Schnelle Corona-Diagnosen in der Kreisstadt
Erste Fieberambulanz im AK-Land in Betrieb

In Altenkirchen hat die erste Fieberambulanz des AK-Lands am Donnerstag ihre Arbeit aufgenommen.
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damo Kreis Altenkirchen. Die erste Fieberambulanz im AK-Land hat am Donnerstag ihre Arbeit aufgenommen. Und schon nach zwei Stunden hatten sich knapp 20 Patienten mit Erkältungssymptomen am DRK-Krankenhaus in Altenkirchen gemeldet.

Aber lediglich bei sieben von ihnen haben die Mediziner tatsächlich im Rachenraum einen Abstrich genommen – die übrigen Patienten wurden ohne Test wieder nach Hause geschickt. Denn wer in der Fieberambulanz wirklich getestet wird, regelt ein eindeutiger Kriterienkatalog.

Husten, Fieber oder Halsschmerzen alleine reichen nicht für einen Abstrich: Nur wer Symptome aufweist und zusätzlich in einem Covid-19-Risikogebiet war oder Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Patienten hatte, wird getestet.

Diese Kriterien entsprechen den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, erklärte Landrat Dr. Peter Enders. Und sie dienen dazu, die Labore vor dem Kollaps zu bewahren. „Wir schaffen 600 Tests am Tag“, berichtete Dirk Schmidt. Er ist der Leiter des Labors in Koblenz, an das die Proben aus dem AK-Land geschickt werden. Aber eben nicht nur die: Das Labor deckt einen weitaus größeren geografischen Raum ab, und um die besagten 600 ausgewerteten Proben pro Tag garantieren zu können, seien bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt worden. Dementsprechend zufrieden nahm Schmidt auch gestern die Abläufe – und vor allem das Festhalten an klaren Vorgaben – in der Altenkirchener
Fieberambulanz zur Kenntnis. „Das ist vorbildlich, weil damit sichergestellt wird, dass keine Kapazitäten für die Labore verlorengehen.“

Wer sich in der Fieberambulanz auf das Corona-Virus testen lassen will, durchläuft im Prinzip eine große Schleuse – der Kontakt möglicher Betroffener untereinander wird praktisch ausgeschlossen. Die Patienten werden schon am Eingang deutlich auf die Kriterien für einen Test hingewiesen; wer sich die Mühe macht, die Infozettel zu lesen, dürfte eigentlich genau wissen, ob bei ihm nun ein Abstrich genommen wird oder nicht.

In jedem Fall beginnt der Weg durch die Fieberambulanz vor der Tür: Dort warten die Patienten im Freien, bis sie aufgerufen werden. Im Gebäude müssen sie zuerst gründlich ihre Hände desinfizieren und anschließend einen Mundschutz anlegen. Erst dann kommen sie zur Anmeldung, wo sie ihre Personendaten mitteilen und die Versicherungskarte einlesen lassen.

Dann kommt die Anamnese: Ein Facharzt der Inneren Station lässt sich die Symptome schildern und fragt zudem nach Kontakten mit nachweislich Infizierten oder einem Aufenthalt in Regionen, die offiziell als Risikogebiet eingestuft worden sind. Dann wird entschieden, ob ein Abstrich genommen wird – und anschließend geht’s durch den Hintereingang raus. Dank dieses Einbahnstraßenprinzips können sich die Patienten in der Ambulanz nicht begegnen.

Nach dem Test teilen die Mediziner die Patienten in Risikogruppen ein. Falls die Ärzte von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Infektion ausgehen, werden die Betroffenen vorsorglich in häusliche Quarantäne geschickt und schon ans Kreisgesundheitsamt gemeldet, bevor das Testergebnis vorliegt.
Das dauert nach Angaben von Dirk Werner, dem Chefarzt der Inneren und dem Leiter der Fieberambulanz, zwischen 24 und 48 Stunden. Je nach Ergebnis wird eine Meldekette in Gang gesetzt.
Natürlich werden auch die Menschen, die getestet wurden, sofort informiert. Und es ist kein gutes Zeichen, wenn sich am Telefon niemand vom Pflegepersonal, sondern ein Mediziner meldet: „Bei einem positiven Befund meldet sich direkt ein Arzt“, sagte Werner und lieferte auch gleich die Erklärung mit: „In diesem Gespräch werden direkt Hinweise auf das weitere Vorgehen gegeben.“

Werner betonte aber noch einmal, dass man aktuell bei 90 Prozent der Covid-19-Fälle von einem leichten Verlauf ausgehen dürfe – sodass es im Regelfall mit häuslicher Quarantäne getan sei.
Das bestätigte auch Heinz-Uwe Fuchs, der Leiter des Kreisgesundheitsamts. Alle 15 Covid-19-Patienten aus dem AK-Kreis sind derzeit zuhause; niemand hat bislang ins Krankenhaus gehen müssen.
Fuchs war am Donnerstag deutlich anzumerken, dass ihm die Fieberambulanz sehr willkommen ist: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts sind seit Wochen im Dauereinsatz. „Sie haben doppelt und dreifach gearbeitet“, ergänzte der Landrat. Und obwohl die Corona-Tests nicht zu den Kernaufgaben gehören, hat die Behörde diese bislang weitgehend allein abgedeckt. Nur ein geringer Anteil der Tests sei direkt in den Hausarzt-Praxen im Kreisgebiet erledigt worden. Und zwar aus gutem Grund: „Viele hausärztliche Kollegen haben berechtigte Bedenken“, sagte Fuchs und verwies darauf, dass eine Arztpraxis eben räumlich nicht darauf eingestellt sei, mit Schleusen und im Einbahnstraßenprinzip zu arbeiten.

Über hundert Tests sind in den letzten Tagen bereits im Gesundheitsamt erledigt worden – künftig werden es wohl deutlich weniger sein. Denn am Freitag geht auch die zweite Fieberambulanz in Kirchen an die Arbeit.Das heißt aber keineswegs, dass das Gesundheitsamt wieder zur Ruhe kommen wird: Die primäre Aufgabe ist es, den Weg von Infektionen zu verfolgen und möglichst zu unterbinden. Und in manchen Fällen zieht ein einziger infizierter Patient einen Rattenschwanz von 50 Verdachtsfällen nach sich, verdeutlichte Fuchs.

Dass man aktuell kreisweit erst bei 15 bestätigten Fällen stehe, wertete der Landrat verhalten positiv: „Wir sind bislang diszipliniert miteinander umgegangen.“ Aber auch die Strukturen des ländlichen Raumes dürften es dem Virus schwerer machen, neue Wirte zu finden: „Das ist natürlich ein Unterschied, ob ein Covid-19-Patient in einem Hochhaus mit 100 Leuten lebt oder in einem Einfamilienhaus mit Garten drumherum“, meinte Enders. Er lobte auch, wie die Bürger in den ersten Stunden mit der Fieberambulanz umgegangen sind: „Sehr diszipliniert. Woanders sind tumultartige Szenen überliefert worden, die natürlich keinem helfen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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