Entscheidung mit Herz und Verstand

VG Betzdorf und Denizli sind seit gestern verschwistert/Brücke über 3000 Kilometer hinweg

goeb Betzdorf. Zwei große Flaggen gaben der Stadthalle Betzdorf gestern ein kleidsames Aussehen – eine türkische und eine deutsche. Dazu die getragenen Klänge der Betzdorfer Stadtkapelle. Zur offiziellen Besiegelung der Freundschaft/Partnerschaft von Betzdorf und der größeren türkischen Schwester Denizli gab es gestern einen feierlichen Akt in der Stadthalle. Zahlreiche Türken – mehr als 900 Türkischstämmige gibt es allein in der Verbandsgemeinde –, aber auch zahlreiche Deutsche saßen an Tischen gemischt und lauschten dem ansprechenden Programm, dass die VG auf die Beine gestellt hatte. Musikalische Darbietungen und Tänze der Dualen Oberschule Betzdorf konnten sich hören und sehen lassen.

»Wir beten in diesen Tagen«, wandte sich Bürgermeister Michael Lieber an sein Publikum, »um Frieden: Muslime, Christen, Juden oder Angehörige einer anderen Religionsgemeinschaft: Wir wollen Frieden auf Erden.« Diese Botschaft war an Aktualität kaum zu überbieten, denn soeben war durchgesickert, dass beim Sturm auf Bagdad nicht nur Hunderte von Soldaten ihr Leben lassen mussten, sondern auch viele Zivilisten. Auch die Europaabgeordnete Sabine Zissener sprach in ihrem Grußwort von der Frieden stiftenden Partnerschaft. Die funktioniere weniger über Institutionen, fand sie, »als über die Menschen«.

Auch Vertreter der Moschee dabei

»Ein Stück Friedenswerk« sah auch Lieber in dem »Vertragswerk«. »Wir, die Vertreter der Verbandsgemeinde Betzdorf und der Stadt Denizli, wollen unsere Freundschaft besiegeln.« Neben den Vertretern, die zuvor auch schon bei der Enthüllung des Partnerschaftsschildes zugegen waren (siehe nebenstehenden Bericht), fanden sich auch der türkische Generalkonsul Ali Rifat Köksal in der Halle ein, sowie Pastor Georg Koch, Dr. Josef Rosenbauer (MdL) und Vertreter der Sultan-Ahmed-Moschee Betzdorf neben Vertreter von Vereinen.

Lieber nannte den Schritt »eine Entscheidung mit Herz und Verstand«. Die zahlreichen Verschwisterungen von Städten und Gemeinden im Europa der Gemeinschaft und des Europarates, dem die Türkei angehört, und darüber hinaus seien der unmittelbarer Ausdruck des Friedenswillens der Menschen. Lieber wörtlich: »Da, wo Staatsmänner und -frauen mit ihrem Latein am Ende sind, müssen sie von uns abgeholt werden.«

Lieber propagierte die Selbstverwaltung der Kommunen, denn nur aus starken Gemeinden kämen solche Initiativen. Auch Lieber nannte die verschwisterten Gemeinden dieser Welt die wirksamste Friedensbewegung. »Wir schaffen Frieden ohne Waffen.«

Denizlis Stadtoberhaupt Ali Aygören (Oberbürgermeister) lobte die seit Jahrhunderten währende Freundschaft zwischen Türken und Deutschen. »Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte aller im Ausland lebenden Türken in Deutschland ansässig ist, verleiht dieser Bewegung besondere Wichtigkeit.«

Tausende von Unternehmen seien von Türken gegründet worden, viele Arbeitsplätzen entstanden. Man befinde sich in einer wirtschaftlich schweren Zeit, und auch die Weltpolitik mit der Instabilität im Mittleren Osten stimme ihn sorgenvoll.

Die Bevölkerung von Denizli fühle sich durch die Städtepartnerschaft geehrt. Der Vorschlag sei mit Freude und Wohlwollen aufgenommen worden, der Stadtratsbeschluss in dieser Sache einstimmig ausgefallen.

5 Tonnen Äpfel nach Tunesien

Generalkonsul Köksal erinnerte sich an die Zeit vor seinem Amt, als er selbstständiger Geschäftsmann (in Deutschland) war. Damals, vor 20 Jahren, sei Deutschland noch zu teuer gewesen. 5 Tonnen Äpfel habe er nach Tunesien verschicken wollen, erinnerte er sich. Denizli habe dann die Lösung gebracht. »Preis und Leistung gefielen mir.« Die Stadt in der Türkei sei heute in einem wirtschaftlich vorbildlichen Zustand. Der geschichtliche Hintergrund und die umgebenden Naturschönheiten machten es zu einem Kulturzentrum, sagte Köksal.

Was sich 1998 anbahnte

Der Rektor der Dualen Oberschule, Bernd Rödder, erklärte, heute werde offiziell, was sich schon 1998 angebahnt habe. Man wolle dokumentieren: »Über alle Sprachbarrieren, Grenzen, Religionen und Kulturen hinweg sind tief verwurzelte Freundschaften zwischen Schülern und Bürgern unserer Städte entstanden.«

Abu Özcan bekam besonderen Applaus für sein Engagement. Er blickte bis 1978 zurück. Damals sei er ein junger neugieriger Mann in einem Land gewesen, dessen Kultur ihm noch fremd gewesen sei. Doch es sei ihm schnell bewusst geworden, dass es keine Rolle spiele, in welcher Kultur man aufwachse. Deutschland sei heute seine zweite Heimat geworden. Er streifte die Spendenaktion »Rettungswagen« ebenso wie die Fahrten und Schulkontakte, immer wohlwollend begleitet von der Verwaltung und den Vereinen. Es sei eine feste Brücke entstanden zwischen zwei 3000 Kilometer voneinander entfernten Städten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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