolgers Dr. Peter Enders vor.

Beide gehören der CDU an und kennen sich seit vielen Jahren. Am 26. Mai dieses Jahres hatte sich der 60-jährige Enders in einer spannenden Wahl gegen seinen Mitbewerber von der SPD, Andreas Hundhausen, durchgesetzt. Hundhausen wurde nicht nur von Enders ein fairer Wahlkampf weit oberhalb der Gürtellinie bescheinigt, auch Innenminister Roger Lewentz dankte Hundhausen und Enders für deren vorbildliches Verhalten, ebenso Konrad Schwan.

Wie berichtet, hatte Michael Lieber sich wegen seiner angegriffenen Gesundheit dazu entschlossen, ein wenig früher als geplant die Verantwortung weiterzugeben. Fast 13 Jahre lang war er Chef der Kreisverwaltung gewesen, und ein beliebter dazu, wie der schöne Abschiedstag unterstrich, den ihm Mitarbeiter, Kommunalpolitiker, Freunde und Familie bereiteten.

Es gab ein paar Mal stehende Ovationen für den „gut integrierten Mainzer“, jede Menge Worte des Lobes, einen ganzen Anhänger voll mitgebrachter Geschenke und ebenso viele gute Wünsche für seine Zukunft. Und ein bisschen Formalitäten gab es sogar auch. Satzungsgemäß hatte Landrat Lieber die 46 Kreistagsmitglieder einzeln per Handschlag auf „gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten“ hinzuweisen. Doch das ging recht flott.

Dabei war der große Wilhelm-Boden-Saal inklusive Tribüne bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Gästen, die sich in das im Foyer ausgelegte Gästebuch eintrugen, waren mehrere Minister und sämtliche Bundes- und Landtagsabgeordnete des Kreises, zahlreiche befreundete Landräte sowie die Leiter mehrerer Landesbehörden und Behörden der Region. Auch IHK und Handwerkskammer hatten ihre Repräsentanten entsandt, ebenso zahlreiche Organisationen, mit denen die Landräte regelmäßig zu tun haben, dazu eine Abordnung (Landrat und Vize) aus dem polnischen Partnerkreis sowie aus Thüringen und natürlich die Familien und Weggefährten des scheidenden und des neuen Landrats.

Ausführlich würdigte Konrad Schwan die 13-jährige Amtszeit Liebers, wobei er auch dessen lange Periode als Betzdorfer Bürgermeister streifte. Dort wurde der junge Jurist 1989 mit nur einer Stimme Mehrheit im Rat zum Bürgermeister gewählt, konnte Politik und Gesellschaft dann aber rasch von seinen Qualitäten überzeugen. Sechs Wahlen hat Michael Lieber gewonnen, davon fünf Ur-Wahlen.

Dabei habe sich der Mainzer erst einmal auf die Region zwischen Westerwald und Siegerland einstellen müssen. Früh habe sich Lieber dann in die Kreispolitik eingebracht, betonte Schwan. Lange bevor er 2006 Landrat wurde, kannte er als Fraktionssprecher schon die politischen Verhältnisse auf Kreisebene.

Schwan sagte, dass sich Liebers Schaffen in der Landratszeit sehen lassen könne. Das werde manchmal unterschätzt. Zupass sei ihm als Teamplayer immer gekommen, dass er den Rat seiner Mitarbeiter wertschätze.

Schwan nannte beispielhaft den Breitbandausbau, die Zusammenarbeit mit den Hochschulen, die Wirtschaftsförderung und den konsequenten Ausbau der Schulen. Auch habe er dem Kulturangebot stets den Wert beigemessen, der ihm gebühre. Die gelungene Sparkassenfusion, der touristische Zusammenschluss der Kreise und die Fusionen von Verbandsgemeinden fielen in seine Amtszeit.

„Michael Lieber ist ein sehr geschichtsbewusster Mensch“, lobte sein „Vize“ Schwan, der nun selbst in den Ruhestand geht.

Seine Handschrift trug die weithin beachtete Feier zum 200-jährigen Bestehen des Landkreises ebenso wie die Erinnerungskultur an bedeutende Exponenten der Region (Boden, Raiffeisen, Sander) mit Ausstellungen und Benennungen von Zimmern und Sälen. Weitere „Pluspunkte“ Liebers sind nach Schwan der ÖPNV-Ausbau und das frühe Schrillen der Alarmglocken bezüglich des Ärztenotstandes. Kreisseitig sei da sehr viel schon sehr früh gemacht worden. Sonst sehe es womöglich viel schlechter aus. Hier werde der Fachmann Dr. Enders – gelernter Arzt und Gesundheitspolitiker – nahtlos anknüpfen können.

Teamgeist und Offenheit kennzeichneten ihn unter anderem. „Michael Lieber hat sich um den Kreis Altenkirchen und seine Bewohner große Verdienste erworben. Dafür sage ich ihm aufrichtigen Dank.“ Er unterstrich dies mit der Verleihung der Ehrenmedaille des Kreises in Gold.

Auch die lange Liste der Gastredner zog eine positive Bilanz. Innenminister Roger Lewentz bezeichnete Lieber als erfahrenen Politiker. „Das war immer eine gute Zusammenarbeit, für die Regierung wie für mich persönlich.“ Auch Enders scheint bei dem SPD-Mann hoch im Kurs zu stehen. Er sei einer der ganz wenigen Oppositionspolitiker gewesen, dessen Expertise regelmäßig in die Gesetzesvorlagen der Regierung eingeflossen seien.

Dem stellv. Landes- und Fraktionsvorsitzenden der CDU, Christian Baldauf, gelang es tatsächlich, das Publikum zu einem Ständchen für die beiden zu bewegen („Viel Glück und viel Segen“) – und das erfolgreich im Kanon. Der Vorsitzende des Landkreistages, Günther Schartz, ging auf Liebers Haltung im Fall Fluterschen ein und auf die bravouröse Leistung bei der Erstaufnahmeeinrichtung Stegskopf während der Flüchtlingskrise.

Den Dank der Fraktionen im Kreistag drückte Dr. Josef Rosenbauer aus, der Lieber einen ganzen Rucksack an Geschenken mitgebracht hatte. Er lobte Offenheit, Menschlichkeit und Fröhlichkeit seines Freundes. „Wenn ich höre, dass Leute sagen, es gebe keine Freundschaften in der Politik, dann kann ich nur sagen: Das ist absolut falsch.“ Und in Richtung Enders meinte der Kirchener: „Mit ihm haben wir eine hervorragende Anbindung nach Mainz.“

Und für die Bürgermeister im Kreis sprach Wolfgang Schneider (VG Daaden-Herdorf). Abschied sei die Geburt der Erinnerung, zitierte er den Maler Dalí. Er skizzierte Lieber als „Mann des Ausgleichs und der Harmonie“ und unterstrich das Bild von der „kommunalen Familie“. Den Abschluss garnierte Personalratsvorsitzender Bernd Müllers mit ein paar witzigen Anekdoten aus dem Leben der Verwaltung. Aber auch er vergaß nicht zu erwähnen: „Michael Lieber hat das Herz am rechten Fleck.“

Lieber wollte die gut dreistündige Veranstaltung nicht in die Länge ziehen und war sichtlich gerührt, als sich alle Gäste noch einmal von ihren Plätzen erhoben und ihm lange Applaus spendeten. Er sei es, der zu danken habe.

Es sei alles andere als einfach, nach einem solchen Abschied, wie man ihn erlebt habe, eine Aufgabe zu übernehmen, die so sehr verbunden sei mit dem Namen Michael Lieber. Das sagte dessen Nachfolger Dr. Peter Enders in seiner Ansprache. Auch er war voll des Lobes über seinen Vorgänger. Die letzten Wochen hätten ihn, Enders, eine hochmotivierte, hochqualifizierte und ideenreiche Mitarbeiterschaft kennenlernen lassen. „Dieses Wissen macht den Start einfacher.“

Peter Enders bedankte sich für den großen Vetrauensvorschuss, den ihm die Bürgerschaft des Landkreises entgegengebracht habe. „Mit all’ meiner Kraft und Erfahrung werde ich mich für unsere Heimat einsetzen“, versprach er. Er zitierte den verstorbenen CDU-Landtagsabgeordneten Paul Wingendorf mit den Worten, dass der Landkreis Altenkirchen „ein schöner, aber schwieriger Kreis“ sei. Die Herausforderungen im Ländlichen seien damit gemeint.

Er glaube allerdings an die Überzeugung des Zukunftsforschers Daniel Dettling, der dem ländlichen Raum eine große Zukunft voraussage. „Das stetige Wachsen der Städte und das häufige Schrumpfen der ländlichen Regionen ist kein Naturgesetz.“ Er wolle u. a. die Rahmenbedingungen verbessern helfen, sei es in der Wirtschaft, der Infrastruktur, in der Gesundheit oder im gesellschaftlichen Leben. Eine der Stärken des Landkreises Altenkirchen sei die dezentrale Struktur. Er bedanke sich für das Vertrauen, sagte Enders und freue sich auf die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.

Der Hof lockte bei lauen Temperaturen zum Fest mit einem Imbiss, Bier und Wein. Am Abend stimmte die Stadtkapelle Betzdorf vor dem Haupteingang den Großen Zapfenstreich an.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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