SZ

Praxen sollen offen bleiben, es kommt aber kaum noch jemand
„Ergos“ und „Physios“ stehen vor dem Ruin

Heilmittelerbringer haben es in der Corona-Krise besonders schwer.

dach Betzdorf. Mitte März wusste Christine Schlosser nicht, wo sie weitere Fachkräfte hernehmen sollte. Einige Tage später musste sich die selbstständige Ergotherapeutin bereits mit dem Thema Kurzarbeit für ihr Team beschäftigen.

Mit welchem Tempo das Coronavirus und dessen Folgen ganze Branchen in ihrer Existenz gefährdet, macht das SZ-Gespräch mit Schlosser im Nu deutlich. Das Grundproblem: Die sogenannten Heilmittelerbringer – also Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden oder die medizinischen Fußpfleger – sind angehalten, ihre Praxen auch in diesen Zeiten offen zu halten. Nur: Es kommt so gut wie niemand mehr.

Christine Schlosser spricht von einer Auslastung in ihrer Praxis an der Gontermannstraße von 100 Prozent, „plus Warteliste“. Vor der Krise.

dach Betzdorf. Mitte März wusste Christine Schlosser nicht, wo sie weitere Fachkräfte hernehmen sollte. Einige Tage später musste sich die selbstständige Ergotherapeutin bereits mit dem Thema Kurzarbeit für ihr Team beschäftigen.

Mit welchem Tempo das Coronavirus und dessen Folgen ganze Branchen in ihrer Existenz gefährdet, macht das SZ-Gespräch mit Schlosser im Nu deutlich. Das Grundproblem: Die sogenannten Heilmittelerbringer – also Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden oder die medizinischen Fußpfleger – sind angehalten, ihre Praxen auch in diesen Zeiten offen zu halten. Nur: Es kommt so gut wie niemand mehr.

Christine Schlosser spricht von einer Auslastung in ihrer Praxis an der Gontermannstraße von 100 Prozent, „plus Warteliste“. Vor der Krise. Im Moment stehe sie jedoch bei rund 10 Prozent. Besuche in Kitas und Seniorenheimen fielen komplett weg, die Therapie mit den meisten anderen Patienten auch. „Wir sind angehalten, nur noch medizinische Notfälle zu behandeln“, sagt Schlosser.

Ein weiteres Problem: Die Entscheidung, was medizinisch unbedingt notwendig ist, „lastet auf unseren Schultern“. Sie komme beispielsweise gerade von einem querschnittsgelähmten Patienten, der nur noch den Kopf bewegen könne. Hier sei das Risiko, dass der Mann ohne Ergo- und Physiotherapie und die entsprechende Bewegung an einer Lungenentzündung erkrankt, einfach höher, als eine etwaige Ansteckung mit dem Coronavirus.

Dabei sind die jüngst gestiegenen Hygieneanforderungen nicht wirklich ausschlaggebend. Desinfektion gehört seit jeher zum Kerngeschäft der Heilmittelerbringer. Mundschutz und Handschuhe fallen da nicht weiter ins Gewicht. Die ganz konkreten Zukunftssorgen hingegen schon. Christine Schlosser stellt dabei gewissermaßen die Systemfrage. Wenn jetzt alle (oder der Großteil) ihrer Kollegen in die Pleite schlittern würden: Wer ist denn dann in einigen Wochen oder Monaten für all diejenigen da, die Hilfe benötigen? Zumal man darüber hinaus auch die ökonomische Sinnfrage stellen darf: „Meine Praxis läuft eigentlich bombig, steht jetzt aber vor dem Ruin“, sagt sie.

Klar, ihr geht es auch um ihre eigene Existenz, „aber ich möchte Fürsprecherin sein für die Branche“. Eine Freundin, die in Betzdorf eine kleine Praxis für Logopädie betreibt, habe angesichts der Coronakrise bereits zugemacht.

Auch der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) trommelt in einer Pressemitteilung, weist auf die prekäre Situation hin, spricht von Umsatzrückgängen von 60 bis 90 Prozent. Viele Patienten gehörten zur Corona-Risikogruppe, sagten Termine ab. Der SHV fordert daher Ausgleichzahlungen über die Krankenkassen, die aufgrund der häufigen Nicht-Inanspruchnahme von Therapien ja derzeit viel Geld sparten. Diese Ausgaben seien jedoch eingeplant. Es tue den Kassen also nicht weh, wenn die Therapiepraxen derzeit trotzdem Zahlungen erhielten.

Zu dieser konkreten Forderung konnte sich Christine Schlosser im Telefonat nicht durchringen. Aber der Tenor ihrer Aussagen ist klar: Die öffentliche Hand müsse in irgendeiner Weise ihrer Branche zu Hilfe eilen. Sonst gibt es die schon bald womöglich nicht mehr. Und viele Menschen, die darauf angewiesen sind, stehen dann im Regen.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen