Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
Erste digitale Entlassung eines Jahrgangs

Vor dem Wandmotiv mit dem diesjährigen Abi-Motto sprach Adelina Nazarenus.
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rai Betzdorf/Kirchen. „Der Spagat ist gelungen“, freute sich Joachim Langhauser. Der Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums hatte am Samstag gerade Corona-konform die Zeugnisse ausgehändigt und die 94 Abiturienten entlassen. Das war in der Aula mit Livestream erfolgt, vorausgegangen war eine eine rein digitale Entlassfeier. Ein würdiger Abschied in der Pandemie. Der Abi-Jahrgang hat Geschichte geschrieben. Es ist der erste, der in dieser Form verabschiedet wurde – und die eigene Entlassfeier zu Hause auf dem Monitor erlebte. „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“, so Schülersprecherin Adelina Nazarenus in ihrer Rede. Die Entlassfeier war in einer Arbeitsgruppe mit Schulleitung, Kursleitern und Schülersprechern vorbereitet worden – und bei den Abiturienten kam es gut an.

"Abi looking for freedom"

„Es ist uns ein besonderes Anliegen, unseren Abiturienten, trotz der schwierigen Corona-Rahmenbedingungen, eine würdige Abschlussfeier zu ermöglichen“, so Langhauser. Er griff das Motto „Abi looking for freedom“ auf, das in der Schule verewigt ist. „Mit dem Bully durchbrecht ihr die Mauer schulischer Zwänge.“ Alles erscheine nun möglich, Abenteuer und Lebenslust, was derzeit nicht so einfach sei.
Gemeinsam sei das Fundament gelegt worden, „auf das ihr jetzt aufbauen könnt.“ Wichtig sei es, die Herausforderungen einer Ausbildung anzunehmen. „Gegen die Infamität des Lebens sind die beste Waffen Tapferkeit, Eigensinn und Geduld“, zitierte Langhauser: „Im Sinne von Hermann Hesse wünsche ich euch Mut, Selbstvertrauen und eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen.“

Alexander Stohl hielt später wie seine Mitstreiter stolz sein sein Zeugnis in der Hand. Der 19-Jährige aus Wallmenroth möchte voraussichtlich ab Herbst Jura studieren.
  • Alexander Stohl hielt später wie seine Mitstreiter stolz sein sein Zeugnis in der Hand. Der 19-Jährige aus Wallmenroth möchte voraussichtlich ab Herbst Jura studieren.
  • Foto: rai
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

„Sie haben diese Prüfungen unter Bedingungen absolviert, die wir uns vor über einem Jahr nicht hätten vorstellen können“, sagte Landrat Dr. Peter Enders. Es sei alles andere als einfach, im entscheiden Schuljahr mit ständigen Ungewissheiten zu arbeiten. Man habe auch nicht gewusst, ob die Pandemie sich auf den Prüfungsbetrieb auswirken würde. Dies gemeistert zu haben, verdiene Anerkennung. Auch wenn der Abschluss anders gefeiert werden müsse, so stehe fest: „Den heutigen Tag, den kann Ihnen niemand nehmen, ein Tag voller Stolz, Anerkennung und Freude.“ Enders: „Gehen Sie Ihre Zukunft mit Mut und Zuversicht an.“

Abitur unter Corona-Bedingungen

Digitaler Unterricht und Homeschooling: Ein Kern der Reden waren die außergewöhnlichen Bedingungen, unter denen das Abitur gebaut wurde, ebenso der Begriff Freiheit. „Ihr habt euch mit dem Abitur viele Freiheiten erarbeitet“, so die Kursleiterinnen Jeannette Kern und Angela Isenberg. Dies ermögliche eine riesige Vielfalt bei Studium und Ausbildung. „Freiheit ist nicht zu verwirklichen ohne Frieden, der uns die Ruhe gibt, frei zu leben“, gaben sie mit: „Feiert eure Freiheit, nutzt sie und tretet mutig für sie ein.“

„Die Zeit in der MSS war für uns nicht die einfachste“, sagte Nazarenus. „Wir halfen uns, wo es ging“, blickte sie zurück und dankte ihren Mitschülern u. a. für lustige Unterrichtsstunden und die Geschichten im Oberstufenraum.
Es kamen von ihr auch nachdenkliche Worte: „Zu meinem Bedauern gab es auch Seiten, die unser Zusammenleben nicht so wunderbar gestaltet haben.“ Es sei gelästert und gestritten worden. „Hass, Neid und Streit fanden in unserer Gemeinschaft immer wieder Platz, und das aus den banalsten Gründen.“ Als Oberstufenschüler habe man eine Vorbildfunktion. „Unser negatives Verhalten wird viel schneller nachgeahmt, als uns lieb ist, und das ist ein Problem.“ Anfeindungen und Mobbing würden sich schon bei den jüngsten Schülern „unserer“ Schule entwickeln, so Nazarenus, die Immanuel Kant zitierte: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“.

"Seid nicht zu hart zu euch selbst"

Sie räumte ein, dass man impulsiv und emotional gewesen sei und in der Klausurenphase auch gestresst. Übel könne man dieses Verhalten niemandem nehmen. „Uns wurde selten die Möglichkeit gegeben, uns als Stufe zusammenzufinden“, räumte sie bedauernd ein. Man stehe nun noch am Anfang der Reise, das Abi sei nur ein Kapitel von vielen. Sie wünsche allen, dass sie Geduld und Kraft finden, „mit euren Taten lernt und wachst“. Nazarenus: „Seid nicht zu hart zu euch selbst und habt Vertrauen in eure Fähigkeiten.“

Die Preisträger

Buchpreis des Landrats als Anerkennung für besonderes Engagement im Schulalltag: Adelina Nazarenus;
Buch und Urkunde des Ministeriums „Für vorbildliche Haltung und beispielhaften Einsatz in der Schule“: Louisa-Sophie Betz;
Geldpreise des Vereins der Freunde und Förderer des Gymnasiums für das beste Abitur: Laura Jakobsen-Urwald und Bastian Arndt;
Geldpreis des Vereins der Freunde und Förderer des Gymnasium für das beste Abitur einer externen Schülerin: Tabea Knautz;
Auszeichnung mit dem Dr.-Gerhard-Hermann-Preis für beste Leistungen in Englisch: Ann-Katrin Limper;
Buchpreis der Deutschen Physikalische Gesellschaft (verbunden mit einer einjährigen Mitgliedschaft): Tobias Boer,
Anerkennung für sehr gute Leistungen im Fach Physik: Bastian Arndt, Laura Jakobsen-Urwald, Matthias Schneider und Luisa Weber;
Anerkennung für herausragende Abiturleistungen im Fach Mathematik durch die Deutsche Mathematiker-Vereinigung in Form eines Buches und einer einjährigen Mitgliedschaft: Maximilian Scholl.
Urkunde und eine einjährige Mitgliedschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker: Laura Jakobsen-Urwald und Bastian Arndt
Biologie-Preis des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland: Luisa-Maria Karl;
Buchpreis des Vereins für Deutsche Sprache: Ann-Kathrin Limper;
Schülerpreis des Landesmusikrats und einen Gutschein für Noten und Bücher: Luisa Weber
Auszeichnungen durch die Deutsche Gesellschaft für Philosophie für beste Leistungen im Fach Ethik: Maximilian Henke und Alexander Stohl;
Preis des Kreis-Heimatvereins für besondere Leistungen in Sozialkunde und politischer Bildung: Luisa Weber.
Buchpreis des Philologenverbandes: Alexander Stohl
Ein Dank gilt den Schülerinnen und Schüler, die sich als Streitschlichter engagiert hatten: Anna Sophie Becker, Juliane Berg, Evelyn Damm, Marie Antonia Decker, Luana Dania Dietze, Cinio Engel, Julia Hanselmann, Lorenz Nöll, Mara Kleine, Leon Noel Petri, Sarah Salchow, Cedrik Schöbe, Sedef Sönmez, Hannah Wäschenbach und Kim Weber.
Für ihr langjähriges Engagement sowie den Einsatz für die Ideen und Grundsätze der UNESCO-Projektschulen wurde gedankt: Louisa Betz, Lina Höfling, Laura Jakobsen-Urwald, Florentine Fiona Laux, Naemi Müller, Adelina Nazarenus und Duc Anh Pham.

Vor dem Wandmotiv mit dem diesjährigen Abi-Motto sprach Adelina Nazarenus.
Alexander Stohl hielt später wie seine Mitstreiter stolz sein sein Zeugnis in der Hand. Der 19-Jährige aus Wallmenroth möchte voraussichtlich ab Herbst Jura studieren.
Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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